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Radebeul

Glücklich klöppeln

14 Frauen treffen sich zweimal im Monat zu Handarbeit und Tüfteln. Da kann auch ein alter Sack mal für Schmunzelmomente sorgen.

Na, wollen Sie vielleicht mitmachen? Der Weinböhlaer Klöppelzirkel würde sich über Verstärkung freuen. (v.l.) Anna-Rosa Brogsitter, Karin Nessel, Gisela Pohl, Gudrun Meurers, Bärbel Keunecke, Karin Jagode und Karin Wichert.
Na, wollen Sie vielleicht mitmachen? Der Weinböhlaer Klöppelzirkel würde sich über Verstärkung freuen. (v.l.) Anna-Rosa Brogsitter, Karin Nessel, Gisela Pohl, Gudrun Meurers, Bärbel Keunecke, Karin Jagode und Karin Wichert. © Matthias Schumann

Weinböhla. Stimmengesumm. Lachen. Klappern. Was geschieht da nur zu abendlicher Stunde hinter der Tür im ersten Stock des Rathaus-Nebengebäudes?

Um einen langen Tisch herum sind mehrere Frauen versammelt. Vor sich größere und kleinere Rollen auf einem Holzgestell. Unter sich – teils zwei Stühle, weil die Höhe stimmen muss zwischen Arbeitsfläche und Sitz. Kein Vergleich mit dem Klöppelständer zu Hause, der ist höhenverstellbar. Aber den können die Damen zweimal im Monat entbehren.

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Dann nämlich, wenn sie sich dienstagabends am Rathaus treffen. Auf ihren Klöppelzirkel mit insgesamt 14 Teilnehmerinnen würden sie nicht verzichten. Eine wunderschöne Gemeinschaft, sagt Anna-Rosa Brogsitter. Die anderen nicken. Superwohl fühle man sich in dieser Runde, bestätigen sie. Und dass sie sich gut kennen, trotzdem aber gern Verstärkung aufnehmen würden, ältere und jüngere Interessenten – auch Männer, die sich bei Klöppelvorführungen oft sehr angetan zeigen. Über die gute Stimmung ist nicht nur Gisela Pohl glücklich, sie hält neben den Klöppel- auch die Zirkelfäden in der Hand. Da gibt es mal eine Ausstellung, mal Schauklöppeln wie im Heimatmuseum zum jährlichen Weihnachtsmarkt, mal eine gemeinsame Fahrt für die Frauen.

Schon sind die eifrigen Handarbeiterinnen mit schnellen Fingern wieder über ihrem zarten Werk. Karin Nessel, ein halbes Jahr dabei, hat einen Engel vor sich. Im Jahr 2017 hat sie die Großenhainer Pflege samt dortigem Klöppelklub Richtung Advita Weinböhla verlassen, dann wieder einen gleichgesinnten Hobbykreis gesucht. Immerhin klöppelt sie seit 1983. Bei den netten Frauen hier, lernt sie immer wieder was dazu, versichert sie lächelnd.

Natürlich nehmen sie sich auch zu Hause gern den Klöppelsack vor. Aber nach zwei Stunden fällt das Sitzen schwer, sagt Anna-Rosa Brogsitter. Außerdem warten da noch Haushalt, Garten, Familie. Mit all dem muss sich die Klöppelleidenschaft den Tag teilen. Manches funktioniert allerdings auch gleichzeitig. Klöppeln und Musiksendung gucken, sagt Karin Wichert. Was eigentlich immer klappt: Klöppeln macht ruhig. Der Laie empfindet beim schnellen Hin und Her des Garns erst mal das Gegenteil. Leinenschlag, Netzschlag? Volle Konzentration für die Spitze ist angesagt. Den Gast strengt schon das Zusehen an.

Die klöppelerfahrenen Damen haben Verständnis. Anfangs glaubte auch manche von ihnen, sie schafft das nicht. Aber die Aussicht auf schöne Muster, hübsche Deckchen, Figuren zum Aufhängen – kurz gesagt, auf ein eigenes Kunstwerk – lässt Wege zum Umsetzen finden, Neues erlernen, Mühen vergessen, versichern die begeisterten Handarbeiterinnen.

Die sich hier in Weinböhla Gleichgesinnte, Mitstreiterinnen gesucht haben. Was hat die Nachbarin da Tolles mitgebracht? Ein Muster Wiener Schule, Jugendstil. Kunstvoll, kompliziert, bewundernswert. Mit Anerkennung sparen die Damen nicht, auch nicht mit Ratschlägen. Arbeiten, gucken, schwatzen. Hin und wieder über eine der Ihren, auch wenn sie gerade nicht dabei ist. Die Klöpplerinnen machen sich Sorgen, eine fast 90-Jährige ist gestürzt. Hoffentlich kommt sie wieder auf die Beine.

Nein, nein, wir reden nicht nur über Krankheiten, beruhigt Gudrun Meuers. Sie kann auch wunderbar sticken, erzählt ihr Gegenüber. Persönliches macht die Runde ebenso wie Backrezepte und Urlaubserlebnisse. Dazu kleine Storys übers Hobby selbst. Vom alten Sack beispielsweise. Nicht von dem, an den jetzt vielleicht manche oder mancher denkt. Die Rede ist vom Klöppelsack, wichtiges Zubehör. Flach oder gewölbt, gekauft oder selbst gestopft – mit Meerschweinchenstreu beispielsweise. Vor vielen Jahren, deshalb der alte Sack. Alles schmunzelt. Wo nehmen sie nur die Ideen für die unendlich vielen Muster her? Klöppelbriefe zur Anleitung sind eine wichtige Quelle. Wenn eine was Schönes hat, tauschen sie sich aus. Manchmal hilft der Schlaf beim Problemlösen – dann steht man auch des Nachts auf, um Geträumtes nicht zu vergessen.

Gudrun Pohl gestaltet am liebsten kleine Sachen zum Verschenken. Österliches war kürzlich dran. Das Osterei bei Kathrin Große, Jüngste im Bunde, Hasen bei Karin Jagode. Aus einer ursprünglich für Weihnachten gedachten Glocke kann durchaus eine fürs Osterfest werden, und wer schon genug Sachen für Ostern hat, zaubert lieber am weihnachtlichen Stern weiter.

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Erneut versinken die Klöpplerinnen – allesamt hobbymäßig in Aktion – in ihre Kunst, die sich auch mit Gold- und Silbergarn oder Draht ausüben lässt. Kein Zweifel, das Ganze hat Potenzial zur Sucht. Offensichtlich zu einer Empfehlenswerten. Denn unzufriedene Gesichter gibt es an dem Abend nicht. Klöppeln als Glückskraft.

Wer im Klöppelzirkel mitmachen will, kann sich in der SZ-Redaktion Radebeul, 1 0351 837475650, melden.