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Görlitzer Cafés wechseln Betreiber

Die Gramont-Inhaberin in der Jakobstraße sucht einen Nachfolger. Anderswo steht der schon fest.

Von Ingo Kramer

Edeltraud Weise hat genug. Nach 46 Jahren Berufstätigkeit, darunter die letzten 13 in der Café-Branche, freut sie sich auf die Rente. „Deshalb will ich mein Café Gramont gern abgeben“, sagt die 61-Jährige. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest. Ende Dezember läuft der Mietvertrag in der Jakobstraße 40 aus. Sollte sie keinen Nachfolger finden, wird sie das Café zum Jahresende schließen. Lieber wäre ihr jedoch ein Nachmieter, der das Lokal schon im Laufe des Jahres übernimmt. Dann könnte sie früher in Rente gehen.

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Finanziell läuft es nicht schlecht, sagt die Inhaberin. Die gelernte Glasverarbeiterin hat viel gemacht in ihrem Leben, hat zwanzig Jahre bei einem Bäcker gearbeitet, bevor sie 2001 bei der Firma Hofmeister eingestiegen ist. Für diese hat sie zuerst am Marktkauf-Backstand, dann auch im Café Hofmeister am Postplatz gearbeitet. Letzteres hat sie 2004 übernommen. Der vorherige Betreiber Hofmeister war damals gerade Pleitegegangen. Ende 2009 erhielt sie dann die Kündigung vom Vermieter: Der wollte die Räume und den benachbarten Laden verbinden und an einen neuen Café-Betreiber vermieten. In dieser Situation entschied sich Edeltraud Weise für einen Umzug in die Räume des früheren Café Gramont in der Jakobstraße 40. Diese standen schon seit 2003 leer. Anfang 2010 eröffnete sie hier. Bereut hat sie diese Entscheidung nicht: Zwar hat sie weniger Kunden als am Postplatz, wo sie auch auf Laufkundschaft und Touristen setzen konnte: „Ich kann aber auch hier davon leben.“ Ihr pensionierter Mann hilft mit, ansonsten hat sie keine Angestellten mehr. Auch das Konzept, einen Nichtraucher- und einen Raucherraum anzubieten, habe sich bewährt: „Beides ist bei der Kundschaft gefragt.“

Allerdings sind die Arbeitszeiten hart: Das Café Gramont ist unter der Woche von 8 bis 18 Uhr geöffnet, zudem am Sonnabend von 8 bis 12 Uhr. Hinzu kommt, dass die Inhaberin Torten, Sahneschnitten und Kekse selbst herstellt und nur die restliche Ware von der Bäckerei Tschirch zukauft. „Das ist viel Arbeit und irgendwann reicht es einfach“, sagt die Reichenbacherin.

Einen potenziellen Nachfolger hatte Edeltraud Weise schon, aber das hat sich zerschlagen: „Er hat das Geld nicht zusammenbekommen, um mir die Einrichtung und die Geräte abzukaufen.“ Vorige Woche hat sie Zettel in die Schaufenster gehangen, um nach einem neuen Kandidaten Ausschau zu halten. Mit dem Vermieter ist alles besprochen: „Er würde die Räume auch künftig als Café vermieten, wenn sich ein Interessent findet.“

Schon seit Februar verabschiedet hat sie eine Namensvetterin der Gramont-Betreiberin: Gabriele Weise hat nach rund zweieinhalb Jahren das Café Galerie 13 aufgegeben. Das ist das kleine Lokal in der Neißstraße 13, schräg gegenüber der Altstadtbrücke und unterhalb des Waidhauses. Über dem Eingang prangt seither ein Schild: „Zu vermieten“. Doch die Tage des Schildes sind gezählt. „Zu zweit wollen wir das Café voraussichtlich am 1. Mai wiedereröffnen“, sagt eine Frau, die ihren Namen jetzt noch nicht in der Zeitung lesen will. Momentan ist alles noch zu frisch, erst am gestrigen Tag ist die Entscheidung gefallen.

Falls es nicht so schnell zu schaffen ist, könnte sich die Eröffnung auch noch ein klein wenig verzögern. „Machen werden wir es aber auf jeden Fall“, sagt die Frau, die sich als „alte Görlitzerin“ bezeichnet. Voraussichtlich wird sich der Name des Lokals ändern: „Es ist keine Galerie, deshalb soll es auch nicht mehr Galerie 13 heißen.“ Der neue Name steht aber noch nicht fest. Schon ganz sicher sind sich die Neuen hingegen beim inhaltlichen Konzept: Es soll wieder ein Café werden, genau wie in der Zeit bis Sommer 2011, in der das Ehepaar Stübner das Lokal betrieb. An diese Zeit wollen die neuen Inhaber anknüpfen.

Ein drittes Café hingegen bleibt auch weiterhin geschlossen: Das Parkhäuschen im Stadtpark. Zuletzt wurde Vierradenmühlen-Chef Frank Lachmann am Parkhäuschen gesehen. Darüber, ob er der neue Pächter ist, hält er sich jedoch bedeckt. Ein entsprechendes Telefonat ließ er gestern platzen. Auch Parkhäuschen-Besitzer Steffen Ottlinger will derzeit nichts sagen: „Ich denke, es wird sich etwas tun, aber der Interessent will derzeit noch nicht in die Öffentlichkeit.“ Edeltraud Weise kann das egal sein: Sie will ihre Rente zusammen mit ihrem Mann im heimischen Reichenbach genießen. Und hofft, schnell einen Nachfolger für ihr Café zu finden.

Kontakt Café Gramont: Telefon 03581 661220