merken
PLUS

Glück im Gohliser Unglück

Statt Beton ergoss sich Jauche und Grundwasser in die frische Baugrube. Vor zwei Wochen ist Familie Meischner endlich in ihr neues Haus gezogen.

Von Nadja Laske

Die Einweihungsfeier muss noch ein wenig warten. Wenigstens bis die Innentüren in den Angeln hängen. Noch fehlen sie. Am letzten Maiwochenende sind Mandy und Michael Meischner mit ihren drei Kindern – dem sechsjährigen Robin und den anderthalbjährigen Zwillingen – ins neue Heim gezogen. „Bis auf Kleinigkeiten ist alles fertig“, sagt der Familienvater und klingt erleichtert.

Anzeige
Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden

Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 2. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein.

Ein hartes Jahr liegt hinter den Gohlisern. Nicht nur hinter diesen fünf, sondern hinter allen, die es im Viertel so schlimm getroffen hat. Anderenorts wurde im Juni 2013 schon das Ende des Hochwassers gefeiert, da steckten die Elbebewohner im Westen der Stadt noch mitten in Schlamm, Wasser und angeschwemmten Fäkalien. Die Meischners wohnten zur Miete auf dem Grünen Weg und mussten ihre Wohnung verlassen. An den Weiterbau am eigenen Haus war gar nicht zu denken.

„Rund zweieinhalb Monate hat es gedauert, bis unsere Baugrube leer gepumpt werden konnte, erst dann war der Grundwasserspiegel weit genug gesunken“, sagt Michael Meischner. Die Stadtentwässerung hatte zwar Pumpversuche unternommen, dann aber vorübergehend ihre Geräte wieder abgezogen. Gefordert war es zwar nicht, doch eine sogenannte „weiße Wanne“ einzubauen, das hatte der Ingenieur sowieso geplant. So nennt man es, wenn die Bodenplatte und die Außenwände aus einem speziellen wasserundurchlässigen Beton gegossen sind. „Das hält dicht bis zu den Kellerfenstern und kann nicht aufgeschwemmt werden“, erklärt Meischner. Heizung und Elektroverteiler hat er erhöht im Erdgeschoss einbauen lassen. Sicher sei das alles etwas teurer als Standard. Aber im Ernstfall helfe es hoffentlich. Dass der wieder eintreten könnte, darüber ist sich das Paar bewusst. Und wie viele andere Dresdner, die vis a vis der Elbe wohnen, machen auch sie die Beobachtung: „Kaum regnet es mal eine Weile richtig heftig, schwillt der Fluss gleich wieder an.“

Stein auf Stein

Nerven haben die Meischners zwar gelassen, aber sicher nicht so sehr wie etliche Nachbarn: „Wir hatten Glück im Unglück, weil von unserem Haus ja noch nichts stand, das hätte zerstört werden können.“ Nebenan werde gerade erst die Fassade erneuert. Die Spuren der Flut sind auch ein Jahr nach der Überschwemmung nicht ganz verschwunden.

Mandy und Michael Meischner haben ihren Alltag wiedergefunden. Auf ihrem Grundstück hinterm Haus steht eine Datsche. Die wollen sie bald renovieren. Erst die Zimmertüren, dann das nächste Ziel.