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ASB-Mitarbeiter sollen Job behalten

Der Landkreis Görlitz vergibt den Rettungsdienst an einen neuen Anbieter. Das sorgt für Ängste. Doch auch das neue Unternehmen braucht gutes Personal.

Rettungssanitäter vom Görlitzer ASB im Einsatz bei einer Übung mit polnischen Sanitätern.
Rettungssanitäter vom Görlitzer ASB im Einsatz bei einer Übung mit polnischen Sanitätern. © Archiv: Danilo Dittrich

Am 1. Februar des kommenden Jahres hat Matthias Friedrich ein Jubiläum. Der Mann arbeitet dann seit genau 30 Jahren beim Rettungsdienst des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Görlitz. Eigentlich wollte er bis zur Rente dort tätig bleiben. Aber daraus wird nun nichts - bedauert er im sozialen Netzwerk Facebook.

Denn der Landkreis Görlitz vergab die Rettungsdienste nach einer Ausschreibung neu. Die ASB Rettungsdienst und Katastrophenschutz gGmbH Görlitz kam dabei ebenso wenig zum Zuge wie der ASB Löbau. In Weißwasser und Zittau fährt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) weiter die Rettungsdienste.  

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Falck fährt zwischen Reichenbach und Niesky

Ab dem 1. Februar 2021 übernimmt die Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH den Rettungsdienst von Görlitz bis Niesky, in Rothenburg, Mücka und Reichenbach. In Löbau übernimmt ein Gemeinschaftsunternehmen vom DRK Rettungsdienst und Kreisverband Löbau die Versorgung. 

Falck leistet Rettungsdienste deutschlandweit, darunter seit 2013 im Landkreis Spree-Neiße, seit 2017 im Landkreis Bautzen sowie in Nord- und Südwestsachsen. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich im dänischen Kopenhagen.

Ausgebremst: Der ASB fährt ab 2021 keinen Rettungsdienst mehr zwischen Görlitz und Niesky.
Ausgebremst: Der ASB fährt ab 2021 keinen Rettungsdienst mehr zwischen Görlitz und Niesky. © André Schulze

Keinen Widerspruch eingelegt

Landkreis-Sozialdezernentin Martina Weber sagt, dass nicht das wirtschaftlichste Angebot den Ausschlag gab, sondern das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Besonders die Qualität des Rettungsdienstes sowie ehrenamtliches Engagement im Katastrophenschutz seien beachtet worden. "Der ASB konnte diesmal nicht punkten", sagt die Dezernentin. 

Unterlegene Bewerber hatten bis zum 30. August 2020 Gelegenheit, sich zur Überprüfung der Entscheidung an die Vergabekammer Sachsen zu wenden.  Der ASB hat dies nicht getan, wie Geschäftsführerin Silke Lorenz auf SZ-Nachfrage erklärt. Die Aussichten auf Erfolg seien nicht gut gewesen, sagt die Geschäftsführerin. Außerdem befürchtete sie  hohe Prozesskosten, auf denen man dann sitzen bliebe.

ASB wollte Berufsbild revolutionieren

Mit Bedauern nimmt der ASB die Entscheidung des Landkreises zur Kenntnis. "Nach über 30 Jahren Erfahrung gehören die Notfallrettung und der Krankentransport ab Februar 2021 nicht mehr zum ASB Görlitz", sagt die Geschäftsführerin. Mitarbeiter waren aktiv in das Ausschreibungsverfahren eingebunden, um gemeinsam den Rettungsdienst beim ASB ab 2021 zu gestalten. "Wir wollten den Rettungsdienst behalten, unsere im Angebot dargestellten Maßnahmen zielten darauf ab", erklärt Frau Lorenz. "Und wir wollten neue Mitarbeiter gewinnen, die bisherigen an uns binden und zufrieden stellen. Unsere  Mitarbeiter sind unserer höchstes Gut", erläutert sie weiter. 

Erst Anfang dieses Jahres wurde mit der vereinten Dienstleistungsgesellschaft ver.di ein Haustarifvertrag abgeschlossen. Außerdem standen unter anderem die Einführung des betriebliches Gesundheitsmanagements, zahlreiche Fort- und Weiterbildungen sowie Teambildung auf der Agenda. Dass der ASB nun nicht die Chance erhält,  Ideen umzusetzen, das Berufsbild zu revolutionieren und sich als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren, stimmt traurig, so die Geschäftsführerin. 

Im August 2017 erfolgte die Einweihung der neuen Rettungswache in Görlitz-Weinhübel.
Im August 2017 erfolgte die Einweihung der neuen Rettungswache in Görlitz-Weinhübel. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Mit Haustarifvertrag zum neuen Arbeitgeber

Im nächsten Schritt schließt der Landkreis die neuen Verträge mit den Rettungsdiensten  ab. Darin wird auch der bevorstehende Übergang zum Vertragsbeginn am 1. Februar 2021 geregelt. Die Verträge laufen fünf Jahre,  können um bis zu zwei Jahre verlängert werden.

Für die Mitarbeiter beim ASB-Rettungsdienst wird sich zunächst nichts ändern, denn es gibt einen Betriebsübergang. Mitarbeiter sollen zu den gleichen Konditionen einen neuen Arbeitsvertrag von einem neuen Arbeitgeber bekommen. Der heißt in Görlitz und Niesky künftig Falck. Die Rechte und Pflichten des Betriebsüberganges sind gesetzlich geregelt. 

Falck-Geschäftsführer Klaus Runggaldier versichert, dass alle Mitarbeiter, die das wünschen, übernommen werden. "Zu den bestehenden Konditionen", sagte er. Martina Weber erklärt, dass kein ASB-Mitarbeiter um seinen Job bangen müsse. Der Betriebsübergang regele die Fortführung der Konditionen für ein Jahr, ab dem zweiten Jahr können Bedingungen ausgehandelt werden. "Nach meinem Kenntnisstand wird es für niemanden dann schlechter werden", sagt die Dezernentin. 

Sachsens Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch besuchte vor ein paar Jahren die Rettungswache in Görlitz. Auf dem Bild ist sie im Gespräch mit dem ASB-Rettungsdienstleiter Andreas Wünsche.
Sachsens Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch besuchte vor ein paar Jahren die Rettungswache in Görlitz. Auf dem Bild ist sie im Gespräch mit dem ASB-Rettungsdienstleiter Andreas Wünsche. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Nicht alles wird anders gemacht

Falck-Geschäftsführer Ringgaldier habe sich im Vorfeld ein Bild vom  Rettungswesen im Kreis Görlitz gemacht. Es werde künftig nicht alles anders gemacht, denn der Rettungsdienst im Landkreis habe bereits hohes Niveau, erklärt er. Dennoch will Falck in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Verbesserungen im Rettungswesen und im Katastrophenschutz umsetzen, sagt Ringgaldier, ohne jetzt schon konkreter zu werden.

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Andreas Wünsche, der Leiter des Rettungsdienstes beim ASB Görlitz, ist traurig, dass er den ASB künftig nicht mehr als Arbeitgeber hat. Denn auch er hätte wie Matthias Friedrich am 1. Februar des nächsten Jahres das 30-jährige Dienstjubiläum beim ASB. "Trotzdem schaue ich positiv in die Zukunft und gehe die neuen Aufgaben wertfrei an", sagt Wünsche. Matthias Friedrich kann, wenn er möchte,  bis zur Rente in der Rettung tätig bleiben, bald aber unter einem neuen Arbeitgeber.

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