SZ + Zittau
Merken

Glücksgefühle mit Macadamia

In Polen wird gern süß und deftig gegessen. Eine junge Frau aus Radomierzyce bei Hagenwerder traut sich, etwas ganz anderes zu servieren.

Von Irmela Hennig & Maria Marciniak
 3 Min.
Teilen
Folgen
Hanna Kus aus Radomierzyce in Polen hat eine Serie veganer, glutenfreier Süßigkeiten entwickelt. Davon musste sie anfangs viele erst überzeugen.
Hanna Kus aus Radomierzyce in Polen hat eine Serie veganer, glutenfreier Süßigkeiten entwickelt. Davon musste sie anfangs viele erst überzeugen. © www.wolfgang-wittchen.de

Schokolade ist gesund. Das ist die gute Nachricht für alle Naschkatzen. Allerdings geht es um dunkle, hochwertige Schokolade – in Maßen genossen. Zum Beispiel als Überzug über die veganen, glutenfreien Süßigkeiten von Hanna Kuś. Die 18-Jährige aus dem polnischen Radomierzyce (Radmeritz), ganz in der Nähe von Görlitz gelegen, hat vor einem Jahr angefangen, selbst Nachtisch herzustellen. Nur aus Nüssen, Trockenfrüchten, Gewürzen und dunkler Schokolade.

Die junge Frau beschäftigt sich aus persönlichem Interesse schon eine Weile mit dem Thema gesunde Ernährung. In Polen, wo gern süß, fett und stark gewürzt gegessen wird, sei das gar nicht so leicht. „Die Menschen hier wollen keine Veränderungen. Sie wollen das essen, was sie gewöhnt sind. Mit viel Zucker zum Beispiel“, erzählt Hanna. Doch Zucker kommt ihr nicht in die Nachspeisen. Als solche werden ihre Zimtrollen, Macadamiakugeln oder auch Frucht-Nuss-Kissen inzwischen im Restaurant ihrer Eltern serviert. Das trägt übrigens den Namen der Tochter: „Hanna“.

Zutaten sind aufgelistet

Bis zum Platz auf die Speisekarte musste die Schülerin allerdings einiges an Überzeugungsarbeit leisten. „Am Anfang haben nur drei Leute an mich geglaubt – meine besten Freundinnen“, erzählt sie. Selbst die Eltern, die typisch polnische, sächsische und Oberlausitzer Gerichte anbieten und sogar selbst Schinken, Wurst und Speck räuchern, waren vorsichtig. Ausprobiert haben sie es dann aber doch. „Ich musste alle nach und nach überzeugen, die Eltern, die Kellner, die Mitarbeiter in der Küche, die Gäste.“ Doch inzwischen ist das Angebot beliebt. Kunden fragen gezielt danach und nehmen die Süßigkeiten sogar in Gläsern mit, die Hanna Kuś mit eigens kreierten Aufklebern versieht. „Inzwischen bedanken sich die Leute und freuen sich. Das macht mir Glücksgefühle.

Die Zutaten in jedem Leckerbissen sind auf der Speisekarte aufgelistet, um beispielsweise Menschen mit gesundheitlichen Problemen zu helfen. Die Rezepte aber – alle persönlich ausgeknobelt und ausprobiert – sind Hannas Geheimnis. Nur ihrer Mutter hat sie einige verraten, damit sie die Kugeln und Türmchen herstellen kann, wenn Hanna nicht da ist. „Allerdings hat Hanna viel mehr Erfahrung. Sie weiß, wie sich etwas anfühlen muss, wie es riechen und schmecken soll. Das fehlt mir“, gibt Joanna Kuś zu. Doch künftig wird sie wohl auf Hannas Hilfe verzichten müssen. Denn die junge Frau hat sich in die britische Hauptstadt London verliebt. Sie ist schon dort gewesen und möchte da studieren – etwas im Bereich Ernährung. Der drohende Brexit, der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, schreckt sie nicht ab. „Ich habe gar keine Zeit, mir deswegen Sorgen zu machen“, erzählt sie.

Café und Yoga

Künftig kann sie sich vorstellen, eine Art Café zu eröffnen, mit eigenen Produkten, vielleicht in Kombination mit Yoga, dem sie sich widmet. Mit Werbung durch von ihr selbst gemachten Fotos. Vielleicht erscheint irgendwann auch ein Buch mit Rezepten. An Ideen mangelt es Hanna Kuś nicht und auch nicht am Willen, das umzusetzen, was sie sich vornimmt. In die Forschung gehen, obwohl das bei Ernährung wichtig sei, sei nicht ihre Sache. Sie möchte ihr eigenes Ding machen. Aber nicht in Polen, obwohl es da mit Blick auf die oft ungesunde Lebensweise wichtig wäre, wie sie einräumt. „Ich liebe Polen, aber in London sind die Menschen offener für Neues.“

Mehr Nachrichten aus Görlitz und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.