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Görlitzer Arzt hilft Kranken in Tansania

Görlitz. Ralph Rautenbach nimmt zweieinhalb Wochen unbezahlten Urlaub und fliegtmit GörlitzerSpenden nach Afrika.

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Von Carla Mattern

Gestern, um 13.10 Uhr, ging Ralph Rautenbachs Zug nach Frankfurt/Main. Um 22.40Uhr startete der Flieger nach Addis Abeba in Äthiopien und von dort zum Kilimandscharo Airport im tansanischen Arusha. Dann folgte eine Tagesreise, die Rautenbach und seine Begleiter in Jeeps quer durch das afrikanische Land am Indischen Ozean führte.

Der 47-jährige leitende Oberarzt an der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie des Klinikums Görlitz hat zwar Urlaub für die Reise eingereicht. Erholen wird er sich aber bestimmt nicht. Zusammen mit einem Chirurgen aus Dresden, einer OP-Schwester aus Riesa und dem Anästhesiepfleger René Mönnich vom Görlitzer Klinikum wird er hunderte Patienten behandeln.

Die Organisation des Einsatzes übernimmt der Verein Interplast Germany. Dass der Görlitzer Facharzt für Anästhesiologie, spezielle anästhesiologische Intensivmedizin und Notfallmedizinzu diesem Verein gestoßen ist, der sich für die Hilfe in Entwicklungsländern stark macht, war eher ein Zufall. Aber irgendwie doch zwangsläufig. „Seit der achten Klasse wollte ich Anästhesist werden. Später wurde mir klar, dass ich nach Afrika wollte“, erzählt Ralph Rautenbach. Vor Freunden und Bekannten sprach der gebürtige Leipziger von seinem Wunsch. Eine Bekannte berichtete von den Hilfseinsätzen der plastischen Chirurgen, und dass für einen Einsatz in Tansania noch ein Anästhesist gesucht würde.

Das war im vergangenen Jahr im Oktober. Der Görlitzer suchte den Kontakt zu dem Verein. Er klärte mit seinem Vorgesetzten, Chefarzt Eric Hempel, dass er unbezahlten Urlaub bekommt. Er traf im bayerischen Bad Honneff Kollegen, die bereits zu Einsätzen unterwegs waren, lernte die Sachsen kennen, mit denen er ein Operationsteam bilden wird. Und er begann, Geld zu organisieren. Die Kosten für Flug, Reisen innerhalb des Landes, Verpflegung und Unterkunft trägt der Verein Interplast Germany.

Das Spendengeld der Görlitzer steckt Ralph Rautenbach in Medikamente. Denn der Anästhesist und seine Kollegen auf Zeit werden in dem Ort Dareda aus einem neuen Gebäude erst eine Arztstation machen. „Wir brauchen die ersten zwei Tage, um alles einzurichten“, sagt Rautenbach. Dareda ist sozusagen ein Ableger der Missionsstation der Mütter und Missionare vom Heiligen Kreuz in Puma. Dort gibt es seit 2004 sogar ein Krankenhaus. Als das eingeweiht wurde, kam der Staatspräsident Tansanias. Der zweite Interplast-Standort liegt einige Autostunden von Puma entfernt. Die nötigen Mittel und Medikamente für seinen Einsatz in der neuen Station hat der Görlitzer selbst besorgt. „Meine persönlichen Sachen bringe ich im Handgepäck unter“, erzählt der Arzt und lacht. Er sieht das nicht problematisch. In Tansania herrschen zurzeit etwa 30 Grad Celsius, man muss also nicht viel mithaben, und das kann man sich schnell mal durchwaschen, sagt sich der Trekking-Fan, der schon viele Enden der Welt bereist hat.

Klinikum hat geholfen

Dass er sich jetzt für seinen Einsatz seine Narkosemittel selbst mitbringt, gibt ihm Sicherheit. „Da weiß ich, was ich habe. So eine Situation ist mir lieber, als mich überraschen lassen zu müssen“, sagt der Görlitzer. Um das Geld für die Arzneimittel zusammenzubekommen, bat der Anästhesist bei der Leitung des Klinikums um Unterstützung. Die wurde unkompliziert gewährt. Im firmeneigenen Intranet schilderte er sein Vorhaben und bat die Mitarbeiter um einen Euro. Das „sagenhafte Echo geht mir richtig unter die Haut“, sagt Ralph Rautenbach. Mehr als 1500Euro kamen zusammen. Auch von der Kinderkrippe, der Physiotherapie, aus der Apotheke und von der Schwesternschule ging Geld ein. Sogar die Mitglieder des Görlitzer Bachchores spendeten. Wichtige Helfer in dieser Vorbereitungsphase waren auch die Kollegen. Sie sprangen ein, wenn es nötig war, die Sekretärin führte die Spendenliste. Sogar Spielzeug wurde abgegeben. Unterstützung in diesem Ausmaß habe er nicht erwartet, sagt der 47-Jährige.

Er freut sich auf den Einsatz und ist schon sehr gespannt. Denn das OP-Team selbst wählt aus, wer behandelt wird. Schwierig wird die Verständigung. In der Gegend werden Suaheli und andere Stammessprachen gesprochen. Dolmetscher gibt es keine. Pfleger aus Tansania, die auch für die Nachsorge zuständig sind, müssen helfen, den Kontakt mit den Patienten herzustellen. Operiert werde in dem afrikanischen Land alles mögliche: angeborene Störungen und auch Unfallfolgen. Um Patienten werben müsse der Verein nicht. In Windeseile spreche sich herum, wenn ein Ärzteteam da ist. Mehrere Stunden Fußmarsch oder hunderte Kilometer Anfahrtsweg nehmen die Hilfsbedürftigen auf sich, um geduldig auf die Behandlung zu warten. Die deutschen Mediziner arbeiten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. 20 bis 30 Patienten täglich wollen die Sachsen behandeln.