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Lehrermangel in Görlitz setzt sich fort

Auch dieses Jahr brauchen viele Schulen neue Lehrer. Aber bei den Bewerbern steht die Oberlausitz selten auf der Wunschliste.

Nach den Ferien soll es mit dem Unterricht zu Hause vorbei sein, der Regelbetrieb an den Schulen wieder losgehen.
Nach den Ferien soll es mit dem Unterricht zu Hause vorbei sein, der Regelbetrieb an den Schulen wieder losgehen. © Nikolai Schmidt

Kodersdorf wird größer. Zumindest die Oberschule. Dort ist gerade Endspurt beim Erweiterungsbau, in dem drei weitere Klassenzimmer entstehen. Laut Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) wird die Kodersdorfer Oberschule im Sommer voraussichtlich mit drei neuen fünften Klassen ins Schuljahr starten. In den Vorjahren waren es zwei.

Ob es auch mehr Lehrer braucht? Insgesamt werden in den Landkreisen Görlitz und Bautzen für kommendes Schuljahr Lehrer für 130 Stellen gesucht. So viel in den vergangenen Monaten an den Schulen durcheinandergeworfen wurde, eines ist geblieben: Lehrermangel in der Oberlausitz. Für die 130 Stellen in den verschiedenen Schularten sind bislang 79 Bewerbungen eingegangen, sagt Lasub-Sprecher Roman Schulz. 

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Lehrer wollen nach Dresden statt Görlitz

Ähnlich ist das Verhältnis im Chemnitzer Bereich des Lasub, wo 254 Stellen zu besetzen und 178 Bewerbungen eingegangen sind. In der Zwickauer Region kommen 73 Bewerbungen auf 98 Stellen. Dabei, schaut man auf die reinen Zahlen, gibt es nicht zu wenige Bewerber. Insgesamt sind in Sachsen 1.100 Stellen zu besetzen, 1.271 Bewerbungen sind eingegangen. Görlitz oder Niesky, Löbau oder Zittau stehen aber nur selten auf der Wunschliste. Sondern vor allem Dresden und Leipzig. Nach Dresden haben sich auf 330 Stellen 363 Lehrer beworben, in Leipzig kommen auf 288 Stellen 579 Bewerber.

Verschärft wird das Ungleichgewicht dadurch, dass die Ausbildung der Bewerber – also ob sie Grund-, Förder-, Gymnasial- oder Oberschullehrer sind – nicht im gleichen Verhältnis zur Art der freien Stellen steht: Von den 1.271 Bewerbern sachsenweit wollen fast die Hälfte, 589, an ein Gymnasium. Am meisten neue Lehrer gesucht werden aber seit Jahren an den Förder- und Oberschulen.

Reformen zeigen nicht schnell Wirkung

Die Gründe sind ebenfalls seit vielen Jahren die gleichen. Als einen nennt Roman Schulz frühere Fehler in der Landespolitik. Die vom Schülermangel in den 90er und 2000er Jahren zum Lehrermangel heute führten. „Es hat ein Umdenken gegeben.“. Das sich ab 2018 unter dem sächsischen Kultusminister Christian Piwarz in verschiedenen Reformen niederschlug: „Die Lehrerausbildung wurde hochgefahren“, durch Höhergruppierung ebenso die Bezahlung. Programme für Seiteneinsteiger, mehr Geld für Referendare im ländlichen Raum. Aber all das zeige nicht von heute auf morgen Wirkung, so Schulz. 

Bevölkerungsprognose für den Kreis macht Sorgen

Zum einen: Die Bewerber, die jetzt in den Schuldienst wollen, haben 2013 oder früher mit ihrer Ausbildung begonnen – als die Perspektiven noch anders aussahen.Zum anderen: Manches hat sich seither nicht maßgeblich verändert. „Die Statistiker haben ja jetzt die neuen Bevölkerungsprognosen herausgegeben“, sagt Schulz. Auf die für den ländlichen Räumen schaut er mit Sorge. Seit 1990 hat der Kreis Görlitz weit über 100.000 Einwohner verloren, seit 2011 sinken die Zahlen nicht mehr ganz so rapide. Dennoch nimmt das Landesamt für Statistik an, dass der Kreis, je nach Rechenmodell, weitere 28.000 bis 35.000 Einwohner bis 2035 verlieren könnte. Während Görlitz glimpflich davon kommen könnte, ergibt sich für Orte im Kreisnorden wie Weißwasser, Boxberg und Schleife ein düsteres Bild. Gesetzt sind die Zahlen nicht, sie können in der Realität durch politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Entscheidungen anders ausfallen.

Aber genau das sind Fragen, die sich auch Lehrer stellen: Findet auch der Partner einen Job in der Gegend? Oder könnte man gut pendeln, wie ist die Infrastruktur? Wie sieht das gesellschaftliche Leben aus, was kann man nach Feierabend machen?

Für mehr Lehrerausbildung auf dem Land

Auch dieses Jahr will das Lasub jedem Bewerber mindestens einen Vorschlag unterbreiten. „Wir werden auch wieder versuchen umzulenken“, erklärt Schulz. Ein Vorgehen, das in den Vorjahren auch auf Kritik von Bewerbern gestoßen war. Dennoch will das Schulamt wieder versuchen, auch Stellen in einer anderen Schulart oder jenseits der Wunschstadt anzubieten. Einfach sei das aber nicht. Denn Schulz‘ Erfahrung nach komme für viele letztlich nur Dresden oder Leipzig infrage. Auch das nähere Umfeld sei häufig keine Option.

Verwunderlich ist das nicht. Denn viele Lehrer haben in Dresden oder Leipzig studiert, sich dort ihr soziales Umfeld aufgebaut. Deshalb seien die neuen Ausbildungsstätten im ländlichen Raum – in Annaberg-Buchholz und Löbau – so wichtig. In Löbau werden seit vorigem August Grundschulreferendare ausgebildet. Ministerpräsident Michael Kretschmer könnte sich mehr davon vorstellen. „Vielleicht schaffen wir das in Zwickau und Görlitz, denn in diesen Regionen fehlen die meisten Lehrer“, sagte er Anfang des Jahres. 

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