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Görlitz

Görlitzer Krankenhäuser haben jetzt Corona-Patienten

Der Schwerpunkt liegt aktuell beim St. Carolus-Krankenhaus mit sechs bis sieben Patienten, das Klinikum hat einen.

Janina Jonas ist die Hygiene-Fachkraft des St. Carolus. Sie begleitet alle Isolierungsmaßnahmen am Haus und schult regelmäßig alle Mitarbeiter.
Janina Jonas ist die Hygiene-Fachkraft des St. Carolus. Sie begleitet alle Isolierungsmaßnahmen am Haus und schult regelmäßig alle Mitarbeiter. © Malteser/Carolus

Bislang haben die Görlitzer Krankenhäuser von ihren Vorbereitungen auf Corona berichtet. Nun ist es auch hier angekommen, seit einer Woche gibt es die ersten Patienten auf Station. Das Carolus-Krankenhaus ist dabei laut Planung des Landkreises Anlaufstelle Nummer eins und hat täglich etwa sechs bis sieben stationäre Corona-Patienten und ein bis drei Verdachtsfälle, wie Pressesprecherin Stephanie Hänsch mitteilt. Die Patienten seien 40 Jahre und älter, die meisten höheren Alters. Glücklicherweise weisen alle Patienten einen gemäßigten Krankheitsverlauf auf“, erklärt der Ärztliche Direktor Dr. Andreas Lammert. „Kein Patient musste bisher auf der Intensivstation beatmet werden. Die Abläufe haben sich gut eingespielt.“

Screeningstelle für Corona-Verdachtsfälle

Ebenfalls am Carolus-Krankenhaus hat die Kassenärztliche Vereinigung eine Screening-Stelle für Verdachtsfälle eingerichtet, die von der Görlitzer Bereitschaftspraxis, unter Leitung von Dr. Leonhard Großmann, koordiniert wird. Das Krankenhaus führt selbst keine Tests für ambulante Patienten durch. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen ist Mieterin der Räumlichkeiten der Corona-Anlaufstelle auf dem Carolus-Campus. Der Eingang ist am Bernhard-Haus auf der Carolusstraße – zu finden über den Park des St. Carolus. Vom Krankenhaus-Haupteingang aus ist der Weg mit grünen Schildern gekennzeichnet. Wer am Krankenhaus klingelt, kann auch nachfragen. Die Räumlichkeiten sind in der Physiotherapie im Erdgeschoss und nur von außen über den Park zugänglich. 

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Das Städtische Klinikum Görlitz hat im Moment einen bestätigten Corona-Fall auf Station, dazu drei Verdachtsfälle, wo das Ergebnis noch aussteht.
Das Städtische Klinikum Görlitz hat im Moment einen bestätigten Corona-Fall auf Station, dazu drei Verdachtsfälle, wo das Ergebnis noch aussteht. © Nikolai Schmidt

Direkt neben der KV-Screeningstelle ist auch die Aufnahmestelle, die der Rettungsdienst anfährt, wenn er bestätigte Corona-Patienten ins Krankenhaus bringt. Die Corona-Anlaufstelle wiederum ist klar getrennt von der Notfallambulanz. Wie Frau Hänsch betont, sind auch die Türen der Notfallambulanz, im Haupteingang und auch in der Corona-Ambulanz grundsätzlich alle verschlossen. Wer Zugang möchte, muss anrufen. Zur Screeningstelle darf allerdings nur, wenn er zuvor Kontakt mit dem Hausarzt hatte. Dieser wiederum schätzt ein, ob er eine Überweisung in die Abstrichstelle ausstellt. Im restlichen Krankenhaus laufe alles wie immer. Gerade Patienten mit fieberhaften Erkrankungen, mit Schmerzen und mit Krebserkrankungen würden natürlich entsprechend versorgt. „Wir spüren die Auswirkungen, dass Patienten in Görlitz verunsichert sind. Viele Praxen in der Stadt Görlitz werden in diesen Tagen weniger frequentiert, andere haben ganz geschlossen“, erklärt Andreas Lammert.

