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Görlitzer fliegen auf Spanien und Bulgarien

Krisen, Krieg, Anschläge – das Reiseverhalten ändert sich. Aber nur ein kleines bisschen.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

Görlitz. Es gibt eigentlich nichts, was als Urlaubsziel nicht nachgefragt wird. Im SZ-Treffpunkt im Görlitzer City-Center werden Reiseträume wahr, von Italien bis zur großen Kreuzfahrt. Die Auswahl im Katalog von SZ-Reisen fällt da schon schwer. Aber wie sicher ist das Reisen in Zeiten von Kriegen, Flüchtlingskrise und Anschlägen? Oder anders: Reisen die Görlitzer weiter dahin, wo sie vielleicht vor ein paar Jahren noch unbeschwert Ferien gemacht haben, ohne den Gedanken im Hinterkopf, dass „irgendetwas“ passieren könnte?

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„Die Buchungen für Länder wie Tunesien, Ägypten aber auch Marokko sind schon seit längerer Zeit rückläufig“, sagt Michael Richter, Chef des gleichnamigen Reisebüros an der Dr.-Friedrichs-Straße. Nun kommt noch die Türkei hinzu. „Seit dem Anschlag in Istanbul hatten wir erst eine neue Türkei-Buchung“, schildert der Unternehmer. Andererseits: Wer bereits Türkei-Reisen gebucht hat, hat die bei ihm noch nicht storniert. Gewinner bei den neuen Buchungen sei jedenfalls Spanien, das Festland, die Balearen mit Mallorca und Menorca, die Kanaren mit Teneriffa, Lanzarote und Fuerteventura. Und Bulgarien. „Das Land kommt definitiv wieder als Reiseziel ins Blickfeld unserer Kunden“, sagt Michael Richter.

Spanien – das sieht auch der Marktführer TUI in diesem Jahr als ein Trendziel. Drei Monate nach dem Buchungsstart für den Reisesommer liegen die Buchungen für Spanien bei TUI bereits zweistellig im Plus, heißt es aus der Pressestelle des Unternehmens. „2016 wird garantiert ein Spanien-Jahr“, teilt TUI Deutschland-Chef Sebastian Ebel mit. Spanien profitiere besonders stark von Veränderungen der Buchungen auf der Mittelstrecke, insbesondere von einer schwächeren Nachfrage für Nordafrika. Außerdem steige das Interesse an Fernreisen.

Das bestätigt Remgard Schätzel von der Flugbörse Görlitz an der Reichenbacher Straße. „Gefragt sind etwa der Oman, Ras Al Khaimah“, sagt er. Letzteres Ziel in den Vereinigten Arabischen Emiraten profitiert von den Ostsachsen, weil es seit November vergangenen Jahres unter anderem von Dresden aus direkt angeflogen wird – ein Winterziel neben den Kanaren und Ägypten. Die USA, Kanada, Südamerika werden ebenso gern gebucht. „Das sind Ziele für unsere Kunden, die die etwas näheren Urlaubsgebiete wie etwa rund um das Mittelmeer bereits erkundet haben und nun etwas Neues sehen möchten“, sagt der Reisebürochef. Aber auch Spanien mit seinen Inseln, Bulgarien, Griechenland stehen als Sommerziele bei den Kunden, laut Remgard Schätzel, hoch im Kurs. „Kreuzfahrten gehen ebenso sehr gut“, sagt der Chef der Flugbörse Görlitz. Und die Türkei findet trotz der Anschläge in Istanbul ihr Reisepublikum. „Türkeifans lassen sich ihren Urlaub nicht vermiesen“, sagt Remgard Schätzel. Die Türkische Riviera sei weiterhin ein gefragtes Reiseziel. „Es besteht aber zuweilen ein größerer Diskussionsbedarf bei unserer Kundschaft“, sagt der Unternehmer.

Die aktuelle Lage in Nordafrika, der Türkei und anderswo auf der einen und Urlaubsbuchungen auf der anderen Seite brachte der Verbraucherzentrale in Görlitz bis jetzt noch keine zusätzliche Arbeit. Es habe noch keinen Ärger mit nicht gewährten Stornierungen gegeben, heißt es auf Nachfrage der SZ. Selbst die Flüchtlingskrise hat offenbar keinen Einfluss auf das Urlaubsverhalten der Görlitzer. Beispiel Kroatien. Das Land liegt auf der sogenannten Balkanroute, täglich wird es von Flüchtlingen durchquert. Dennoch ist es offenbar kein Grund für die Görlitzer, dort keinen Urlaub zu machen. Am Montagnachmittag hat Reisebürochef Michael Richter erst wieder einen Katalog für Kroatien herausgegeben. „Wir hatten zuvor schon etliche Anfragen für Urlaub in Kroatien“, sagt er. Kein Wunder, Reisende zieht es wohl eher an die Adria. „Vor allem die Halbinsel Istrien ist gefragt“, schildert Michael Richter. Dass sich dorthin Flüchtlinge verirren, kommt eher nicht vor.

Informationen zu den Reisebedingungen im ausgewählten Urlaubsland bietet das Auswärtige Amt. Reisewarnungen gibt es dort beispielsweise für die Türkei und Ägypten noch nicht – aber Sicherheitshinweise und eine Teilreisewarnung.