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Görlitzer Bischof empfängt radelnde Pilgerin

Eine Religionslehrerin radelt 600 Kilometer auf der Via Regia nach Görlitz. Im Ziel gibt es nicht nur den Stempel fürs Reisetagebuch.

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Von David Berndt

Viel besser hätte das Timing von Ricarda Menne nicht sein können. Vor zwei Tagen, am 15. August und damit an Mariä Himmelfahrt, beendete sie ihre Radtour. An einem der höchsten Feiertage der römisch-katholischen Kirche klingelte sie um kurz vor 11 Uhr am Bischöflichen Ordinariat auf der Görlitzer Ossietzky-Straße.

Da steckten der Pilgerin die 600 Kilometer von Selfkant, der westlichsten Gemeinde Deutschlands, bis nach Görlitz in den Beinen. Es ist halt ganz schön weit von einem Zipfelort zum nächsten. Am 29. Juli hatte sie ihre Tour begonnen und im Schnitt täglich rund 80 Kilometer zurückgelegt. Und dafür wollte sich Ricarda Menne in Görlitz schließlich einen weiteren Stempel für ihr Reisetagebuch abholen.

Doch die Religionslehrerin bekam noch viel mehr. Bischof Wolfgang Ipolt bat sie in sein Amtszimmer, schrieb einige Zeilen in das Reisetagebuch, in denen er ihr für die weitere Tätigkeit in der Verkündigung alles Gute wünscht. Er schenkte der Pilgerin zwei Informationshefte über das Bistum, gab ihr Grüße mit und lud sie zum Gottesdienst am Abend des Feiertages in die Kathedrale ein.

Der Stempel, den Ricarda Menne von der Sekretärin des Bischofs erhielt, geriet da fast zur Nebensache, sagt sie überwältigt. „Hier in Görlitz, bei Bischof Ipolt, bin ich besonders freundlich empfangen worden.“ Und damit nicht genug. „Er war außerdem mein prominentester Gesprächspartner, den ich auf meiner Reise getroffen habe“, sagt sie.

Doch nun neigt sich ihr Urlaub seinem Ende entgegen und eigentlich wollte Ricarda Menne den ökumenischen Pilgerweg zurück, von Görlitz bis ins thüringische Vacha, wiederum mit dem Fahrrad absolvieren. Aber für die rund 400 Kilometer reicht die Zeit einfach nicht mehr. Deshalb wird Ricarda Menne auch den Zug nehmen. „Es sei denn, die Bahn arbeitet hier wie in Mainz“, sagt sie.

Und die nächsten Sommerferien sind auch schon verplant. „Vielleicht fahre ich von Görlitz mal auf dem Jakobsweg Richtung Osten.“ Es wäre dann schon die dritte große Pilgertour, sagt Ricarda Menne. „Nach meinem zweiten Staatsexamen war ich von meinem Heimatort Wuppertal Elberfeld auf dem Jakobsweg nach Frankreich mit dem Fahrrad unterwegs“. Von dort aus ging es zu Fuß weiter bis in die Pilgerhauptstadt Santiago de Compostela.