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Görlitzer Kaufhaus-Investor macht Corona-Selbsttest

Winfried Stöcker spritzt sich Virus-Antigene. Er hofft, dass sich Antikörper bilden und eine Immunisierung bewirken. Dann könnte ein Impfstoff folgen.

Winfried Stöcker im Kaufhaus Görlitz, hier anlässlich der 100-Jahr-Feier des Hauses.
Winfried Stöcker im Kaufhaus Görlitz, hier anlässlich der 100-Jahr-Feier des Hauses. © Pawel Sosnowski

Vor etwa einer Woche hat Professor Winfried Stöcker zum ersten Mal die Spritze aufgezogen. Der Euroimmun-Gründer, Görlitzer Kaufhaus-Investor und Eigentümer des Lübecker Flughafens injiziert sich Corona-Antigene.  "Nebenwirkungen spüre ich keine", sagt er am Donnerstag der SZ. Es handele sich um ein Teilprotein, eine Komponente  des  Virus, mehr oder weniger um eine genetische Information. Winfried Stöcker geht davon aus, dass sich Antikörper und damit eine Immunität bilden werden. "Dann sind wir praktisch einem Impfstoff schon sehr nahe", sagt er. Die Antigene zu bekommen, sei letztendlich kein Problem gewesen.

China gab erst keine Proben weiter

Euroimmun, die Firma, die Winfried Stöcker gründete, hat inzwischen zwei Tests entwickelt. Sie sind weltweit zertifiziert. Zum einen handelt es sich um einen direkten Nachweis des Corona-Virus, zum anderen von bereits ausgebildeten Antikörpern. "Beide Tests sind wichtig, sie ergänzen sich", so Professor Stöcker.  Euroimmun habe sich sehr zeitig mit der Entwicklung der Tests beschäftigt, wurde aber anfangs etwas ausgebremst. "China hatte zunächst keine Patienten-Proben weitergegeben", sagt Winfried Stöcker. Erst, als in Europa die ersten Infektionsfälle auftraten, konnte es richtig losgehen.  Inzwischen hat Euroimmun mit der Herstellung alle Hände voll zu tun. „Die weltweite Nachfrage nach den Tests ist sehr hoch. Wir tun alles dafür, auf diesen Bedarf effektiv zu reagieren", so der Euroimmun-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Schlumberger in einer Mitteilung.

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Amerikaner bestellen millionenfach Euroimmun-Tests

Unter anderem habe Amerika millionenfach bestellt, ergänzt Winfried Stöcker. Produziert werden die Tests bei Euroimmun in Mecklenburg.  Das Unternehmen ist Experte in Sachen Virentests.  Bereits 2003 brachte die Firma als erste in Europa den Sars-Test auf den Markt. Sars zählt ebenfalls zu den Coronaviren. "Damals haben wir allerdings noch tatsächlich mit Viren gearbeitet, nicht wie heute mit Teilstücken", schildert Winfried Stöcker. Das sei für alle Beteiligten gefährlicher gewesen. Nichtsdestotrotz herrschen auch heute höchste Sicherheitsbestimmungen bei Euroimmun. "Die Leute im Unternehmen sind sehr erfahren", sagt Winfried Stöcker.

Erste Testergebnisse in drei bis vier Wochen erwartet

In drei bis vier Wochen, so hofft er, werde sich zeigen, ob sein Selbsttest Wirkung zeigt und sich Antikörper gebildet haben. Dann sollen die Ergebnisse auch schnell präsentiert werden. Wie rasch es danach zur Entwicklung eines Impfstoffes kommen kann, dazu möchte Winfried Stöcker keine Prognose abgeben. "Erfahrungsgemäß kann es aber sehr schnell gehen, wenn die Ergebnisse so sind, wie wir uns das vorstellen", sagt er. Inzwischen haben sich schon Freiwillige gemeldet, die an einer Studie teilnehmen möchten. Etwa ein halbes Jahr setzt Winfried Stöcker als Produktionszeitraum für einen Impfstoff an. 

Winfried Stöcker war Professor in Wuhan

Der Kaufhaus-Investor mit Mundschutz: In seinem Blog zeigt er, wie mit eifnachen Mitteln eine Maske gebastelt werden kann.
Der Kaufhaus-Investor mit Mundschutz: In seinem Blog zeigt er, wie mit eifnachen Mitteln eine Maske gebastelt werden kann. © privat/Stöcker

Winfried Stöcker wurde 1999 Professor der Medizinischen Tongji-Hochschule in Wuhan, der nach heutigen Erkenntnissen Quelle des Corona-Virus. Er kennt die Situation vor Ort von damals. "Es gab oder gibt vielleicht noch Traditionen, die eine Ausbreitung  eines  Virus begünstigen können", sagt er, ohne Kritik üben zu wollen. Vor allem bei den Essgewohnheiten, erinnert sich der Professor, wurde das in seiner Zeit in Wuhan  deutlich. "Heute kann das natürlich unter den gegebenen Umständen ganz anders sein", sagt er. 

Görlitzer Kaufhaus-Projekt nicht von Corona-Krise betroffen

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Winfried Stöcker hatte Euroimmun 2017 an das amerikanische Unternehmen Perkin Elmer verkauft. Er wolle den Fortbestand dessen erhalten, was in 30 Jahren aufgebaut wurde, sagte er damals. Dazu zählen auch die beiden Standorte in Rennersdorf und Bernstadt mit insgesamt rund 150 Mitarbeitern. 1991 gründete Winfried Stöcker in Rennersdorf seine Zweigniederlassung der Euroimmun GmbH - auf elterlichem Grundstück. Heute betreibt er ein klinisch-immunologisches Labor unter dem Dach von Euroimmun in Lübeck. 2013 kaufte Winfried Stöcker das Kaufhaus am Görlitzer Demianiplatz, später das City-Center und weitere Gebäude im Umfeld. Die Corona-Krise habe keinen Einfluss auf die Investitionen im Kaufhaus, sagt er. Für ihn seien alle großen offenen Fragen geklärt, das Vorhaben weiterhin auf einem guten Weg.

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