merken
PLUS

Görlitzer Bierologe überzeugt Historikerjury

Martin Herda hat die Brau-Geschichte der Stadt erforscht. Dafür bekam er einen Preis.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

Mit einer leeren Bierdose fing es an. Die stand eines Tages im Jahr 1996 im Kinderzimmerschrank. Der Vater hatte sie dort platziert. Eine zweite Dose kam hinzu, dann eine dritte. Und der Sammler-Virus schlug zu. „Ich wollte schließlich alles Mögliche rund ums Bier haben, nicht nur Dosen“, sagt Martin Herda. Und nicht nur die Dosen hatten seine Sammelleidenschaft geweckt, sondern auch ganz spezielle Etiketten, die Landskron 1996 auf die Flaschen klebte. Anlass war das 925. Stadtjubiläum. „Die Etiketten wurden damals verändert, zeigten das Stadtwappen“, schildert Martin Herda. Sie gehörten zu den ersten Exponaten einer stetig wachsenden Sammlung. Heute hat der 33-jährige Görlitzer rund 40 000 Etiketten zusammengetragen, chronologisch geordnet, im Computer in einer Datenbank erfasst. Und die Sammelei geht natürlich weiter. „Wenn ich aus dem Urlaub komme, kann es schon sein, dass ich ein paar Kästen Bier im Kofferraum meines Autos habe“, schmunzelt Martin Herda.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Der Görlitzer ist Bier-Fan. Ob Gläser oder alte Flaschen, Bierdeckel oder Untersetzer, Werbematerial – längst ist aus der anfänglichen Sammelleidenschaft ein ernsthaftes Hobby geworden. Martin Herda hat sich vor allem auf die Geschichte der Braukunst in und um Görlitz spezialisiert. Seit 15 Jahren trägt er Daten zusammen, forscht im Ratsarchiv, in historischen Spezialzeitschriften aus einem Nürnberger Archiv. 75 000 Zeitungsseiten hat er durchgearbeitet. „Seit zwei, drei Jahren habe ich die Nachforschungen intensiviert“, schildert Martin Herda. Das Ergebnis: ein Buch zur Görlitzer Brau-Geschichte. Eher durch Zufall erfuhr er vom 13. Mitteldeutschen Historikerpreis Ur-Krostitzer Jahresring. Martin Herda reichte sein Buch ein und gewann prompt den Sonderpreis zum Jubiläum „500 Jahre Reinheitsgebot“. Das Werk „Die Bierstadt Görlitz – über den Kampf um das Brauprivileg bis zur Entstehung der Görlitzer Brauereien“ hatte die Jury überzeugt. „Auf 232 Seiten hat er mit zahlreichen Illustrationen ein wohl umfassend geschlossenes Bild der Brauereigeschichte von Görlitz und damit ein Stück Kulturgeschichte geschrieben und Verständnis für die Lebensverhältnisse und das Stadtbild in früheren Jahrhunderten geweckt“, heißt es in der Begründung der Jury.

Während seiner Studien der Görlitzer Bier-Historie stieß Martin Herda auf neue Erkenntnisse. So ist zwar beispielsweise bekannt, dass es in der Stadt sehr viele brauberechtigte Häuser gab. „Aber selbst brauen durfte man dort nicht. Es gab zwei vereidigte Stadtbrauer in Görlitz. Nur sie durften brauen, gingen somit von Haus zu Haus“, sagt Martin Herda. Der Sonderpreis, den er im Dezember bekam, war mit 500 Euro dotiert. „Ich bin sehr stolz und zufrieden mit dieser Auszeichnung“, sagt Martin Herda.

Er denkt nach dem Bier-Buch bereits über ein neues Projekt nach, hat damit sogar schon angefangen. Es soll den „Rest“ der Görlitzer Getränkeindustrie beleuchten, Mineralwasser und Limo-Hersteller, Destillationen, Likörfabrikanten. „Dazu suche ich Zeitzeugen, Nachfahren, Sammler, die mir etwas über die jeweiligen Betriebe erzählen können oder Bildmaterial haben“, so Martin Herda. Ihn interessiert vor allem auch die DDR-Zeit, als Betriebe schließen mussten.

Das Buch „Die Bierstadt Görlitz“ kostet 29,99 Euro. Es ist direkt bei Martin Herda erhältlich (Kontakt siehe hier), in der Landskron-Brauerei, in der Genussbrauerei Krause, Löbauer Straße 28, im Görlitzer Fass, Marienplatz 2, und im Getränkevertrieb Christoph-Lüders-Straße 21 a.