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Glückwünsche aus der ganzen Republik

Die Fans schwelgen noch immer in Erinnerungen an den FCO-Sieg über den Leipziger Pokalfavoriten. Auch die Polizei ist zufrieden.

© SZ Thomas Eichler

Von Romy Kühr

Nur ein paar leere Plastikbecher auf dem Rasen erinnern noch an die Siegesfeiern. Schon am frühen Morgen sind gestern Helfer dabei gewesen, rund um das Stadion in der Neugersdorfer Jahnsportanlage aufzuräumen. Sie sind immer noch in Feierlaune und singen dabei Fußballlieder. Dazu haben sie allen Grund: Am Abend zuvor hat die Neugersdorfer Mannschaft den Zweitliga-Anwärter und haushohen Favoriten RB Leipzig im Halbfinale aus dem Sachsenpokal gekickt.

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Große Siegesfeiern kann sich der Neugersdorfer Club aber nicht erlauben. „Schon am Wochenende spielt die Mannschaft im Oberlausitz-Derby gegen Budissa Bautzen. Das wird eine schwere Aufgabe. Jetzt gilt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, so FCO-Trainer Manfred Weidner. „Wir freuen uns und genießen den Sieg, denken aber auch schon wieder weiter.“ Trotzdem verschwand die Siegermannschaft nicht gleich nach dem Spiel vom Platz, wie sonst üblich. Ein bisschen jubeln und abklatschen mit den Fans ist schon drin gewesen. Und auch ein Bier nach dem Sieg war erlaubt, verrät Weidner. Nachdem gestern ein trainingsfreier Tag war, bereitet sich die Mannschaft heute aber schon wieder auf die nächste Partie vor.

Während die Sportler bereits die nächsten Ziele vor Augen haben, schwelgen die Fans noch in Erinnerungen an den Siegestag. Nach dem Schlusspfiff gab es für die Anhänger der überraschenden Siegermannschaft kein Halten auf den Plätzen mehr. „Wir sind sofort anden Spielfeldrand gerannt“, erzählt Maik Deckert vom FCO-Fanclub immer noch ganz begeistert. FCO-Lieder tönten durchs Stadion, Fotos mit den Spielern wurden geschossen.

„Wir haben sogar noch den Bus der Leipziger Fans und Spieler mit Taschentüchern verabschiedet“, erzählt Maik Deckert. Die Gäste aus der Messestadt haben es ihnen nicht übelgenommen. Sowohl die Leipziger Fans als auch die FCO-Anhänger blieben friedlich. Die Neugersdorfer feierten zwar lange, aber ohne Zwischenfälle. Das bestätigt Thomas Knaup, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz gegenüber SZ. „Das gesamte Umfeld blieb völlig störungsfrei“, sagt er – und meint, dass seine 41 Kollegen, die beim Spiel vor Ort waren, nicht zum Einsatz kamen. „Unsere Einsatzkräfte haben ein schönes Fußballspiel gesehen, bei leider schlechtem Wetter“, fasst der Polizeisprecher zusammen.

Auch Michael Schubert von der Geschäftsstelle des FCO hat das nicht anders erwartet. „Das sind anständige Fans“, sagt er über die Gäste aus Leipzig. Mit ihnen hat der Neugersdorfer Club außerdem schon Erfahrung. Bereits zum zweiten Mal wurde der RB als Gegner ausgelost und kam ins Oberland. Am Mittwochabend waren diesmal nur 200 Leipziger dabei – im Vergleich zu den insgesamt über 2 000 Zuschauern also relativ wenige. „Sie haben für gute Stimmung gesorgt“, so Maik Deckert vom FCO-Fanclub. „Wir haben aber dagegen gehalten und uns die Kehle aus dem Leib gesungen bis zum Schlusspfiff. Es hat ja auch geholfen.“ Bis zum Abpfiff mitgefiebert hat auch Mannschaftstrainer Manfred Weidner. Vom Spielfeldrand aus beobachtet er seine Jungs immer ganz genau während der Partie. Zurufe hätten in diesem Fall aber gar nichts gebracht, sagt er über den Mittwochabend im Jahnstadion. „Es war ja so laut, die Fans haben eine unglaubliche Fußballstimmung verbreitet.“ Nach dem Abpfiff hätten sich wildfremde Menschen in den Armen gelegen und sich für den FCO gefreut. Weidner sieht den Sieg nicht nur aus sportlicher Sicht als großen Erfolg. Auch für die Stadt und die ganze Region sei das eine schöne Werbung und ein Aushängeschild. „Der Name FCO ist untrennbar mit der Oberlausitz und Neugersdorf verbunden.“ Und dass man auf die kleine Fußballstadt im Osten schaut, hat er selbst erfahren: „Aus der ganzen Republik habe ich Glückwünsche bekommen.“

Bald könnte die Fußballnation wieder nach Neugersdorf blicken. Denn in den nächsten Wochen steht nun das Finale im Sachsenpokal an, für das sich der FCO mit dem Sieg gegen Leipzig qualifiziert hat. Ein Termin steht noch nicht fest, der Gegner schon: Chemnitz. Und voraussichtlich wird wieder in Neugersdorf gespielt.