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Glücksfall mit DDR-Charme

Die alte Villa an der Albert-Schweitzer-Straße hat augenscheinlich schon bessere Tag erlebt. Das Linoleum am Boden ist abgewetzt, an den Fensterrahmen blättert der Lack ab. Die in einigen Räumen vertäfelten Wände verbreiten einen muffigen DDR-Charme.

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Von Sebastian Kositz

Die alte Villa an der Albert-Schweitzer-Straße hat augenscheinlich schon bessere Tag erlebt. Das Linoleum am Boden ist abgewetzt, an den Fensterrahmen blättert der Lack ab. Die in einigen Räumen vertäfelten Wände verbreiten einen muffigen DDR-Charme. Doch daran stößt sich Torsten Wiegel wenig. Im Gegenteil. Der Chef des Steinhauses spricht von einem Glücksfall. „Das ist ein Haus, das sonst nicht frei herumsteht. Hier entspricht vieles den Strukturen, wie es später mal im neuen Steinhaus sein wird“, erklärt Wiegel.

Während das alte Steinhaus in der Innenstadt in den kommenden beiden Jahren für 4,3 Millionen Euro aufwendig renoviert und umgebaut wird, ist das ehemalige Internat an der Albert-Schweitzer-Straße vorübergehend die neue Adresse der soziokulturellen Einrichtung. Die um 1900 herum errichtete Villa bietet nicht nur ausreichend Platz für Büros, ein Atelier, Kurs- und Seminarräume, sie verfügt zudem auch über eine große Küche und einen geräumigen Saal für bis zu 200 Besucher.

Theatervorführungen im Saal

Am 1. März will der Steinhaus-Verein mit einem Tag der offenen Tür offiziell den Betrieb am Interimsstandort aufnehmen. Doch bis dahin ist noch viel zu tun. In den obersten Etagen richten die Mitarbeiter gerade ihre Büros vor. Im Saal möchte der Verein eine sechs mal acht Meter große Bühne einbauen lassen – nicht nur für Konzerte, sondern auch für Vorführungen der Theaterleute. „Das ist hier ein zweijähriger Testlauf für die Dimension im neuen Steinhaussaal, der eine ähnliche Kapazität haben wird“, freut sich Wiegel. In dem Saal am Ausweichquartier will der Verein zudem auch sein Kinoprogramm fortführen.

Die alte Küche, in der zuletzt die Speisen für die Internatsbewohner zubereitet wurden, will der Verein ebenfalls wieder in Betrieb nehmen. „Das ist ein weiteres Argument für das Haus. Hier werden wir die Produktionsküche für unser vegetarisches Restaurant Go Veggie und den Lieferdienst unterbringen“, kündigt Wiegel an. Zwar sollen die Mahlzeiten auch am Interimsstandort in der Bautzener Neustadt ausgeteilt werden, doch nach wie vor sucht der Verein auch in der Altstadt noch nach einem Ort für eine Essensausgabe. Denn für viele Gäste aus der Innenstadt wäre gerade in der Mittagspause der Weg hinüber über die Friedensbrücke zu weit. „Das Vollsortiment wird es nur an der Albert-Schweitzer-Straße geben. Aber Suppen und Salate könnten wir problemlos in die Altstadt bringen“, sagt Wiegel. Ob die Küche auch nach dem Ende der Sanierungsarbeiten im Steinhaus in der Neustadt verbleiben wird, ist noch ungewiss. Im neuen Steinhaus ist dafür kein Platz vorgesehen. Anderseits hat der Landkreis, der Eigentümer der Villa an der Albert-Schweitzer-Straße, schon durchblicken lassen, das Gebäude nach 2013 verkaufen zu wollen.

Insgesamt steckt der Verein nach eigenen Angaben etwa 20000Euro in die Renovierung des Ausweichquartiers. „Wir lehnen uns für den Standort weit aus dem Fenster und denken, dass sich der Aufwand lohnt“, sagt Wiegel. Dass die Nachfrage nach den Angeboten des Vereins an dem Interimsstandort wegen der Lage außerhalb der Innenstadt abreißen könnte, fürchtet Wiegel nicht. „Wir leben ja nicht von Laufkundschaft. Unsere Nutzergruppe wird sich wegen eineinhalb Kilometer längerem Weg nicht aus der Kurve werfen lassen“, so der Geschäftsführer des Vereins.