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Görlitz verliert den Titel als Sonnenstadt

Die Meteorologen ziehen eine Bilanz des Sommers 2020. Für Görlitz und die Oberlausitz fällt sie besser aus als andernorts.

Blick auf den Berzdorfer See an der Blauen Lagune: Das Bild entstand an einem der letzten Sommerabende. Kurz danach kam der Sturm.
Blick auf den Berzdorfer See an der Blauen Lagune: Das Bild entstand an einem der letzten Sommerabende. Kurz danach kam der Sturm. © privat/Segelverein Pirat Boleslawiec

Sturm, Regen, einstellige Temperaturen morgens. Das Ende vom August hat keinen Schönwetter-Eindruck hinterlassen. Aber das täuscht, sagt Anja Juckeland, Meteorologin und Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes in Leipzig. Insgesamt war der August ein sehr schöner Monat in Görlitz. Und das Beste: Er war noch nicht einmal zu trocken. 

Die Kinder des Segelcamps an der Blauen Lagune hatten Glück: Ihr Aufenthalt am Berzdorfer See fiel gerade noch so in die schönen August-Tage.
Die Kinder des Segelcamps an der Blauen Lagune hatten Glück: Ihr Aufenthalt am Berzdorfer See fiel gerade noch so in die schönen August-Tage. © privat/Segelverein Pirat Boleslawiec

Verglichen mit dem langjährigen Mittel war es sogar zu warm. Die Monatsmitteltemperatur, also alle Werte zusammengerechnet, lag bei 20,3 Grad. Üblich wären für einen Görlitzer August 16,9. Darunter gab es sieben heiße Tage. Das sind die, an denen das Thermometer über 30 Grad klettert. Am höchsten stieg es am 9. August: 32,8 Grad. Ein Wert allerdings, der weit entfernt vom Rekord liegt. Den hält für Görlitz nach wie vor der 7. August 2015 mit 37,9 Grad. 

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Dafür aber war es diesen August stabil warm: Von Beginn an und fast bis zum Ende lagen die Maximalwerte über 20 Grad, "wir hatten also fast durchgängig sogenannte Sommertage", erklärt Anja Juckeland. Und zumindest für den August behält Görlitz die Krone auf: Von allen Wetterstationen in Sachsen wurden in Görlitz die meisten Sonnenstunden gemessen, fast 230. 

Kirsten brachte den Regen

Vorbei war es damit ab dem 27. August. "Eine Nordwestlage hat Niederschlag und kühlere Temperaturen gebracht." Und Sturm Kirsten. Von dem war vor allem der nordwestliche Raum Sachsens betroffen. So wurden etwa in Oschatz Windgeschwindigkeiten von bis zu 91 Kilometern pro Stunde gemessen. "Das ist dann schon schwerer Sturm", sagt Anja Juckeland. Die Windspitze in Görlitz dagegen betrug am 27. August 60 Kilometer pro Stunde. Etwa Windstärke sechs bis sieben. 

Trotz allen Sonnenscheins davor: Es war insgesamt nicht zu trocken in Görlitz. "Bereits Anfang und auch Mitte des Monats haben einige Gewitterzellen die Region erreicht ", so Anja Juckeland. Insgesamt kommt Görlitz im  August auf 129,6 Liter pro Quadratmeter. Das liegt weit über dem langjährigen Mittel von 74,4 Litern. Der meiste Regen fiel dabei am 30. August: 38,6 Liter. "Ein Glück für Görlitz", sagt Anja Juckeland mit Blick darauf, dass die vergangenen beiden Jahre, besonders 2018, sehr starke Regendefizite aufgewiesen hatten. 

So fiel der komplette Sommer aus

Ähnlich wie der Rückblick auf den August fällt auch der Rückblick auf den ganzen Sommer aus, also die zurückliegenden drei Monate: Es war wärmer als üblich, aber zumindest insgesamt nicht zu trocken. Ganz Sachsen betrachtet, war die Hitzeperiode dieses Sommers stärker im Nordwesten als im Südosten zu spüren, erklärt Anja Juckeland. So wurde etwa die Höchsttemperatur von 36,8 Grad dieses Mal in Leipzig gemessen, am 21. August. Insgesamt kam Sachsen auf eine Sommermitteltemperatur - also alle Werte der vergangenen drei Monate zusammengerechnet - von 18,1 Grad. Das liegt deutlich über dem langjährigen, sächsischen Sommermittelwert von 15,9 Grad. 

Beim Niederschlag kommt Sachsen im Schnitt diesen Sommer auf 232 Liter pro Quadratmeter. "Es gab regionale Unterschiede", sagt Anja Juckeland. So war es in der Chemnitzer und Torgauer Region vergleichsweise zu trocken. "Insgesamt betrachtet haben wir aber ein ausgewogenes Mittel und dafür sollten wir nach den zwei Jahren mit extremer Trockenheit dankbar sein." 

An wen Görlitz die Sonnen-Krone abgibt

In Görlitz lag die Sommermittel-Temperatur bei 18,7 Grad. Damit war es zwar zu warm, aber nichts im Vergleich zum Rekordsommer im vorigen Jahr, als das Görlitzer Sommermittel bei 20,3 Grad lag. Und auch in Görlitz war es in den vergangenen drei Monaten mit fast 250 Litern Niederschlag nicht zu trocken. Die Zahl liegt sogar deutlich über dem Soll. 

Absoluter Rekordhalter beim Regen diesen Sommer: Bertsdorf-Hörnitz. Dort gab es in den zurückliegenden drei Monaten 346,7 Liter Niederschlag, das langjährige Sommermittel wären 205 Liter. Seltsamerweise ist Bertsdorf-Hörnitz aber trotzdem der neue Rekordhalter beim Sonnenschein. An der dortigen Wetterstation wurden diesen Sommer 695,7 Sonnenstunden gemessen. Damit verweist Bertsdorf-Hörnitz Görlitz auf Platz zwei: Hier gab es 690,5 Sonnenstunden. Auch das liegt über dem langjährigen Mittel von 642. Auf Platz drei folgt Dresden-Klotzsche mit 681,6 Stunden. Traurig braucht Görlitz trotzdem nicht sein. Und vielleicht muss Görlitz den Titel als Sonnenstadt doch gar nicht abgeben. Denn Bertsdorf-Hörnitz mag das schönste Dorf Sachsens sein und gehört zu den schönsten Blumendörfern Europas - eine Stadt ist es nicht. 

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