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Gnadenschuss fürs Weiße Roß?

Der Ausbau des Pirnaer Traditionslokals zur zentralen Kulturstätte ist vorerst gescheitert. Ein neuer Anlauf ist derzeit ungewiss.

© Archivfoto: Thomas Möckel

Von Thomas Möckel

Pirna. Es ist November, das Jahr 2016 klingt gerade aus, da sitzt Klaus-Peter Hanke im Saal des Traditionslokals „Weißes Roß“ an der B172 in Pirna. Er könne sich gut vorstellen, sagt der Oberbürgermeister im Wahlkampfmodus, das Lokal nebst dem Saal zur zentralen Pirnaer Kulturstätte zu entwickeln. Inhaber Klemens Kosok, der im Mai 2017 in den Ruhestand geht, würde das Objekt dafür hergeben. Doch ehe das Projekt so richtig in den Galopp kommt, hat es sich schon wieder ausgetrabt. Statt vor einem Erfolgsritt steht das Weiße Roß nun womöglich kurz vor dem Gnadenschuss.

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Damit die OB-Vision nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, wollte die Stadt in der August-Sitzung 2017 des Rates per Grundsatzbeschluss ergründen lassen, ob die Abgeordneten zustimmen, das Objekt mit Fördermitteln zu sanieren und zu einem multifunktionalen Kulturzentrum umrüsten zu lassen. Doch dazu kam es erst gar nicht, die Räte wippten das Thema gleich zu Beginn von der Tagesordnung. Ohne ausreichenden Sachstand, hieß es, könne man darüber nicht beschließen. Einigen Abgeordneten fehlten ein Nutzungskonzept, ein Finanzierungsvorschlag sowie eine Machbarkeitsstudie für das Weiße Roß. Ohne den Grundsatzbeschluss verstrich allerdings eine wichtige Frist.

Das Weiße Roß ist seit Anfang an Bestandteil des Stadtumbau-Fördergebietes „Königsteiner Straße/Clara-Zetkin-Straße“, war aber bisher nicht mit einem Konzept untersetzt. Im Frühjahr 2017 wurde bekannt, dass die Stadtumbaugebiete zeitlich ausgedehnt und finanziell aufgestockt werden können. Pirna sah darin eine große Chance, mit zusätzlichen Mitteln das Weiße Roß entwickeln zu können.

Frist überschritten

Doch die zusätzliche Finanzspritze war an eine Bedingung geknüpft: Bis Mitte September hätten die entsprechenden Anträge beim Fördermittelgeber eingereicht werden müssen – was aber wegen des fehlenden Grundsatzbeschlusses des Rates unmöglich war. Die Zuschüsse nachträglich zu beantragen, ist nach Aussage der Stadt ausgeschlossen. Und so konstatiert das Rathaus nun ernüchtert, dass aus Zeitgründen eine Förderung des Weißen Roßes über das vorhandene Programmgebiet nicht mehr realisierbar sei. Und nun?

Nachdem die Räte den Grundsatzbeschluss zunächst verweigerten, hoben sie das Thema Weißes Roß doch noch einmal auf die Tagesordnung. Thomas Gischke, Chef der Fraktion „Wir für Pirna – Freie Wähler“ beantragte, zunächst eine qualifizierte Machbarkeitsstudie zu erarbeiten, ehe eine Entscheidung fällt. Der Stadtrat soll nun dazu in der Sitzung am 17. Oktober einen Beschluss fassen. Doch selbst damit ist es fraglich, ob das Weiße Roß dann noch aussichtsreicher Kandidat für eine zentrale Kulturstätte ist.

Der vorberatende Ausschuss sprach sich zunächst dafür aus, mehrere Objekte in Pirna auf ihre Kulturtauglichkeit zu überprüfen. Dabei geht es um solche Gesichtspunkte wie Kosten, Auswirkungen auf den Etat, Akzeptanz, Betreiber, Marketing, Strategie. Nach Auskunft des Rathauses soll eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Sachverständigen und Stadträten, diese Untersuchung begleiten.

Doch erst nachdem die Studie vorgestellt wurde und es eine entsprechende Grundsatzentscheidung gibt, will die Stadt nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Sobald wird es damit aber nichts werden: Erste Ergebnisse, so die Stadtverwaltung, sollen wohl erst vorliegen, wenn der Haushaltsplan 2019/2020 erarbeitet wird.