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Görlitz

Görlitz steht vor einer schwierigen Wahl

Die AfD hat heute eine Chance auf den Sieg, einiges spricht aber auch dagegen. Der Ministerpräsident warnt.

© imago images/Florian Gaertner/photothek.netvia

Görlitz/Dresden. Am Sonntag könnte die AfD den nächsten Wahlerfolg erringen und den Chefsessel im Rathaus von Görlitz erobern. Es wäre das erste Mal, dass sich ein AfD-Kandidat in Deutschland bei einer Oberbürgermeisterwahl durchsetzt. Kandidat Sebastian Wippel, von Beruf Polizeioberkommissar, lag in der ersten Wahlrunde Ende Mai mit 36,4 Prozent der Stimmen vorn und konnte seinen Kontrahenten von der CDU, Octavian Ursu (30,3 Prozent), auf Distanz halten.

Da die beiden Bewerberinnen von Linkspartei und Grünen in der zweiten Runde nicht mehr antreten, wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. Entscheidend wird das Verhalten der Grünen- und Linken-Wähler. Werden sie für den CDU-Mann stimmen oder lieber zu Hause bleiben?

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„Die Fehler der CDU haben die AfD stark gemacht“, sagt Wippel, der aus Görlitz stammt und früher bei der FDP war. Wippel sieht sich nicht als Hardliner und verortet sich eher in der gemäßigten AfD-Strömung Alternative Mitte. „Ich mache mir keine Sorgen, dass die AfD auf einen Weg geraten könnte, den ich unter keinen Umständen mehr mittragen kann“, sagt der 36-Jährige. 

Wippel gibt auf seiner Internetseite an, Verwaltungswissenschaften studiert zu haben. Nach Recherchen der Sächsischen Zeitung ist diese Aussage nicht korrekt. Sebastian Wippel hat eine Polizeiausbildung an der Verwaltungshochschule in Hannoversch Münden absolviert. Einen Studiengang Verwaltungswissenschaften gab es dort nicht, kommunales Verwaltungsrecht wurde nicht gelehrt. Daran ändert auch eine am Freitag von Wippel selbst veröffentlichte Diplom-Urkunde nichts. Er verließ die Schule 2007 mit dem Abschluss Diplom-Verwaltungswirt für den Polizeivollzugsdienst.

Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer hat vor der Wahl in Görlitz vor der AfD gewarnt. Viele Menschen unterschätzten die Radikalität der Partei, sagte er der Thüringer Allgemeinen. Die Stadt brauche jemanden, der Mehrheiten organisieren und nach vorne gehen könne. Er wünsche seiner Heimatstadt Görlitz einen konsensfähigen Oberbürgermeister. 

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Der Chef der CDU-Landtagsfraktion, Christian Hartmann, sieht im Ausgang der OB-Wahl keinen Bezug auf Kretschmer selbst, der zur Landtagswahl am 1. September in Görlitz für ein Direktmandat kandidiert. „Ich bin da zuversichtlich. Michael Kretschmer ist hochengagiert.“ Zu einer möglichen Koalition mit der AfD nach der Landtagswahl sagte Hartmann, die AfD bleibe der Hauptgegner der CDU. Entscheidend sei aber das künftige Wählervotum. „Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung werden wir sicherlich politisch an verschiedenen Stellen neu denken müssen.“ Das Wahlergebnis am Sonntag aus Görlitz wird ab 20 Uhr erwartet. (SZ)

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