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Görlitz fiebert seinem neuen Brückepreisträger entgegen

Kabarettist Steffen Möller erhält den Preis morgen. Das Theater ist schon voll besetzt.

Von Sebastian Beutler

Als der langjährige WDR- Intendant Fritz Pleitgen im Februar dieses Jahres die Lobrede auf den Brückepreisträger des Vorjahres Vitali Klitschko hielt, da versuchte er sich auch darin, dessen politische Karriere vorherzusagen. „Vitali Klitschko ist für viele ein Hoffnungsträger, vor allem für die Jugend“, sagte Pleitgen an jenem Sonntagabend im Görlitzer Theater. Und an anderer Stelle merkte er an: „Die Mühen in der Ebene werden ihm als Parlamentarier nicht erspart bleiben. Aber eines nicht so fernen Tages sollte auch die Ukraine die Mitgliedschaft in der Europäischen Union schaffen. Von seiner Vita her wäre Vitali Klitschko der geeignete Promoter einer solchen Entwicklung.“

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Wer in diesen Tagen die Berichte aus der Innenstadt von Kiew sieht, mag Pleitgen hellseherische Kräfte zubilligen – oder schlicht Realitätssinn und beste Einsichten in die Lage der Ukraine. Klitschko, der umjubelte Brückepreisträger, steht jetzt auf Barrikaden, spricht zu Demonstranten – und erleidet eine Punktniederlage im ukrainischen Parlament. Selten hat die Brückepreis-Gesellschaft mit einem ihrer Preisträger so ins aktuelle Zeitgeschehen gegriffen wie mit Klitschko.

Ob das mit Steffen Möller, der an diesem Freitag den diesjährigen Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec erhält, auch der Fall sein wird, ist zu bezweifeln. Zu sehr unterscheiden sich die Sphären der Preisträger: Hier der Oppositionspolitiker in einem Land, das nach seinem Weg in die Zukunft sucht – da der Kabarettist, der versucht, Deutsche und Polen einander auf seine Art näher zu bringen. Das sei ihm gelungen, bescheinigt die Gesellschaft unter Vorsitz des Görlitzer Museumsdirektors Willi Xylander ihrem Preisträger, „mit einem Augenzwinkern“ und so, „dass die Vergangenheit nicht ausgeblendet oder heruntergespielt, sondern der richtige Ton für eine gemeinsame Zukunft gefunden wird.“ So sei Möller zu einem Brückenbauer zwischen den Völkern, besonders zwischen Deutschland und Polen geworden.

Wenn Möller heute nach Görlitz kommt, dann reisen auch seine Eltern mit. Denn Görlitz hat für die Familie eine besondere Bedeutung: Der Großvater war Pfarrer in Görlitz, Steffen Möllers Vater ist hier geboren worden. So schlagen die Möllers mit der Preisverleihung auch eine Brücke zwischen ihrer Gegenwart und Vergangenheit. Die Görlitzer können wie immer mit dabei sein. Viele haben sich bereits ihre Karte für die Verleihung des Preises am Freitagabend im Theater gesichert. Wie die Organisatoren mitteilen, gibt es keine Sitzplätze mehr. Das heißt aber nicht, dass dadurch alle Chancen dahin sind, Steffen Möller zu erleben. Denn schon am Freitagnachmittag, 14.30 Uhr, trägt er sich in das Goldene Buch der Stadt Görlitz ein. Stadt-Sprecherin Sylvia Otto bestätigte gestern, dass alle interessierten Görlitzer dazu herzlich in den Kleinen Sitzungssaal des Rathauses eingeladen sind. Und schließlich lädt die Brückepreis-Gesellschaft am Sonnabendvormittag, um 11 Uhr, ins Dom Kultury zum Preisträgergespräch ein. Da ist Möller dann auch hautnah und sicher in seinem Element zu erleben.