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Görlitz rückt in die Welt-Forschungsliga auf

Möglich macht das das neue Institut Casus. Top-Wissenschaftler widmen sich dem Klimawandel und autonomen Fahren.

Welche Konsequenzen hat der Klimawandel? Der Blick auf die Erdkugel wie im Bremerhavener Klimahaus ist das eine, die Erforschung der Zusammenhänge das andere. Und das soll künftig in Görlitz geschehen.
Welche Konsequenzen hat der Klimawandel? Der Blick auf die Erdkugel wie im Bremerhavener Klimahaus ist das eine, die Erforschung der Zusammenhänge das andere. Und das soll künftig in Görlitz geschehen. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Der Klimawandel ist in aller Munde. Welche Folgen klimatische Veränderungen auf die Umwelt haben, welche Kosten für die Volkswirtschaft und Konsequenzen für das Öko-System, darüber ist der politische, aber auch wissenschaftliche Streit entbrannt. Ein neues Forschungsinstitut in Görlitz, das Casus, will bei solchen Fragen künftig entscheidende Erkenntnisse liefern, indem es riesige Datenmengen verarbeitet und dadurch komplexe Systeme erklärt. Daher auch der Name von Casus: Center for Advanced Systems Understanding. Auf Deutsch: Zentrum für fortgeschrittenes Systemverständnis.

Ende August fällt der offizielle Startschuss für die dreijährige Aufbauphase dieses Instituts, dessen Gründung auf die Initiative der vier sächsischen Forschungseinrichtungen Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Helmholtz-Zentrum Dresden-Rosendorf, Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik sowie der Technischen Universität Dresden zurückgeht. „Es soll ein Leuchtturm der interdisziplinären Forschung im Bereich Digitalisierung werden“, erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Ihr Ministerium fördert das Görlitzer Institut in den nächsten drei Jahren mit zehn Millionen Euro, der Freistaat gibt eine weitere Million dazu.

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Zunächst wird das Casus am Untermarkt seinen Platz finden, in den früheren Räumen der städtischen Denkmalpflege. Bei der Suche nach den Räumen unterstützte die Wissenschaftler auch die Europastadt Görlitz/Zgorzelec (EGZ). „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit dem Casus-Institut ein international starkes Aushängeschild für unsere Stadt gewinnen werden“, sagt EGZ-Chefin Andrea Behr. Auch der Görlitz Oberbürgermeister Siegfried Deinege sieht in dem Institut ein deutliches Zeichen für die Zukunft der Stadt Görlitz. „Als Europastadt stehen wir für internationale Zusammenarbeit. Das Institut wird nicht nur interessante und spannende neue Personen nach Görlitz führen, sondern die Stadt auch dauerhaft mit Innovation und Qualität in Verbindung bringen.“ Für Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer wird mit der Neuansiedlung die zentrale Lage von Görlitz an der Nahtstelle der Wissenschafts- und Technologieregion Sachsen und Niederschlesien betont.

Dass das Institut nicht zufällig nach Görlitz kommt, erläutert Dr. Michael Bussmann. Er ist selbst Physiker, arbeitet am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und leitet den wissenschaftlichen Aufbau des neuen Instituts. „Wir haben in Sachsen und Niederschlesien eine außergewöhnlich große Dichte von weltweit führenden Instituten, die sich mit der Systemforschung befassen“, sagt er. Da auch die Zusammenarbeit mit polnischen Partnern zum Gründungsimpuls des Institutes gehört, kam schnell Görlitz ins Spiel. Tatsächlich will die Breslauer Universität am Casus das Zusammenspiel autonomer Fahrzeuge mit der Umwelt untersuchen lassen, beispielsweise wie andere Verkehrsteilnehmer reagieren. Die Casus-Forscher setzen den Fokus auf den Einsatz von Hochleistungsrechnern sowie auf die Methoden des maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz (KI), um große Datenmengen zu bewältigen. Ziel ist es, komplexe Themen zu verbildlichen und dadurch zu verstehen, sagt Bussmann.

Teams aus Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtungen sowie aus Mathematikern, Hochleistungsrechner- und KI-Experten werden gemeinsam die Komplexität der Welt erforschen und darstellen. Neben Klimawandel und autonomen Fahren startet das Casus noch mit zwei weiteren Projekten. Plasma- und Astrophysiker werden untersuchen, wie Materie auf extreme Bedingungen reagieren, so wie im Inneren von fernen Planeten und Sternen. Und Biologen und Mediziner interessieren sich für die Prozesse bei der Entwicklung von Zellen und Organismen.

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Für Bussmann spielt das neue Institut, an dem zunächst 30 und perspektivisch 100 Wissenschaftler tätig sein sollen, in einer Liga mit ähnlich gelagerten Forschungseinrichtungen an der Westküste der Vereinigten Staaten oder wie sie die Internet-Firma Alibaba soeben in China aufbaut.

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