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Gnadenhochzeit in Elstra

Gertrud und Franz Cech begehen heute ihren 70. Hochzeitstag. Dieses seltene Jubiläum gibt es erst zum zweiten Mal im Altkreis. Die SZ stellt das Paar vor.

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Von Lothar Schöppe

Hochzeit machen, das ist wunderschön“ heißt es in einem bekannten Lied. In der Tat ist die Heirat ein so bedeutendes Ereignis im Leben der meisten Menschen, dass man die Hochzeitstage immer wieder besonders würdigt. Und davon gibt es eine ganze Menge. Doch was sollen wir mit solchen Begriffen wie der Petersilienhochzeit, oder der Baumwollhochzeit? Wir halten uns an die bei uns gebräuchlichsten – als da sind die Silberhochzeit nach 25, die Goldene Hochzeit nach 50 oder die Diamantene Hochzeit nach 60 Ehejahren. Ihr folgt fünf Jahre danach die Eiserne Hochzeit und nach 70 Ehejahren die Gnadenhochzeit. Den Abschluss bildet die Kron-Juwelenhochzeit nach 75 Jahren.

Doch schon die Gnadenhochzeit ist so selten, das Gertrud und Franz Cech aus Elstra erst das überhaupt zweite Ehepaar im Altkreis Kamenz sind, die dieses Ereignis feiern. Heute, am 29. November. Das Jubelpaar ist natürlich hochbetagt. Franz wird im Januar 92 Jahre alt, seine Frau Gertrud ein paar Monate später. Gnadenhochzeit heißt es deshalb, weil es eine Gnade ist, dass beide Eheleute nach so vielen gemeinsamen Jahren noch vereint sind.

Eigentlich wollte der Franz gar keine große Feier machen. Doch da kam er bei seinen Söhnen Roland (69), Hartmut (66) und Franz, der gleich gegenüber wohnt und ebenfalls schon fast das Rentenalter erreicht hat, schlecht an. „Weißt du nicht, dass es heute einfacher ist 105 Jahre alt zu werden, als die Gnadenhochzeit zu feiern?“

Als Jagdflieger bekannt

Da willigte er mit seiner Gertrud ein und so werden sie gemeinsam dieses festliche Ereignis am Wochenende in der Gaststätte Rehnsdorf gebührend feiern. Über beide ist bereits mehrfach in der SZ geschrieben worden. Dass der ehemalige Jagdflieger in Wien geboren wurde und in Elstra heimisch geworden ist; oder dass er viele Jahre aktiver Fußballer in Elstra war und dass er in seiner Gertrud eine verständnisvolle Frau gefunden hat, die ihm nach seiner Kriegsverletzung über so manche Klippe hinweggeholfen hat, da er im Gebrauch beider Hände behindert ist.

Fünf Jahre sind eine lange Zeit im Leben zweier Menschen, die bereits über die 90 hinausgewachsen sind. Da geht manches nicht mehr so wie damals. Doch noch immer schaut Gertrud mal in ihren Garten hinaus oder kümmert sich um die beiden Katzen. Während Franz nach wie vor seinem Hobby huldigt – der Philatelie.

Gemeinsam genießen beide ihren Lebensabend und tun das, was ihnen noch möglich ist. Zeitung lesen, Fernsehen schauen, da vor allem Tier- und Naturfilme und Sport, wobei da nicht nur der Fußball im Vordergrund steht Auch mit dem Auto ist er noch unterwegs, allerdings nur im Kreis, wo er sich genau auskennt. Das Ehepaar genießt die Zuneigung der Söhne und Schwiegertöchter und freut sich darüber, dass sich inzwischen der 9. Urenkel eingestellt hat. Und am meisten freuen sich alle auf das große Familientreffen das nun bevorsteht. Und die SZ freut sich, einem so seltenen Jubelpaar beste Wünsche übermitteln zu können ...