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Görlitzer Kämpferin für mehr Gerechtigkeit

Die frühere Görlitzer Hochschulprofessorin Jutta Blin hat für Eltern und Kinder viel bewegt. Heute wird sie 70.

Jutta Blin wird heute 70 Jahre alt.
Jutta Blin wird heute 70 Jahre alt. © Nikolai Schmidt

Mehr Gerechtigkeit für Familien: Das ist ein Motto, das in den vergangenen 15 Jahren in Görlitz an Kraft gewonnen und verschiedene Anlaufstellen und Initiativen für Eltern und Kinder hervorgebracht hat. Viele wichtige Impulse dafür gehen auf die frühere Görlitzer Hochschulprofessorin Jutta Blin zurück, die sich 2005 als Oberbürgermeisterin zur Wahl stellte und sich damals vornahm, eine Lobby für Familien zu schaffen. OB wurde sie zwar nicht, aber ihr Ziel verfolgte sie weiter.

Als Professorin der sozialwissenschaftlichen Fakultät war sie damals Mitgründerin des Lokalen Bündnisses „Görlitz für Familien“, später auch des gleichnamigen Trägervereins. Das Bündnis bringt bis heute Familienthemen in die Stadtpolitik ein und arbeitet an einem für Eltern mit Kindern lebenswerten Görlitz. Für die Elternwerkstatt hat sich Jutta Blin eingesetzt, die seit knapp zehn Jahren regelmäßig Vorträge und Workshops zu Themen anbietet, die Eltern bewegen: vom Medienkonsum bis zu Liebeskummer und Drogenmissbrauch.

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Auch die Gründung der Selbsthilfegruppe für Eltern behinderter Kinder hat sie vor zehn Jahren angestoßen. „Sie lud uns damals nur zu einem Frühstück zu sich nach Hause ein“, erzählt Renate Kogel, Mutter zweier behinderter Söhne. Daraus habe sich eine enge Verbindung von mittlerweile 13 Betroffenen entwickelt. Jutta Blin habe sich mit ihren Studenten aus heilpädagogischer Sicht mit den Fragen der Eltern beschäftigt und ihnen viel Wissen und Hinweise gegeben. „Diese Unterstützung hat uns unheimlich viel geholfen“, sagt Renate Kogel, „und wir sind ihr sehr dankbar.“ Manchmal habe man diskutieren müssen, sagt Melanie Morche aus der Selbsthilfegruppe. Vor allem zum Thema Inklusion seien die Meinungen auseinandergegangen. Jutta Blin sei für die Abschaffung von Behindertenwerkstätten und Sondereinrichtungen gewesen, habe schließlich aber ihre Meinung relativieren müssen, als viele Eltern ihr klarmachten, wie wichtig geschützte Räume für Kinder mit Behinderungen seien. „Es waren gute Diskussionen“, sagt Melanie Morche, „weil sich Jutta Blin offen für unsere Argumente zeigte.“

Bevor die Professorin in den Ruhestand ging und seitdem nur noch einen Teil des Jahres in Görlitz verbringt, war sie sehr präsent im städtischen Leben: als Vorleserin beim Schlesischen Nach(t)lesen, in der Jury des Wettbewerbs um den Görlitzer Humorpreis in der Neiße-Galerie oder als Fürsprecherin für das Straßentheater Viathea. Immer wieder bestärkte sie die Stadt darin, zu ihren Stärken wie dem Viathea zu stehen. Denn der Frieden, den die Menschen dort in entspannter Atmosphäre im Stadtpark leben, sei einer, den es woanders so nicht gibt. Möge Jutta Blin auch ihren heutigen Geburtstag in Frieden verbringen.

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