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Görlitz

Görlitzer führt Nieskys Feuerwehrverein

Jens Trenkler will mehr Öffentlichkeit. Die Aufgaben verteilen. Und die Jugend für den Dienst am Schlauch begeistern.

Jens Trenkler ist nicht nur Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Niesky, sondern seit Ende März auch Chef des hiesigen Feuerwehrvereins. Dass der Görlitzer damit immer öfter in seiner Wahlheimat zu finden ist, stört ihn nicht. Im Gegenteil: Vielleicht gibt
Jens Trenkler ist nicht nur Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Niesky, sondern seit Ende März auch Chef des hiesigen Feuerwehrvereins. Dass der Görlitzer damit immer öfter in seiner Wahlheimat zu finden ist, stört ihn nicht. Im Gegenteil: Vielleicht gibt © André Schulze

Noch bis vor vier, fünf Jahren hätte sich das Jens Trenkler überhaupt nicht vorstellen können. Er als Chef eines Feuerwehrvereins? In Niesky? Noch dazu als Görlitzer? Seit dem 28. März ist er es. Gewählt von seinen Vereinsmitgliedern. „Es stimmt schon, die Feuerwehr hat schon als Kind wie ein Magnet auf mich gewirkt. Als ich klein war, war jedes rote Auto ein Highlight für mich. Zudem wohnte mein Cousin fast neben der Görlitzer Feuerwehr. Da standen wir oft unten und haben zugesehen.“

Aus dem Zuschauer von einst ist ein richtiger Feuerwehrmann geworden. Nicht gleich. Und schon gar nicht in Görlitz. Sondern in Niesky. „Für die Sächsische Zeitung war ich oft als Fotograf unterwegs und hatte natürlich auch mit Bränden, Einsätzen und den Feuerwehrleuten zu tun. Ab und zu habe ich ein paar Bilder rübergeschickt.“ So kam der Kontakt zustande und brach seitdem nie wieder ab.

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Im Oktober 2015 trat der 50-Jährige schließlich in den Feuerwehrverein ein, noch ohne sich intensiver mit Strahlrohr, Löschfahrzeug & Co beschäftigt zu haben. „Zwingend war das auch nicht erforderlich, denn Mitglieder sind ja neben Leuten aus der aktiven Abteilung auch die Senioren aus der Alters- und Ehrenabteilung sowie Förderer und Privatpersonen.“ Trenkler hatte sich auf die Fahnen geschrieben, die bis dahin etwas lieblos gestaltete Homepage und den Facebook-Auftritt mit neuem Leben zu füllen. Und er wollte mithelfen, die vom Feuerwehrverein organisierten Veranstaltungen wie das Hexenfeuer durchzuführen.

Dann jedoch ging alles ganz schnell. „Weil ich fast jeden Freitagabend da war und mich um die Website gekümmert habe, gab irgendwann ein Wort das andere. Die Kameraden meinten: Wenn du schon da bist, kannst du auch richtig mitmachen.“ Gesagt, getan. Anfang 2017 absolvierte der Görlitzer den notwendigen Grundlehrgang, setzte dann mit der Funkausbildung fort, meldete sich schließlich für den Atemschutzgeräteträgerlehrgang an und legte auch noch den Kettensäge-Führerschein ab. Alles, was man für den täglichen Einsatz bei der Feuerwehr braucht. Der erste Ernstfall ließ nicht lange auf sich warten. „Das war am 7. Februar 2017. Auf der B 115 bei Kosel hatte es einen Verkehrsunfall gegeben“, erinnert sich Jens Trenkler. Inzwischen hat er 46 Einsätze absolviert. „Der schwierigste war der Schonungsbrand Richtung Spitzkehre in Niesky. Da hatte es tagelang nicht geregnet und das Feuer flammte immer wieder auf.“ Aber auch beim großen Roscher-Brand in Görlitz war er dabei. „Ich war mit einem Tanklöschfahrzeug unterwegs. Wir mussten vom Flugplatz neues Wasser holen, weil die Hydranten an der Unglücksstelle völlig überlastet waren.“

Am meisten schätzt Trenkler, der inzwischen beim Nieskyer Ordnungsamt beschäftigt ist, die Spontanität in seinem Ehrenamt. „Man muss ständig in Bereitschaft sein. Das ist genau das Richtige für mich.“ Als Chef des Feuerwehrvereins geht es jedoch weniger um schnelles Reagieren. Hier ist vielmehr Beharrlichkeit und ein langer Atem gefragt. Allein das am 30. April neben dem Rosensportplatz stattfindende Hexenfeuer verlangte nach jeder Menge Vorarbeit. Den Antrag bei der Stadt stellen, die verkehrsrechtliche Anordnung beim Straßenverkehrsamt einholen, die Gema informieren, Zelte für Essen- und Getränkeverkauf organisieren – das alles will erledigt sein. Ganz zu schweigen vom Grillzeug, von Brötchen und Fisch, den Plastebechern und Pappen, die bestellt werden müssen. Und schließlich dem Aufbau am Veranstaltungstag. „Mir schwebt vor, die Arbeit in unserem vierköpfigen Vorstand in Zukunft mehr zu verteilen. Und auch im ganzen Verein – wir sind immerhin 60 Mitglieder – sollten wir die Ressourcen besser nutzen.“ Zumal man nicht nur für Feste, sondern auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. So stellt der Verein zum Beispiel in Kitas die Arbeit der örtlichen Feuerwehr vor. „Wenn es uns gelingt, ein paar Mädchen und Jungen für unsere Arbeit zu interessieren, haben wir schon viel erreicht. Sie werden spüren, dass es bei der Feuerwehr nicht nur um harte Einsätze geht, sondern das Miteinander ganz groß geschrieben wird.“ Das hat auch Jens Trenkler längst schätzen gelernt, hat hier Freunde gefunden und auch seine Frau für die Mitgliedschaft im Verein begeistert. Inzwischen ist er mehr in Niesky als in Görlitz, wo er noch immer wohnt. Wie lange noch? „Ich weiß es nicht. Wir haben noch keine passende Bleibe gefunden. Ausgeschlossen ist ein Umzug aber nicht.“

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