Ein bestätigter Fall und drei Verdachtspatienten

Im Städtischen Klinikum ist es noch recht ruhig auf der Isolationsstation. Einen Patienten gibt es hier aktuell, der Corona hat, bei drei Verdachtspatienten steht das Ergebnis noch aus.  „Wir sind froh, dass die Kurve im Landkreis Görlitz nur langsam steigt. Dennoch bleibt die Lage besorgniserregend", sagt Geschäftsführerin Ulrike Holtzsch. Es fühle sich im Moment an, wie die Ruhe vor dem Sturm.

Das Klinikum ist seit einer Woche mit allen Vorbereitungsmaßnahmen für die Behandlung von Covid-19-Patienten fertig. Es gibt eine Isolierstation mit 13 Plätzen, die auf 25 erweiterbar ist. Darüber hinaus stehen im intensiv-medizinischen Zentrum 20 Behandlungsplätze mit Beatmungsmöglichkeit zur Verfügung, die in Kürze auf 24 aufgestockt werden.

Fieberhafte Suche nach Schutzkleidung

Ein Problem mit der Beschaffung von Schutzkleidung haben auch die Görlitzer Krankenhäuser. „Wir recherchieren bei sämtlichen Lieferanten in sämtlichen Winkeln der Erde“, sagt der Kaufmännische Direktor Thomas Lieberwirth. Dabei müssen vor allem auch unseriöse von seriösen Angeboten unterschieden werden. „Noch haben wir Ressourcen, aber wir werden uns nicht ausschließlich darauf verlassen, dass uns die Bundesregierung oder das Ministerium ausreichend Schutzkleidung liefern.“ 

Das Klinikum hat daher bereits über 100 Corona-Schutzvisiere - Marke Eigenbau - hergestellt und an die Kollegen verteilt. Zugleich sind am Mittwoch die ersten 500 von 20.000 bestellten Mund-Nasen-Masken der Firma Frottana angekommen. „Jeder Mitarbeiter bekommt davon zwei Masken von uns zur persönlichen Verfügung geschenkt“, sagt Ulrike Holtzsch. Die weiteren werden mit einer Rückgaberegelung zum Gebrauch im Klinikum zur Verfügung gestellt. Zudem erreichen das Haus viele Angebote von Privatleuten, Nähstuben und engagierten Nähgruppen, die Mund-Nasen-Masken für Pflegepersonal, Ärztinnen und Ärzte oder sogar Patienten nähen wollen. „Wir sind überwältigt von so vielen lieben Gesten aus der Bevölkerung“, sagt Pflegedirektorin Birgit Bieder.

Andreas Lammert, der Ärztliche Direktor am Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz.
Andreas Lammert, der Ärztliche Direktor am Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz. © Archiv: Pawel Sosnowski

Schutzkleidung ist natürlich auch im Carolus gefragt.  „Krankenhäuser haben im Allgemeinen immer wieder mit Infektionskrankheiten wie Influenza, Noroviren und anderen Erregern zu tun. Deshalb stellen Isolierungsmaßnahmen in den Krankenhäusern kein neues Problem dar. Die besonderen Maßnahmen bei Covid-19 infizierten Patienten beziehen sich zusätzlich auf einen gesonderten Gesichtsschutz“, so Andreas Lammert. Die Hygiene-Regeln orientieren sich an den Richtlinien des Robert Koch Institutes (RKI). 

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Die Hygiene-Fachkraft des St. Carolus, Janina Jonas,  begleitet alle Maßnahmen mit dem verantwortlichen Hygiene-Arzt Prof. Dr. Lutz Jatzwauck von der UKD Gustav Carus und schult regelmäßig alle Mitarbeiter. Die Richtlinien schreiben  Schutzkittel, Mundschutz, und Brillen vor. Gesichtsschirme bieten eine zusätzliche Sicherheit für die Ärzte und das Pflegepersonal. „Wir sind aber bis jetzt ausgestattet. Nicht alles kann derzeit ausreichend geliefert werden“, sagt Standortleiterin Daniela Kleeberg und weist darauf hin, dass im St. Carolus Gesichtsschirme oder textile Mund-und-Nasenschütze bereits in Eigenproduktion hergestellt werden, um Engpässen vorzubeugen. 

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