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Markt: Das sagen Händler und Kunden zu den Plänen

Am Donnerstag entscheidet der Görlitzer Stadtrat über eine Neugestaltung des Wochenmarktes. Die Bürger haben eine klare Meinung.

Blumen- und Pflanzenhändlerin Isolde Wenzel aus Markersdorf mag den Wochenmarkt so, wie er jetzt aussieht.
Blumen- und Pflanzenhändlerin Isolde Wenzel aus Markersdorf mag den Wochenmarkt so, wie er jetzt aussieht. © Nikolai Schmidt

So, wie er momentan aussieht, ist der Görlitzer Wochenmarkt für Isolde Wenzel perfekt. „Dass die Mitte jetzt frei von Ständen ist, finde ich sehr angenehm“, sagt die Blumen- und Pflanzenhändlerin aus Markersdorf. Viele Kunden würden diesen Eindruck bestätigen. Es sei einfach übersichtlicher und die Leute könnten viel freier hin- und herlaufen. Doch die Kleidungs- und Taschenhändler ganz vom Markt verbannen würde Isolde Wenzel nicht: „Viele Ältere und auch Touristen kommen genau deshalb auf den Markt“, sagt sie. Und diese Leute würden dann auch noch ein bisschen Obst und Gemüse mitnehmen.

Fast alle wollen die freie Mitte

Mit dieser Meinung steht Isolde Wenzel nicht allein da. Eine SZ-Umfrage unter Händlern und Kunden am Dienstagvormittag auf dem Wochenmarkt zeichnet ein recht einheitliches Bild: Die freie Mitte wird von fast allen begrüßt, und die Kleidungs- und Taschenhändler sollen bitte auch weiter zum Wochenmarkt gehören. Ähnlich hatte sich zuvor schon Marktpächter Francois Fritz im SZ-Gespräch geäußert.

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Am Donnerstag steht das Thema auf der Tagesordnung des Stadtrates. Die Räte sollen die Neuordnung des Marktbetriebes beschließen. Das würde vor allem zweierlei bedeuten: Die Stände in der Mitte, die wegen Corona nicht mehr da waren, sollen dauerhaft wegbleiben. Und: Frischeerzeugnisse und Gartenbau sollen im Mittelpunkt stehen, Textilhändler verschwinden.

Diese Veränderungen aus der Corona-Zeit seien allgemein positiv wahrgenommen worden, begründet die Stadt. Deshalb sollen sie nun zur Dauerlösung werden, bis der Platz in ein paar Jahren umgestaltet wird. Um den Marktbetrieb neu zu ordnen, soll den jetzigen Pächtern der Vertrag gekündigt werden. Sie können sich an der neuen Ausschreibung aber wieder beteiligen.

Kunden haben jetzt viel mehr Platz

Auch Michael Mischke, der für den Tauchritzer Gartenbaubetrieb Gerd Bräuer auf dem Markt steht, findet die freie Mitte gut: „Dadurch haben die Kunden viel mehr Platz.“ Die Kleidungs- und Taschenhändler würde auch er gern auf dem Markt behalten: „Ohne sie sähe es hier an manchen Wochentagen sehr leer aus.“ Am Sonnabend, wenn alle Gärtner da sind, sei hingegen kein Platz für solche Stände, sagt Mischke. Und er hat noch einen ganz anderen Wunsch: „Am Morgen sollte jemand von der Marktleitung da sein, der auf die Einteilung der Stände achtet.“ Das funktioniere derzeit nicht immer gut und sollte in den neuen Vertrag aufgenommen werden.

Ohne Stände in der Mitte haben die Kunden viel mehr Platz als zuvor.
Ohne Stände in der Mitte haben die Kunden viel mehr Platz als zuvor. © Nikolai Schmidt

Ein anderer Händler, der sich Adam, der Strohhutmann nennt und Ware von der Gärtnerei Jung verkauft, ist anderer Meinung. „Ich hatte meinen Stammplatz in der Mitte und war sehr zufrieden. Seit Mai bin ich ganz unten gelandet“, berichtet er. Hier fehlen ihm 30 Prozent des Umsatzes: „Die meisten Kunden kommen von oben, sie laufen gar nicht bis zu mir runter.“ Die Kleidungs- und Taschenhändler stören aber auch ihn nicht, da schließt er sich den anderen an, ähnlich wie „Rosenmann“ Lothar Franke und die polnische Händlerin Krystyna Potacka aus Wegliniec. Beide begrüßen das vielseitige Sortiment – und beide finden es gut, dass die Mitte jetzt frei ist.

Taschenhändler muss Familie ernähren

Abdulmajid Mirza aus Eibau ist selbst Taschenhändler. Und das seit 25 Jahren. „Damals gab es keine Arbeit, da musste man irgendetwas tun“, berichtet er. Er wollte ja seine Familie ernähren. Klar, es sei viel Arbeit, jeden Tag muss er alles auf- und abbauen: „Aber ich kann davon leben.“ Er verkauft abwechselnd auf den Märkten in Görlitz, Löbau und Zittau. In Görlitz hatte er seinen Stand bisher in der Mitte. Das sei manchmal sehr eng gewesen, aber manchmal habe es auch sehr gut funktioniert – je nachdem, wie die Stände an den Seiten aufgebaut waren. Jetzt hat Mirza seinen Stand an der Seite. „Das ist auch okay, ich kann mit beiden Lösungen leben“, sagt er.

Marktbesucher Alexander Göpfert aus Görlitz findet es gut, wenn Händler wie Mirza da sind: „Das sorgt für Vielfalt, es kann doch nicht nur Grünzeug geben“, sagt er. Auch die alten Frauen, die Eier verkaufen, schätzt er sehr: „Auch sie gehören zum Markt.“ Dass es keine Stände mehr in der Mitte gibt, findet er ebenfalls gut. Da schließt sich eine Görlitzer Rentnerin, die ihren Namen nicht nennen will, an: „Die Mitte sollte frei bleiben – und die einheimischen Textilienhändler sollten nicht verschwinden.“ Taschenhändler aber gibt es ihrer Ansicht nach zu viele. „Einer oder zwei würden reichen“, sagt die Frau.

Görlitzer wollen auch Haushaltsartikel

Eine andere Rentnerin sieht das anders: „Von mir aus brauchen die Taschenhändler nicht hier zu stehen, dafür gibt es doch überall Geschäfte.“ Auch Bekleidung kaufe sie nicht auf dem Markt. „Ich komme wegen Obst, Gemüse und Blumen her“, sagt die Stammkundin. Beate und Gerhard Heinig, ebenfalls Kunden, widersprechen entschieden. „Wir wollen, dass die Textilhändler bleiben“, sagt die Frau.

Auch aus ihrem Bekanntenkreis würden viele gezielt den Wochenmarkt ansteuern, weil es hier nicht nur Obst und Gemüse gibt. „Auch Besucher von außerhalb sind darunter“, sagt Beate Heinig. Bei der bunten Mischung bekämen die Leute doch viel mehr Anregungen, was sie noch alles kaufen könnten. Ihr Mann stimmt zu: „Auch die kleinen Haushaltsartikel sind super, so etwas braucht man immer mal.“ Ein Kompromiss wären vielleicht unterschiedliche Wochentage, sagt Gerhard Heinig: „Wenn ich weiß, an welchen Tagen es Textilien und Haushaltswaren gibt, dann ist das auch in Ordnung.“

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