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Görlitz soll ein Filmmuseum bekommen

Die Größen Hollywoods drehen in Görlitz einen Streifen nach dem anderen.Doch die Stadt hinkt in der Vermarktung noch hinterher.

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Von Daniela Pfeiffer

Jedes Mal ist die Aufregung riesig. Jedes Mal die Euphorie aber auch schnell wieder verblasst, wenn es vorbei ist. Filmteams kommen und gehen mittlerweile in Görlitz. Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein nächstes Mal. Etwas Greifbares für zwischendurch gibt es nicht.

Nur ganz zaghaft beginnt die Stadt, ihr Image als Filmstadt zu vermarkten. So widmet die Europastadt GmbH (EGZ) in ihrer Imagebroschüre dem Thema zwei Seiten. Kate Winslet, die 2008 hier den „Vorleser“ gedreht hat und Jackie Chan, der für „In 80Tagen um die Welt“ vor Ort war, lächeln den Görlitz-Touristen von Hochglanz-Papier an. Auch die erste Film-Stadtführung hat die EGZ initiiert. Es geht an Drehorte, es werden Filmfotos gezeigt und Anekdoten erzählt. Karina Thiemann und Uwe Stark sind die beiden Stadtführer, die das seit mehreren Monaten umsetzen. „Es läuft ganz gut, nur manche Termine sind schon ausgefallen“, sagt Karina Thiemann. „Die meisten Gäste wissen nichts von der Filmstadt Görlitz.“

Etwas Handfestes würde Karina Thiemann sofort unterstützen. Feste Hinweise auf die Drehorte – Tafeln etwa, die an den Gebäuden angebracht werden, in denen gedreht wurde. Da gibt es genug Möglichkeiten. Das „Vorleser“-Liebesnest von Kate Winslet und David Kross auf der Salomonstraße zum Beispiel. Das Haus auf der Emmerichstraße, vor dem im vergangenen Jahr Jan Josef Liefers gestanden und für den Film „Der Turm“ einen sehnsüchtigen Blick zur Wohnung der Geliebten geworfen hatte. Und der Untermarkt sowieso. Er selbst ist schon unzählige Male Filmkulisse gewesen und manche umliegende Gebäude auch.

Im Inneren des Braunen Hirsches, der dem Rosenhof-Betreiber Johannes Daume gehört, erinnert noch alles an die Dreharbeiten im vergangenen Herbst. „Ich habe die Kulissen so stehen lassen“, sagte Daume kürzlich gegenüber der SZ. Er habe auch nichts dagegen, das öffentlich zugänglich zu machen. Nur das Baurecht müsse eben geklärt sein. Für EGZ-Chef Lutz Thielemann, der für die Vermarktung der Stadt in erster Linie zuständig ist, wäre der Braune Hirsch der perfekte Platz für seinen ersten großen Marketingsknüller zum Thema Film: ein Filmmuseum. Auch das frühere Hertie-Kaufhaus wäre toll. Denn wo wäre ein Filmmuseum passender als an einem früheren Drehort. Und da das Kaufhaus in wenigen Wochen Kulisse für „The Grand Budapest Hotel“ sein wird, wäre es nachher als Museumsstandort geradezu prädestiniert.

Doch was will man zeigen? Lutz Thielemann, der die Idee seit einem reichlichen Jahr verfolgt, ist da buchstäblich eine gebratene Taube in den Mund geflogen. Ein Bekannter stellte ihm einen italienischen Filmfanatiker vor, der Erbe einer Filmvorführerdynastie ist, und sein Leben lang alles gesammelt hat, was irgendwie mit Film zu tun hat: Plakate, Vorführgeräte, Filmrollen, Schneidetische. „Der Mann ist schon älter und will sein Lebenswerk in guten Händen wissen“, so Thielemann. Er habe zugesichert, es Görlitz zu schenken. Thielemann ist daraufhin mit einem Filmexperten aus Babelsberg nach Italien gereist und hat sich die Sammlung angeschaut, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie wertvoll alles ist und was man in Görlitz zeigen könnte.

Als nächstes soll ein Konzept erarbeitet werden. Ein wesentlicher Teil einer möglichen Ausstellung sollen natürlich auch in Görlitz entstandene Filmproduktionen sein. „Vielleicht kann man Requisiten heranorganisieren, Kostüme aus Filmen, Plakate, und kleine Einspieler mit Görlitzer Szenen laufen lassen“, so Lutz Thielemanns Ideen. Auch ein Filmfestival – vielleicht deutsch-polnisch – könne er sich vorstellen. Da es noch keine Lösung zur Kaufhaus-Zukunft gibt und der Braune Hirsch zu riesig sein könnte, sieht Thielemann das Museum zunächst mit im Görlitzer Fotomuseum. Denn dort gebe es noch größere Freiflächen. Letztlich sei alles eine Frage der Kosten und der Macher. „Es braucht dafür schon Leute, die das mit Leidenschaft und Wissen betreiben.“ Für das nötige Kleingeld könne er sich vorstellen, bei der Mitteldeutschen Medienförderung anzufragen, die schon etliche Produktionen hier unterstützt haben und daher eine Bindung zu Görlitz haben könnten.