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Go-Kart-Fahrer ausgebremst

Das Genehmigungsverfahren für die Go-Kart-Bahn von Janusz Morawski in Hagenwerder zieht sich weiter hin. Dabei hatte der Pole den entsprechenden Antrag schon im Februar gestellt.

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Von Matthias Nicko

Der Amtsschimmel wiehert. Der Görlitzer Thomas Dutschmann hat im Rathaus sogar „Spaßbremsen von Amts wegen“ ausgemacht, denn er kennt das Schicksal der Go-Kart-Bahn Hagenwerder.

Am ehemaligen Kraftwerk hatte Betreiber Janusz Morawski im Frühling vergangenen Jahres eine Rennstrecke gebaut. Doch hindert das seit Februar andauernde Genehmigungsverfahren in der Görlitzer Stadtverwaltung den Polen am scharfen Start seiner Unternehmung. Und das mitten in der besten Ferienzeit.

Dabei macht auch der von Anwohnern geäußerte Vorwurf der Lärmbelästigung die Runde. Schließlich dröhnten die Motoren auf dem Areal trotz ausstehender Genehmigung. Also wies das Umweltamt Herrn Morawski am 28. August 2002 auf die Genehmigungspflicht hin. Und teilte ihm zudem mit, welche Unterlagen er im Rathaus einzureichen habe.

Bis zum 26. Februar 2003 hatte der Pole, der auch Chef eines Autohandels ist, die Papiere inklusive Lärm-Gutachten zusammen. Doch seitdem wartete er vergeblich auf die Zulassung seiner Anlage zur Rundenhatz. Im Gegenteil: Am 22. Juli musste Morawski abermals fehlende Unterlagen nachreichen – diesmal zu Parkplätzen und Gebäudevermessung. „Doch inzwischen war die Frau vom Bauamt im Urlaub“, klagt der verhinderte Geschäftsmann sein Leid.

Sollten nun endlich alle Unterlagen beisammen sein, „kann es mit der Genehmigung ganz schnell gehen“, sagt Rathausmitarbeiterin Doris Christoph. Die Betonung liegt auf „kann“. Denn die Sachbearbeiterin für Immissionsschutz im Umweltamt der Neißestadt weiß dazu: „In der Angelegenheit sind viele Sachen öffentlicher Belange zu regeln.“

So haben sich beim Umweltamt bereits drei Einwohner von Hagenwerder über den von der Anlage ihrer Meinung nach ausgehenden Lärm beschwert. Dabei befindet sich die Bahn etwa 1 000 Meter von den ersten Wohngebäuden entfernt. Dass Go-Kart-Motoren „nicht ganz lautlos“ laufen, weiß auch der Görlitzer Spaßbremsen-Kritiker Thomas Dutschmann. Er gibt zu bedenken, dass „potenzielle Initiatoren“ durch langwierige Genehmigungsverfahren verschreckt werden. Morawski formuliert es noch einen Tick schärfer: „Deutschland geht an seiner Bürokratie kaputt.“

Umso mehr befürworten mehrere Bürger das Projekt des Polen. Eltern ließen das Umweltamt sogar wissen, dass sie ihren Sohn notgedrungen bis zur Go-Kart-Bahn in Lohsa bei Hoyerswerda geschafft haben. Dutschmann ärgert sich derweil über die in Görlitz generell mangelnden Freizeitmöglichkeiten: „Man denke nur an den unglaublichen Zustand, was Badegelegenheiten betrifft. Man sollte meinen, jede private Initiative für mehr Attraktivität müsste herzlich willkommen sein.“ Und auf Morawskis Probleme mit der ausstehenden Genehmigung bezogen, ist ihm klar, „dass gerade in den Ferien jeder Tag Verzögerung finanzielle Einbuße bedeutet“.

Morawski selbst berichtet von ausbleibender Kundschaft und sieht schon vollkommen desillusioniert das Ende der Freiluftsaison nahen. Dabei hatte und hat er mit der Go-Kart-Bahn große Pläne: Neben dem normalen Rennbetrieb will er hier „eine kleine Rennfahrerschule“ gründen.

Unter großem Aufwand ist die Strecke in diesem Jahr wettkampftauglich gemacht worden. Seitdem fand jedoch nur ein einziges Rennwochenende statt: Für die Rundenhatz am 1. Juni hatte sogar das Umweltamt seinen Segen erteilt.

Doch zu einer dauerhaften Genehmigung hat es auch zwei Monate danach noch nicht gelangt. Und so hat sich Janusz Morawski entschlossen, morgen ohne das wichtige Papier Kinder auf die Strecke zu schicken. Schließlich kommen die bis aus dem polnischen Riesengebirge zu ihm. Die Steppkes aus einem Waisenheim in Szklarska Poreba (Schreiberhau) hat er schon vor einem Jahr nach Hagenwerder eingeladen.