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Diesen Mann kennen alle bei Landskron

Die Görlitzer Brauerei ist das zweite Zuhause für Bernd Skrzypczak. Seit 60 Jahren.

Urgestein der Landskron Brauerei: Bernd Skrzypczak ist seit 60 Jahren Mitarbeiter.
Urgestein der Landskron Brauerei: Bernd Skrzypczak ist seit 60 Jahren Mitarbeiter. © André Schulze

Sie ist sein zweites Wohnzimmer. Die Görlitzer Landskron Brauerei. Bernd Skrzypczak kann sich ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen. Mit seinen 78 Jahren, die man ihm beileibe nicht ansieht, ist er der Mitarbeiter, der am längsten im Unternehmen arbeitet. Dabei ging Bernd Skrzypczak schon Ende 2003 in den Ruhestand. Eigentlich.  

Als Schüler schon Ferienarbeiter bei Landskron

Denn der Görlitzer gehört zu den Menschen, die ihre Arbeit lieben - seit dem ersten Tag. Deshalb kann und will er nicht aufhören, bildet weiterhin die Lehrlinge aus und kommt dafür jeden Freitag ins Unternehmen. Er kann sich gut in sie hineinversetzen, hat er doch seinen Beruf hier selbst von der Pike auf gelernt. Mehr noch: Schon als Junge kam er in den Ferien hierher und verrichtete Hilfsarbeiten - immer mal in einer anderen Abteilung. Viel Flaschen sortieren war dabei, da waren es natürlich lange nicht so viele unterschiedliche wie heute. Auch ausgefahren hat er das Bier. Damals geschah das noch mit dem Pferdewagen.

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Als er Abitur machte, waren die Zukunftspläne aber noch andere. Zum Studium sollte es gehen, Lehrer wollte Bernd Skrzypczak werden. "Aber wer weiß, ob ich mit dem Beruf im DDR-System zurechtgekommen wäre." Denn er galt als auffällig - "politisch unausgereift", wie man damals zu sagen pflegte. Er war eben einer, der in der Schule seine Meinung offen sagte. Das kostete ihn den Studienplatz. Stattdessen sollte er erstmal ein Jahr in die sozialistische Produktion.   

Bernd Skrzypczak (rechts) mit einem Freund und Kollegen zu Beginn seiner Lehrjahre - aufgenommen am Dresdner Hauptbahnhof, denn zur Lehre ging es nach Dresden.
Bernd Skrzypczak (rechts) mit einem Freund und Kollegen zu Beginn seiner Lehrjahre - aufgenommen am Dresdner Hauptbahnhof, denn zur Lehre ging es nach Dresden. © privat

Da er in der Brauerei immer gerne gearbeitet hatte, bewarb er sich hier als Lehrling und wurde genommen. "Am 31. August 1960 verließ ich das Werkgelände als Ferienarbeiter, am 1. September kam ich als Brauer- und Mälzerlehrling zurück", sagt er noch heute stolz. Vor einigen Tagen hat er also 60. Jahre Brauerei zu feiern gehabt. Gefeiert hat er nicht, das habe man ja zu seinem 60. Geburtstag ausführlich im Kollegenkreis getan. 

Seinen Beruf gelernt hat der Görlitzer in Dresden, gearbeitet hat er in Görlitz in diesen Jahren vor allem im Gärhaus - speziell im Kühlkeller, dreischichtig. 1972 bis 1974 machte er in Berlin den Braumeister, hat bei Landskron später als 2. Braumeister gearbeitet. Darüber hinaus war immer die Lehrlingsausbildung sein Ding. Um die 250 hat er in all den Jahren unter seinen Fittichen gehabt. Längst nicht nur Görlitzer, sondern wegen der damals bestehenden Wirtschaftseinheit aus der ganzen Region. Löbau, Zittau, Eibau, Bautzen, Kamenz - von überall kamen sie. "Etliche von meinen Görlitzer Lehrlingen sind heute noch hier im Unternehmen", sagt Bernd Skrzypczak.

Ehemalige Lehrlinge grüßen noch heute

Wenn er unterwegs ist, grüßen ihn immer wieder Leute - ehemalige Lehrlinge. "Wir hatten immer ein gutes Verhältnis zueinander, vielleicht weil ich die jungen Leute stets als gleichwertige Partner behandelt habe." Bei Weitem sind es übrigens nicht nur Männer, die in der Brauerei lernen, ganz im Gegenteil. Der Anteil der jungen Damen, die Brauer und Mälzer werden wollen, wird immer größer.

"Das ist schon erstaunlich, denn in diesem Beruf muss man ordentlich zupacken können", sagt Uwe Köhler, der Landskron-Geschäftsführer. Dass seine jüngsten Mitarbeiter unter anderem von Bernd Skrzypczak so gut ausgebildet werden, dafür ist er unglaublich dankbar. 

