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Döbeln

Glücksfall Austritt

Die Döbelner haben dem Landesjagdverband den Rücken gekehrt. Das hatte bisher nur positive Effekte.

Rauhaarteckel Orla ist der ständige Begleiter von Horst Reisig, Vorsitzender des Jagdverbandes Döbeln.
Rauhaarteckel Orla ist der ständige Begleiter von Horst Reisig, Vorsitzender des Jagdverbandes Döbeln. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Es sei einfach üblich gewesen, dass sich die örtlichen Jagdverbände dem des jeweiligen Bundeslandes anschließen. Der wiederum war Mitglied im deutschen Jagdverband. „Deshalb sind wir mit der Wende dem sächsischen Landesverband beigetreten“, sagt Horst Reisig, Vorsitzender des Jagdverbandes Döbeln. Doch der erhoffte Effekt blieb aus.

Immer wieder habe es Wechsel in der Führungsspitze des Landesverbandes gegeben. Dadurch sei eine kontinuierliche Arbeit nicht möglich gewesen. „Döbeln zählt historisch zu den Niederwildgebieten. In diesem Bereich wurden wir vom Landesverband nicht vertreten“, so Reisig. 

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Auch beim Wolfsmanagement konnten die Döbelner ihre Fachkenntnisse nicht einbringen. Und der Landesverband habe sich nicht aktiv an der Gestaltung des sächsischen Jagdgesetzes beteiligt, bemängelt der 67-Jährige. Die Konsequenz: Der Jagdverband Döbeln hat den Landesjagdverband zum Jahreswechsel 2018/19 verlassen. 

Auch die Jagdverbände Riesa, Meißen und Wittichenau sind ausgetreten. Diese vier Verbände haben im Frühjahr dieses Jahres die Interessengemeinschaft sächsischer Jäger gegründet. „Scheinbar denken zwischenzeitlich noch weitere Jagdverbände über einen Austritt aus dem Landesverband nach“, sagt Reisig.

Mitgliederzahl steigt wieder

Die Eigenständigkeit habe für die Döbelner bisher nur Positives gebracht. Der Mitgliederschwund konnte gestoppt und umgekehrt werden. Etwa 90 Jäger gehörten beim Austritt zum Döbelner Verband. Jetzt sind es knapp hundert. Und unter den Neuen sind einige junge Leute. 

Da die Mitgliedsbeiträge zu hundert Prozent für die Verbandsarbeit eingesetzt werden, sei eine stabile Arbeit möglich. Das heißt, für Schulungen werden entsprechend der Themen Fachkräfte engagiert. Das Jagdgebrauchshundewesen wird finanziell unterstützt. 

Die älteren Waidgenossen erhalten zu ihren Ehrentagen ein kleines Präsent. Außerdem gebe es eine gute Zusammenarbeit mit den Hegegemeinschaften, einem Zusammenschluss von Jagdausübungsberechtigten mehrerer benachbarter Reviere.

„Besonderen Wert legen wir auf die Jungjägerausbildung und die Eingliederung in die jeweilige Hegegemeinschaft“, erklärt der Vorsitzende des Döbelner Jagdverbandes. Er hält wenig von der üblichen Praxis, dass Jagdinteressierte während eines zweiwöchigen Lehrgangs einen international gültigen Jagdschein erwerben können.

 Mit ein wenig Theorie, einer Revierbegehung und Übungen auf dem Schießstand sei der Betreffende noch lange kein Jäger. Horst Reisig habe als Jugendlicher fünf Jahre lang das Handwerkszeug eines Jägers erlernt, bei dem das Schießen gerade einmal ein Prozent aller Handlungen ausmache. Inzwischen besitzt er den Jagdschein seit 48 Jahren.

Bei einem Thema ist der Verband allerdings noch nicht weitergekommen – dem Wolf. Der werde streng geschützt und dürfe nicht geschossen werden. Dadurch könne er sich stark vermehren und gleichzeitig andere Tierarten dezimieren. Der Döbelner Jagdverband plädiere dafür, dass der Wolf ebenso bewirtschaftet sowie artgerecht gejagt und damit die Bestände reguliert werden, wie es das Jagdgesetz bei jedem anderen Wildtier auch vorschreibt. 

„Da wir als Jagdverband unsere Meinung zwar sagen dürfen, aber nicht erhört werden, bleibt abzuwarten, was passiert“, so der Vorsitzende. In dieser Frage gehe es den Döbelnern wie den Jagdwissenschaftlern, zum Beispiel Professor Hans-Dieter Pfannenstiel, der aus dem Landesjagdbeirat Brandenburg ausgetreten ist, dessen Vorsitzender er war.

Trophäen und Wildgulasch

„Meine Welt ist die Natur“, sagt Reisig und blickt dabei auch auf den Klimawandel und Greta Thunberg. Zu ihr hat er eine ganz eigene Meinung: „Sie sollte die Jugend lieber aufrufen, fleißig zu lernen und den Unterricht regelmäßig zu besuchen. Und wenn dann noch Zeit ist, einen Baum zu pflanzen, der für den Sauerstoffgehalt der Erde wichtig ist.“

Über diese Ansicht und das Jagdwesen können Interessierte mit Horst Reisig und weiteren Weidgenossen zum Erntedankfest im Kloster Buch am 14. und 15. September diskutieren. Im Kuhstall wird der Jagdverband Döbeln an einem 25 Meter langen Stand das Hobby Jagd vorstellen. 

Aber nicht nur das. Dort werden auch rund 300 Trophäen ausgestellt und an beiden Tagen machen die Jagdhornbläsergruppen aus Döbeln, Riesa und Meißen auf den Informationsstand aufmerksam. „Jeweils zweimal am Sonnabend und Sonntag werden wir auf der Muldewiese neben dem Kräutergarten 19 Jagdhunderassen und deren Verwendung bei der Jagd vorstellen“, so Reisig.

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