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Görlitz trauert um Lothar Voigt

Er war Görlitzer, Handwerker und Handballer. Und das alles mit großem Engagement und Herz. Jetzt starb er mit 85 Jahren.

Übergabe der Goldschmiedechronik von Herrn Voigt an Ratsarchivar Siegfried Hoche.
Übergabe der Goldschmiedechronik von Herrn Voigt an Ratsarchivar Siegfried Hoche. ©  Nikolai Schmidt

Erst vor wenigen Wochen saß ich in seinem Arbeitszimmer in seiner Weinhübler Altneubauwohnung. Überall lagen Dokumente, standen historische Bücher in der Vitrine. Lothar Voigt beschäftigte zuletzt die Historie sehr.

In diesem Fall ging es um alte Handwerksbücher, für die er einen guten Aufbewahrungsort finden wollte. Ruhelos klärte er die Dinge; offenbar spürte er, dass ihm dafür nicht unendlich viel Zeit mehr blieb, nachdem er eine schwere Erkrankung zunächst überstanden hatte. Jetzt traf die traurige Nachricht ein, dass er 85-jährig gestorben ist. 

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Lothar Voigt war Görlitzer, Handwerker und Handballer. Und bei allen Dingen mit großem Enthusiasmus und Herz dabei. Geboren im Dezember 1934 erlebte er mit, wie die Stadt nach dem Krieg durch die Randlage an Bedeutung verlor. Nach der Wiedervereinigung sah er die Chance, dass die Stadt wieder an alte Größe anschließt. 

Unermüdlich brachte er sich ins Stadtgespräch ein, warb dafür, mehr aus dem 15. Meridian zu machen. Alle Initiativen, von denen er sich einen Gewinn für Görlitz versprach, unterstützte er. Zuletzt übergab er ein Originalbesteck dem Stadthallen-Förderverein. 

Marianne Paul vom Stadthallen-Förderverein übergab Lothar Voigt vor zwei Jahren ein Stadthallen-Besteck.
Marianne Paul vom Stadthallen-Förderverein übergab Lothar Voigt vor zwei Jahren ein Stadthallen-Besteck. © privat
Zusammen mit Karsten Hochmuth und  Heinz Hübner schrieb Lothar Voigt (v. li.) auch eine Chronik über den Handballsport in Görlitz, die die Drei 2012 an Ratsarchivar Siegfried Hoche (re.) übergaben. 
Zusammen mit Karsten Hochmuth und  Heinz Hübner schrieb Lothar Voigt (v. li.) auch eine Chronik über den Handballsport in Görlitz, die die Drei 2012 an Ratsarchivar Siegfried Hoche (re.) übergaben.  © Pawel Sosnowski
Lothar Voigt  mit der Chronik der Görlitzer Gold- und Silberschmiede.
Lothar Voigt  mit der Chronik der Görlitzer Gold- und Silberschmiede. © Pawel Sosnowski

Als Goldschmied war er eine Görlitzer Institution, auch wenn Lothar Voigt ursprünglich Förster werden wollte. Sein Vater hatte den Familienbetrieb  1927 gegründet. Drei Jahrzehnte später - nach seiner Meisterprüfung - trat Voigt in den elterlichen Betrieb ein. 48 Lehrlinge bildete er aus, 29 von ihnen führte er zum Meister, 34 Jahre stand er an der Spitze der Innung. Der Verstaatlichung in der DDR entging er, nach dem politischen Umbruch machte er ein Geschäft auf der Hospitalstraße auf. Dass seine Tochter die Firma auf der Berliner Straße fortsetzte, hat ihn immer mächtig stolz gemacht. 

Seine Profession ließ ihn auch im Unruhestand nicht los. Akribisch trug er Fakten und Berichte über die  Innung der Gold- und Silberschmiede in Görlitz zusammen. 2013 übergab er die Chronik der Innung samt zahlreicher Aktenordner an Unterlagen dem Ratsarchiv, dessen Leiter Siegfried Hoche sie als "Schatz für die Forschung" bezeichnete.

Es war Voigts zweite Chronik. Die erste hatte er zusammen mit zwei weiteren Mitstreitern schon ein Jahr vorher über den Handballsport in Görlitz vorgelegt. Dabei stand die Geschichte des NSV Gelb-Weiß Görlitz im Mittelpunkt, dessen Handball-Abteilung Voigt 50 Jahre lang leitete. Selbst war er Spieler und Trainer. Mit 60 stand er das letzte Mal bei einem Feldhandballspiel auf dem Platz.

Gerne hätte es Voigt noch erlebt, dass Görlitz mit einem Handwerksmuseum aus seinen wichtigen Innungen Kapital schlägt. Eine komplette Goldschmiedewerkstatt bot er regelmäßig als Keimzelle eines solchen Museums an. Doch blieb sein Angebot bei der Stadt unerhört, wie überhaupt die Stadt wenig das Engagement Voigts würdigte.  Zuletzt sorgte er sich, dass vieles in Vergessenheit geraten wird. Lothar Voigt hat das nicht verdient.

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