Ein wandelndes Brauerei-Lexikon

Denn er habe in Bernd Skrzypczak einen wahren Schatz für Landskron, sagt Köhler. "Diese Identifikation mit dem Unternehmen und das große Wissen - was gibt es Besseres, als so jemanden zu haben." Und zwar nicht nur für die Lehrlingsausbildung, sondern überhaupt als wandelndes Brauerei-Lexikon. Der 78-Jährige wirft mit Namen, Zahlen und Daten um sich, dass einem vor Staunen der Mund offen stehen bleibt. Umso wertvoller sei er für die Vorbereitung des 150. Landskron-Jubiläums und für die Ausgestaltung des neuen Besucherzentrums im vergangenen Jahr gewesen, schwärmt Uwe Köhler. Denn zur Historie gibt es nicht mehr viele Schriftstücke, da sei vieles im Laufe der Jahre verschwunden. 

Bernd Skrzypczak bei einem Interview über seine Arbeit als Bierbrauer.
Bernd Skrzypczak bei einem Interview über seine Arbeit als Bierbrauer. © privat

Erinnerungen an das alte Maschinenhaus

Skrzypczak ist der einzige, der aus seinen Anfangsjahren noch dabei ist. Sein guter Freund und Kollege, mit dem er zusammen gelernt hatte, ist inzwischen auch verstorben. Viele hat Bernd Skrzypczak kommen und gehen sehen, hat die Entwicklung der Brauerei von den 1960er-Jahren, wo so manche Arbeit noch von Hand gemacht wurde bis heute zu einem hochmodernen Unternehmen, das dennoch die alten Traditionen und Brauweisen bewahrt hat, mit begleitet. Er kennt das heutige Besucherzentrum noch als Maschinenhaus. "Selbst da würden die Leute heute staunen, was standen hier doch für schöne Maschinen. Aber das Besucherzentrum ist toll geworden, die Leute sind begeistert."

Die Augen haben ihm getränt, als in den 1990er-Jahren im Hof das sogenannte Mittelhaus weggerissen wurde. Aber man brauchte Platz im Hof, mit Konzerten und dem Brauereifest etablierte das Unternehmen damals auch die Kultur auf seinem Gelände und machte es den Görlitzern zugänglich. 

Tägliche Flasche Kellerbier als Medizin

Der Blick nach außen, das Marketing - dass das für eine Brauerei enorm wichtig ist, hat Bernd Skrzypczak früh erkannt. So hat er sich 1994 zum 1. sächsischen Bierkönig wählen lassen, ist noch heute Mitglied der Landesgruppe Sachsen des Deutschen Brau- und Malzmeisterbundes. Zwölf Jahre war er hier im Vorstand, kennt die sächsischen Brauereien wie kaum jemand anderes. 

1994 war Bernd Skrzypczak sächsischer Bierkönig.
1994 war Bernd Skrzypczak sächsischer Bierkönig. © privat

Etwas anderes als Landskron würde er aber nie trinken. Das Kellerbier ist seine Sorte. Eine Flasche täglich - das ist seine Dosis, die nur zu Feiern mal überschritten wird. Das Besondere: Skrzypczak trinkt sein tägliches Fläschchen morgens um halb neun. "Das war immer der Zeitpunkt der Verkostung, als ich noch Braumeister war. Um diese frühe Uhrzeit kann die Zunge noch am besten schmecken." Für Bernd Skrzypczak ist ein Bier aber nicht nur ein Bier, sondern Medizin. "Es entschlackt und regt den Kreislauf an, natürlich nur, wenn man es in Maßen trinkt." Bei ihm wirke es jedenfalls, er sei nie krank, Medizin haben er und seine Frau zu Hause überhaupt keine. Und wenn es im Winter doch mal im Hals kratzt, macht er sich sein Bierchen warm. Nichts helfe so gut gegen Heiserkeit und Schnupfen.

Viel los auch in Corona-Zeiten: das Besucherzentrum der Landskron Brauerei.
Viel los auch in Corona-Zeiten: das Besucherzentrum der Landskron Brauerei. © André Schulze

Arbeit mit jungen Leuten hält ihn selber jung

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Dazu kommt viel Bewegung - ein Auto haben Skrzypczaks nicht - und jede Menge Beete im Garten, die zu bewirtschaften sind. Letztlich sei es aber eben auch die Arbeit mit den jungen Leuten, die ihn eher wie Mitte 60 als wie 78 aussehen lässt. "Sie erhalten mich jung." Wie lange er noch für die Brauerei arbeiten will? "Solange ich gesund bleibe, hier erwünscht bin und die Lehrlinge Respekt vor mir haben." 

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