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Görlitz setzt weiter auf Glyphosat

Der Stadtrat hat den Verzicht auf das umstrittene Mittel vor einem Jahr beschlossen. Warum wird der nicht umgesetzt?

Symbolbild
Symbolbild © ZB

Peter Richter traut bei seinem Gang über den Königshufener Boulevard am Dienstagvormittag seinen Augen nicht: Mitarbeiter des städtischen Betriebshofes bekämpfen das Gras, das um die Bäume herum wächst, mit Glyphosat. „Hat der Stadtrat nicht beschlossen, kein Glyphosat mehr einzusetzen“, fragt der SZ-Leser am Telefon.

Ja, hat er. Allerdings nicht sofort. „Die Stadt verzichtet zum frühestmöglichen Zeitpunkt bei allen Flächen unter ihrer Bewirtschaftung auf den Einsatz von Herbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat“, heißt es in dem Stadtratsbeschluss vom April 2018. Ausnahmegenehmigungen sollen nicht mehr beantragt werden. Das gelte auch für die städtischen Gesellschaften. Zudem sollte die Verwaltung dem Stadtrat ein Umsetzungskonzept vorlegen. Es sollte Aussagen zu Schritten und Maßnahmen sowie einen Zeitplan enthalten – und belastbare Aussagen zur eventuell erforderlichen Beschaffung von Gerätschaften und zum erforderlichen Personaleinsatz, einschließlich Kosten. „Weitere detaillierte Festlegungen zum Ausstieg aus der Verwendung von Glyphosat trifft der Stadtrat im Rahmen des Beschlusses zum Doppelhaushalt 2019/2020“, hieß es im April 2018.

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„Bereits damals als auch in der Haushaltsdiskussion wurde immer wieder darauf verwiesen, dass die Umsetzung des Beschlusses Zeit braucht“, sagt Ronny Blümke vom Büro des Oberbürgermeisters. Der Haushalt 2019/2020 wurde schließlich vor sieben Wochen im Stadtrat beschlossen – inklusive Geld für den erhöhten Personalaufwand und die Beschaffung von Technik. „Bisher ist der Haushalt nicht in Kraft getreten und sowohl die Personaleinstellung als auch die Technikbeschaffung konnten daher noch nicht erfolgen“, sagt Blümke.

In den Baumscheiben am Boulevard in Königshufen wächst Gras. Um es zu bekämpfen, hat die Stadt hier am Dienstag Glyphosat eingesetzt.
In den Baumscheiben am Boulevard in Königshufen wächst Gras. Um es zu bekämpfen, hat die Stadt hier am Dienstag Glyphosat eingesetzt. © Peter Richter

Da die Natur nicht wartet, sei es gestattet worden, in der Zwischenzeit die Grünpflege mit den vorhandenen Mitteln durchzuführen. Dazu zähle auch der befristete Einsatz von Restmitteln Glyphosat. Der Städtische Betriebshof setze aber auch das glyphosatfreie Mittel Finalsan ein. Blümkes Schlussfolgerung: „Die Stadt arbeitet an der Umsetzung des Stadtratsbeschlusses, der einen Verzicht zum frühestmöglichen Zeitpunkt vorsieht.“

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Aber das Gras auf dem Boulevard könnte doch auch einfach stehenbleiben, argumentiert Richter. Nein, sagt Peter Schäfer vom Betriebshof: „Unser Auftraggeber hat für alle Leistungen einen Standard definiert, der auch so umzusetzen ist.“ Das heißt hier: Baumscheiben sind von Unkraut und Aufwuchs freizuhalten.

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