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Görlitz hat Deutschlands jüngsten Kreishandwerkschef

Daniel Siegel ist 29 Jahre alt und Geschäftsführer der hiesigen Kammer. Der Dresdner setzt auf Ausbildung - und Flüchtlinge.

Daniel Siegel ist neuer Geschäftsführer der Kreishandwerkskammer Görlitz.
Daniel Siegel ist neuer Geschäftsführer der Kreishandwerkskammer Görlitz. © Nikolai Schmidt

Die Autobahn gehört für Daniel Siegel seit Anfang des Jahres zum täglichen Arbeitsweg. Der neue Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft ist Pendler. Er kommt aus Dresden. Ein Umzug nach Görlitz? Das stehe erstmal nicht an, sagt Daniel Siegel. 

Die A 4, so schlimm sei sie nun auch nicht, winkt er ab. Es gebe schlimmere Pisten. Daniel Siegel hat etliche kennengelernt. Er arbeitete bisher als Dozent, war unter anderem in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und natürlich in Sachsen viel unterwegs. Seit Jahresbeginn ist Daniel Siegel der neue Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Görlitz und  der jüngste in Deutschland. "Vermutlich jedenfalls", schmunzelt der 29-Jährige. Allerdings gebe es auch noch keine gegenteiligen  Informationen. 

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Daniel Siegel ist gelernter Maler und Lackierer. Aus gesundheitlichen Gründen schwenkte er in der Karriere um, ist jetzt Betriebswirt. Als Dozent hat er sich der Meisterausbildung verschrieben.  Durch seine Tätigkeit ist er in vielen Handwerkskammern und Verbänden bekannt. Lange musste Daniel Siegel nicht überlegen, ob er den Job als Geschäftsführer in Görlitz übernimmt, zumindest nicht grundsätzlich. "Ich kenne die Strukturen ganz gut", sagt er. Daniel Siegel übernimmt als Geschäftsführer  der Kreishandwerkerschaft die Aufgaben von Vorgängerin Doris Grasse. Kreishandwerksmeister ist Knut Scheibe.

Strukturwandel fordert Handwerk heraus

Und Daniel Siegel kennt auch die Probleme, vor denen das Handwerk heute steht. Ein bisschen vergleicht er die Situation mit der Nachwendezeit. Der Strukturwandel, das bevorstehende Aus des Braunkohleabbaus ist so ein Thema. Daniel Siegel hat dazu auch ein Beispiel parat, fiktiv aber treffend. "Wenn bisher Arbeiter aus dem Tagebau zum Bäcker gegangen sind, um sich Brötchen zu holen und es künftig nicht mehr tun, wird der sich fragen: Muss ich den Laden noch öffnen?", schildert er. Unternehmensnachfolge und Nachwuchs fürs Handwerk - weitere große Themen, die Daniel Siegel sieht. Als er Geselle war, war es kein Problem, drei Klassen mit Malern und Lackieren zu füllen. "Heute sind wir froh, wenn es eine gibt", so der Geschäftsführer. 

Aber es gibt auch ermutigende Zeichen. Im Landkreis Görlitz haben laut Handwerkskammer Dresden im vergangenen Jahr 64 Frauen und 247 Männer einen neuen Ausbildungsvertrag bei einem Handwerksbetrieb unterschrieben. Das waren 29 Lehrverträge mehr als zum Jahresende 2018. Damit reihe sich der Kreis in die positive Gesamtentwicklung im gesamten Kammerbezirk Dresden ein. „Diese Entwicklung freut uns natürlich“, so  Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. Dennoch seien  auch im vergangenen Jahr Ausbildungsstellen unbesetzt geblieben. Die demografische Entwicklung und die verstärkte  Neigung der Jugendlichen nach ihrem Schulabschluss direkt ein Studium zu beginnen, stellten  und stellen die Handwerksbetriebe bei der Suche nach geeigneten Lehrlingen vor Herausforderungen.“ 

Beliebtester Ausbildungsberuf im Landkreis Görlitz ist der des Kraftfahrzeugmechatronikers. 46 Frauen und Männer erlernen das Einmaleins des Kfz-Handwerks. Es folgen die Handwerksberufe des Elektronikers (27 neue Lehrverträge) sowie der Tischlers (26).  Insgesamt erlernen im Landkreis Görlitz derzeit rund 830 Frauen und Männer bei einem Handwerksbetrieb einen Beruf.

Weiterbildung und Flüchtlinge sollen helfen

Wohin die Reise geht, gerade mit Blick auf den Strukturwandel - Daniel Siegel schaut auf den Ruhrpott. "Wir müssen für die Region gemeinsam Ideen entwickeln, selbst steuern, wie es weitergeht", mahnt er an. Aber ohne Hilfe, gerade auch finanzieller von außen, werde es nicht funktionieren. Weiterbildung im Handwerk müsse wieder einen größeren Raum einnehmen und die Integration von Flüchtlingen. "Anders werden wir dem Fachkräftemangel nicht Herr werden", schätzt Daniel Siegel ein.

Daniel Siegel ist kein Oberlausitzer, kein Niederschlesier. Er sieht es als Vorteil. "Ich habe einen eher unvoreingenommenen Blick auf die Region, habe die Chance, etwas zu bewegen", sagt er. Momentan stehen für ihn vor allem Gespräche im Terminkalender. Kontakt zu Handwerksbetrieben gab es ebenfalls, weitere sollen folgen. In Görlitz sei er sehr freundlich aufgenommen worden. "Es gibt hier ein gut eingespieltes Team. Ich habe viel Unterstützung erfahren", sagt er. Dafür nimmt Daniel Siegel auch gern die tägliche Pendelei von der Elbe an die Neiße in Kauf.

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