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Warum landen Katzenbabys im Müll?

Die Mitarbeiter einer Recycling-Firma aus Markersdorf sind entsetzt: In einem Container finden sie ein Kätzchen, später sogar noch mehr.

Auch diese Katzenbabys wurden einst ausgesetzt. In einem Tierheim warten sie auf liebevolle Menschen.
Auch diese Katzenbabys wurden einst ausgesetzt. In einem Tierheim warten sie auf liebevolle Menschen. © E. Schröter

Da staunten Mitarbeiter der Recycling und Containerdienst GmbH Markersdorf nicht schlecht, als sie in einem halb gefüllten Abfallcontainer ein winziges Kätzchen fanden. „Von alleine ist sie da nicht reingekommen“, sagt ein Mitarbeiter der SZ am Telefon. Das Tier muss in den Müll geworfen worden sein.

Es war nicht das einzige Kitten, das bei dem Markersdorfer Betrieb auftauchte. Wenig später fanden die Mitarbeiter einen Pappkarton mit Löchern hinter dem Container. Dort saß ein zweites verängstigtes Katzenbaby. Das Kätzchen aus dem Container landete letztendlich im Tierheim Görlitz. Das bestätigt Tierheimleiter Peter Vater der SZ. „Wir haben das Tier geholt“, sagt Vater. Das zweite Katzenbaby nahm eine Privatperson in Obhut. Die Friedersdorfer Tierärztin Angela Besecke hat das Kleine untersucht. Maximal drei Wochen alt sei es gewesen und habe gerade begonnen, die Augen zu öffnen, erzählt sie. Nun wird das Fundtier mit der Flasche aufgepäppelt. Bei der Tierärztin ist das nicht das erste Katzenbaby, welches auf diese Art in ihrer Praxis landete. Immer wieder passiert das mal. In diesem Jahr wurden allein in ihre Praxis schon vier gefundene Katzenbabys gebracht. Ein Vorfall blieb der Veterinärin dabei besonders im Gedächtnis hängen: Das aus einer Mülltonne gerettete schwarzfellige Katzenkind in Reichenbach. „Dessen Schwanz war so extrem zerfressen, das er amputiert werden musste“, erinnert sich Angela Besecke.

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Erst vor wenigen Tagen wurde in der Kleinstadt erneut ein Kitten gefunden. Das saß an einer viel befahrenen Straße unter einem geparktem Auto und jammerte da erbärmlich. Das winzige Tier – erst wenige Wochen alt – hockte nach Angaben von Anwohnern schon länger unter dem Fahrzeug. Einen Besitzer gab es offenbar nicht. Hat eine freilaufende Katze ihr Kitten unters Auto geschleppt? Wurde das Katzenkind ausgesetzt? Letztendlich konnte das Tier eingefangen werden. Eine Familie aus dem Löbauer Raum hat die Mieze aufgenommen.

Auch Claudia Schmidt aus Reichenbach erlebte eine ähnliche Situation in diesem Jahr: Bei den Neubauten am Oberen Weg kroch an den Mülltonnen ein einsames Katzenbaby herum und schrie. „Daneben stand ein zerfledderter Rucksack. Wir vermuten, dass Tier wurde darin entsorgt und hat sich selbst befreit“, erzählt Frau Schmidt. Mit Anwohnern versuchte die junge Frau, das Kitten einzufangen. Das misslang zuerst. „Wir haben dann eine Lebendfalle aufgestellt“, erzählt die Reichenbacherin. Die Mieze tappte in die Falle und wurde tierärztlich versorgt. Höchstens sechs Wochen sei die Katze alt gewesen, dazu völlig verfloht und krank. Claudia Schmidt hat sie mit Unterstützung eines Vierkirchener Tierarztes aufgepäppelt. „Da ich die Katze nicht selber behalten konnte, wurde sie in gute Hände abgegeben“, sagt sie und fragt sich, weshalb immer wieder und aktuell wohl besonders oft Katzenkinder auf der Straße landen.

Das Problem ist auch dem Tierheim Görlitz durchaus bekannt. Tierheimchef Peter Vater bestätigt gegenüber der SZ, dass im Moment erstaunlich viele Katzenwelpen in der Einrichtung landen. Ob die von freilebenden Katzen stammen oder ausgesetzt wurden, sei allerdings nicht immer genau feststellbar, sagt Vater.

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Etwa 45 bis 50 kleine Katzen sind im Tierheim untergebracht und damit um die 30 Prozent mehr als sonst. Warum das in diesem Jahr so viele sind, ist unklar. Gefunden wurden sie im Müll, in Kellern oder in Grünanlagen. Die meisten der kleinen Samtpfoten im Görlitzer „Krambambuli“ wurden in der Neißestadt entdeckt. Fest steht jedenfalls: „Ohne Kastration gibt es immer wieder unerwünschten Nachwuchs“, so Peter Vater. Katzen vermehren sich rasant. Laut dem Deutschen Tierschutzbund werden pro Wurf im Durchschnitt vier bis sechs Kitten geboren. Und das mehrmals im Jahr. Tierärztin Besecke spricht noch von einem anderen Problem in diesem Zusammenhang: Inzucht. „Die Katzen werden immer kleiner und anfällig für schwere Erkrankungen“, sagt sie. Bei ihr landen des Öfteren solche schwerkranken Tiere in der Praxis.

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