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Glücklich auf dem Bauernhof

Familie Kühnemund zog aus dem schicken Eigenheim in Freital aufs Land -in die Lommatzscher Pflege. Und hat ihre Erfüllung gefunden.

Familie Kühnemund ist aus Freital in die Lommatzscher Pflege gezogen.
Familie Kühnemund ist aus Freital in die Lommatzscher Pflege gezogen. © Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Wenn man Susann und  Enrico Kühnemund und ihre Kinder Kevin (19) und Kiara (15) auf ihrem Bauernhof  sieht, fällt einem spontan Goethes Osterspaziergang ein: "Zufrieden jauchzet Groß und Klein, hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein". 

Seit sie vom schmucken, modernen Eigenheim in Freital in einen rund 100 Jahre alten Bauernhof in einem Lommatzscher Ortsteil gezogen sind, kann die Familie ganz Mensch nach ihren Vorstellungen sein. 

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Zwar hatte die Familie schon in Freital einen  400 Quadratmeter großen Garten, baute Kartoffeln, Gurken, Tomaten an, doch das ist nichts gegen heute. In Lommatzsch bewirtschaften die Kühnemunds ein ein Hektar großes Grundstück, also 10.000 Quadratmeter.

 "Noch bevor wir mit der Sanierung des Hauses begannen, haben wir erstmal 700 Sträucher und 200 Obstbäume gepflanzt", sagt der 44-jährige Enrico Kühnemund und lacht.  

Inzwischen gibt es auch einen Schweinestall und ein Gewächshaus mit einer Größe, die jeder Agrargenossenschaft zur Ehre gereichen würde. Dort bauen sie beispielsweise rund 30 Tomatensorten an. "Wir probieren vieles aus, gehen einen Weg, der für Natur und Umwelt stimmt. Bei uns kommt beispielsweise keine Chemie zum Einsatz", sagt Ehefrau Susann. 

Auch Schafe hält die Familie und Hühner. Nicht irgendwelche,  sondern seltene Rassen wie Brahmas. "Und den gönnen wir auch mal eine Legepause", sagt die Frau des Hauses, die aus Erlabrunn im Erzgebirge stammt und Krankenschwester gelernt hat.

 Inzwischen arbeitet sie in der Firma ihres Mannes, die mehrere Fitnessstudios in Dresden, Radebeul und Radeberg betreibt.  Zur Familie gehören auch die Hündin Kiburi (13) und der neunjährige Jabali, zwei Rhodesien Ridgebacks sowie eine Katze.

So sah der Bauernhof der  Familie Kühnemund vor der Sanierung aus. 
So sah der Bauernhof der  Familie Kühnemund vor der Sanierung aus.  © privat
Ein paar Jahre später erstrahlt er  in neuem, alten Glanz. 
Ein paar Jahre später erstrahlt er  in neuem, alten Glanz.  © privat
Ihr Garten ist ihr Paradies. Die Kühnemunds bauen auch Wein an.
Ihr Garten ist ihr Paradies. Die Kühnemunds bauen auch Wein an. © Claudia Hübschmann

Ein Haus mit Geschichte und Charakter

Doch was treibt eine junge Familie dazu, von der Stadt aufs Land zu ziehen. "Grund war eine Zucchini, die wir geschenkt bekamen. Wir bauten sie an, bald war unser Garten zu klein", sagt die 43-Jährige und lacht. Lange suchten sie nach einem passenden Grundstück auf dem Land, einen Bauernhof, nicht zu groß und nicht zu klein, im Umkreis von 50 Kilometern zu Dresden, sahen sich zehn, zwölf Objekte an.

 Dann standen sie plötzlich vor dem Bauernhof hier. "Wir hatten uns angeguckt und sagten, da brauchen wir gar nicht reingehen, dass isses. Wir wollten ein Haus mit Geschichte und Charakter", erinnert sich Susann Kühnemund. 

Dass die Gebäude, die zuvor ein Jahr leer standen, von Grund auf saniert werden mussten, schreckte sie nicht ab. "Wir wussten, das wird ein Vier-Jahres-Projekt", sagt Enrico Kühnemund. So ziemlich alles wurde erneuert, Dach, Fassade, Fenster, Türen, Fußböden, Elektrik, eine Pelletheizung eingebaut. Auf dem Dach ist eine Solaranlage installiert. Nur eines findet man bei Kühnemunds nicht: eine Satellitenschüssel. Den Fernsehapparat haben sie schon vor 15 Jahren aus ihrem Leben verbannt. 

Beim Umbau half auch die Förderung aus dem Leader-Programm. Die beiden sind voll des Lobes über die Behörden. "Das Regionalmanagement Lommatzscher Plfege" und die Stadtverwaltung Lommatzsch haben uns hervorragend unterstützt. Ich glaube nicht, dass das in einer größeren Stadt auch so gewesen wäre. 

Und auch Makler Stefan Weisz war sehr fair", sagt Enrico Kühnemund, der gebürtige Dresdner. Für den Umbau hat die Familie ausschließlich einheimische Firmen genommen und ist damit sehr zufrieden. "Sie arbeiteten alle Hand in Hand. Wir würden jede davon bedenkenlos weiterempfehlen", so Susann Kühnemund. Vieles haben sie und ihr Mann selbst gemacht. Drei Jahre lang sind sie dafür täglich die 50 Kilometer von Freital nach Lommatzsch gefahren. 

Hier kann die Familie jetzt ihren umweltbewussten und ökologischen Lebensstil umsetzen. "Wir leben weitgehend autark. Außer Milch aus Mahlitzsch und Getreide aus der Miltitzer Mühle kaufen wir kaum etwas dazu. Wir wollen bewusst leben, machen uns Gedanken, wo die Lebensmittel herkommen", sagt Enrico Kühnemund.  Auch Nudeln machen sie selbst, bauen Wein an und keltern ihn selbst. Im Vorjahr hatten sie 60 Flaschen.  Sie halten sich auch sechs Bienenvölker, stellen Honig selbst her. 

Plausch am Gartenzaun

Doch wie wurden die "Neuen" im Ort aufgenommen? Auch hier sind sie voll des Lobes. "Wir sind ganz schnell freundlich aufgenommen worden. Wir haben eine sehr gute Nachbarschaft, die Leute helfen einander, die Kinder sagen 'Guten Tag', es gibt öfter einen Plausch am Gartenzaun. Wir fühlen uns hier sehr wohl und sind glücklich", so die 43-Jährige.

 Dass es so gut läuft mit den Nachbarn, liegt wohl auch an den Kühnemunds selbst. Sie sind offen, igeln sich nicht ein. Zweimal schon haben sie ein Scheunenfest veranstaltet. Fast das gesamte Dorf war da. Es stimmt eben doch. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

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Zurück in die Stadt wollen die Kühnemunds nicht. Sie genießen die Landschaft, die Ruhe, das Gezwitzscher der Vögel. An ihrem Grundstück haben die Kühnemunds ein Schild aufgestellt. "Je älter wir werden, desto kleiner wird unser Wunschzettel. Denn die Dinge, die wir uns wirklich wünschen, kann man nicht kaufen", steht darauf. Auf Materielles legen sie wenig Wert. Sie wollen Mensch sein, ihr Leben so leben, wie sie es möchten. Hier in Lommatzsch können sie das tun. Nicht nur zu Ostern.

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