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Glückliche Großfamilie

Selten sind die Wenzels so beisammen wie beim Besuch im Freizeitpark „Belantis“. Den gewannen sie Radio – und das nicht zum ersten Mal.

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Von Eric Weser

Böhla und Belantis. Zwei Orte, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Hier das nur wenige Seelen zählende, beinahe verschlafene Dörfchen am Rande der Lommatzscher Pflege. Dort der rumorende Freizeitpark südlich von Leipzig mit Achterbahnen, Wasserrutschen und Karussells. Familie Wenzel mag sie alle beide.

Bei einem Radiogewinnspiel Ende letzter Woche gewann die neunköpfige Großfamilie aus dem kleinen Ortsteil von Hirschstein einen ganztägigen Aufenthalt im Belantis. „Wir haben uns riesig gefreut“, sagt Christine Wenzel. Sie war es, die am Freitagvormittag versuchte, beim Radiosender R.SA die Tickets bei der Verlosung zu ergattern. Gelungen aber ist es ihrer 22-jährigen Tochter Isabell. Reiner Zufall sei es gewesen, dass sie noch einmal versucht habe, durchzurufen – und prompt klappte es. Mit lautem Indianergeheul überzeugten die Wenzels Radiomoderator Christoph Schneider von ihrem Willen, die Karten für den Freizeitpark zu gewinnen. Schon einen Tag später fanden sie sich im 100 Kilometer entfernten Belantis wieder.

Während Vater Klaus mit den Söhnen Maik (25) und Philipp (16) wilde Achterbahnfahrten auf der steilen Huracan-Achterbahn unternahmen, ließen es Mutter Christine und Tochter Isabell bei einer großen Zuckerwatte ruhiger angehen. Lediglich der siebenjährige Joel war traurig, nicht mitfahren zu dürfen. Doch er kam mit Schwester Lili-Fabienne (11) bei der großen Wasserrutsche voll auf seine Kosten. „Das hat richtig gespritzt“, erzählt Joel quietschvergnügt. Hätten sie nicht so lange vor den zahlreichen Fahrgeschäften anstehen müssen – die Wenzels hätten gerne alles mitgenommen, was der Freizeitpark an Attraktionen zu bieten hat. Anders als beim letzten Mal haben sie es diesmal nicht geschafft.

Es war nämlich nicht der erste vom Radiosender R.SA gesponserte Besuch der Großfamilie im Belantis. Erst im Vorjahr hatten die Böhlaer Glück und gewannen Tagestickets für den Freizeitpark. Die kosten pro Person im Schnitt um die 25 Euro. „Das könnten wir uns selbst gar nicht leisten“, sagt Christin Wenzel, die auf Abruf als Postzustellerin arbeitet.

(Fast) alle unter einem Dach

Tochter Isabell findet vor allem schön, dass die Großfamilie an solchen Tagen fast vollständig zusammenkommt. Das sei sonst nur selten der Fall – immer ist jemand auf Arbeit oder bei der Ausbildung, sagt Isabell Wenzel. Und so fehlte auch Tochter Katja beim Belantis-Besuch. „Da kann man leider nix machen“, sagt die 28-Jährige, die als Pflegekraft arbeitet und am Samstag Wochenenddienst schieben musste. Vielleicht beschert das Gewinnspiel-Glück der den Wenzels ja im nächsten Jahr einen dritten Belantis-Besuch, bei dem auch Katja mit dabei sein kann.

Glücklich sind die Wenzels auch darüber, inzwischen seit zehn Jahre in Böhla zu wohnen. Insbesondere nach den Ereignissen rund um die Elbe Anfang Juni diesen Jahres. Der Grund: Im Jahr 2002 wohnte die Familie in Röderau-Süd und büßte bei der Jahrhundertflut ihr Hab und Gut ein, erzählt Christine Wenzel. „Wir haben uns schnell dann nach einem neuen, flutsicheren Wohnort umgeschaut und sind nach einigem Hin und Her im September 2003 hier gelandet“, sagt sie weiter.

Die neuerliche Flut im Juni diesen Jahres konnten Wenzels damit aus sicherer Ferne beobachten. Sie verstehen das Leid der Betroffenen und sind gleichzeitig froh, selbst keine Angst mehr vor dem Hochwasser haben zu müssen.

Abgesehen von der ältesten Tochter, die mit ihrer eigenen Familie im nur wenige hundert Meter entfernten Kobeln wohnt, leben in Böhla alle Wenzels an einem Fleck. Und so groß ihr Haus auch ist – ohne Kompromisse geht es im Alltag bei derart vielen Köpfen nicht. So teilen sich die Söhne Maik und Philipp ein Zimmer, während Joel und seine Schwester Lili-Fabienne jeweils ihr eigenes Reich haben. „Sie sind noch zu klein, um miteinander auszukommen“, sagt Mutter Christine. Schlangen vorm Badezimmer gibt es morgens trotzdem nicht. „Wir gehen alle zu unterschiedlichen Zeiten in die Schule oder auf Arbeit, da kommen wir uns nicht in den Weg“, sagt die 48-Jährige.

An die gelegentlichen Blicke ihrer Mitmenschen hat sich die Familie gewöhnt. „Man spürt schon, dass man manchmal beäugt wird, wenn man zum Beispiel im Urlaub als so große Familie wohin kommt und das stört auch“, sagt die 22-jährige Isabell. Doch im Laufe der Jahre haben die Wenzels gelernt, damit umzugehen und sich keine Gedanken mehr zu machen, was Andere denken. Dazu leben sie viel zu gern als große Familienbande.