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Görlitz

Görlitzer Notar mit Herz für Wölfe

Joachim Nevries ist seit 45 Jahren Jäger. Aber eigentlich schießt er heute lieber bei Rothenburg mit seiner Kamera.

Eines der Lieblingsfotos des Görlitzer Notars: eine Wolfsfamilie in seinem Revier im Wald bei Rothenburg.
Eines der Lieblingsfotos des Görlitzer Notars: eine Wolfsfamilie in seinem Revier im Wald bei Rothenburg. © Wildkamera Nevries

Es ist eines seiner Lieblingsfotos. Eine Wolfsfamilie, Jungtiere, die Mutter – ein sicher seltener Schnappschuss. „Sehen Sie mal diese niedlichen Kleinen, neugierig und verspielt.“ Joachim Nevries zoomt das Bild auf dem Bildschirm seines Rechners ein wenig heran. „Das sieht man wirklich nicht alle Tage“, sagt er. Der Notar aus Görlitz hat eine Leidenschaft für die Natur. Und vor allem für Wölfe.

Joachim Nevries ist Jäger. Ein leidenschaftlicher Jäger. Seit 45 Jahren betreibt er das Weidwerk, zunächst im Westerwald, seit 28 Jahren hier im Landkreis. In seinem Haus hat er ein Jagdzimmer, im Keller einen Raum zum Ausweiden der geschossenen Tiere, offiziell zertifiziert, mit Kühltruhe und allem Drum und dran. „Alle drei Jahre kommt das Veterinäramt und kontrolliert“, sagt Joachim Nevries. In zwei Revieren ist er unterwegs, bei Girbigsdorf und westlich des Flugplatzes Rothenburg. Letzteres ist etwa 105 Hektar groß. „Ein kleines Revier“, sagt Joachim Nevries. Aber eines, dass es in Sachen Tiervielfalt offensichtlich in sich hat. Und diese hält Joachim Nevries inzwischen im Bild fest. „Mir ging es anfangs nur um Bilder von Wölfen“, erzählt der Notar. Inspiriert worden sei er vom Wolfsbüro, dass eigene Wildkameras aufgehangen hatte. „Ich dachte: Das möchte ich auch“, erinnert er sich. Sein Revier bei Rothenburg schien geeignet. Auf einer Karte auf dem Computer hat er viele Stellen markiert, an denen Wildkameras angebracht werden können. „Momentan habe ich fünf im Einsatz“, schildert Joachim Nevries.

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Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Einer seiner Lieblingsplätze befindet sich am Peisker Graben. Der zieht sich lang durch das Revier. An einer kleinen Lichtung, direkt am Graben, hat Joachim Nevries eine Wildkamera angebracht. Die schaltet sich Tag wie Nacht automatische ein, wenn sich vor ihrer Linse etwas bewegt. „Was ich dann bei der Auswertung der Speicherkarte zu sehen bekam, hat mich echt überrascht“, sagt Joachim Nevries.

Fuchs, Bussard, Adler, Hirsche, Rotwild, Wölfe, Kraniche – das und noch viel mehr nimmt die Kamera auf. Viele Tiere kommen tagsüber auf die kleine Lichtung. Darunter befinden sich zahlreiche Wildschweine. „Sehen Sie mal“, sagt Joachim Nevries und deutet auf den Computerbildschirm, „das sind sogar Gefleckte dabei. Ist wohl mal ein Hausschwein dazwischen gewesen.“ Die Kamera, fast hat sie sein Gewehr ersetzt. Aber doch nur fast. „Natürlich schieße ich weiterhin“, sagt Joachim Nevries. Es gibt schließlich Abschussquoten etwa für das Rotwild. Aber vielleicht ist es ein wenig weniger als früher. „Mir macht die Natur einfach viel Spaß. Und sehen Sie mal: Ich habe einen ganzen Zoo.“

Der Notar klickt sich durch über Tausend Fotos. Unscharfe Nachtaufnahmen sind dabei, aber auch gestochen scharfe Bilder von Tieren aus nächster Nähe. Ein junger Hirsch blickt sogar direkt in die Kameralinse. „Ein Modell“, lacht Joachim Nevries. Vielleicht habe ja an der Kamera etwas geblinkt, der Auslöser jedenfalls funktioniert geräuschlos. Seine Lieblingstiere sind aber nach wie vor die Wölfe. „Wenn man diese Familie anschaut, da geht einem doch das Herz auf“, findet Joachim. Mit einem Video eines Jungwolfes hat er es vor ein paar Jahren in unterschiedliche Medien geschafft. Es zeigt, wie der Wolf Äpfel frisst. Die Geschichte vom „vegetarischen Wolf“ war schnell rum. „Ja, das war verrückt“, erinnert sich Joachim Nevries. Er saß auf seinem Hochsitz und beobachtete das Geschehen aus nächster Nähe. „Ich habe sogar mit dem Wolf gesprochen, ihm gesagt, dass er mir nichts tun soll, dann tue ich ihm auch nichts“, lacht er. Den Wolf habe das wenig interessiert. Nichtsdestotrotz und bei aller Liebe: Joachim Nevries spricht sich für eine Begrenzung der Wolfspopulation aus. „Das Thema muss mit Augenmaß behandelt werden. Aber in Sachsen und Brandenburg gibt es meiner Ansicht nach bezogen auf die Bevölkerungszahl zu viele Wölfe“, sagt er. Es sei eine gesetzliche Regelung wie bei der Abschussquote für das Rotwild gefragt. „Der Wolf gehört hierher in unsere Region“, stellt Joachim Nevries klar. Aber eben in einem vernünftigen Maß, in einer vernünftigen Anzahl. Vom Abschuss von „Problemwölfen“ hält er nichts. „Wer sagt denn, was ein Problemwolf ist? Die haben doch kein Schild umhängen“, so der Notar. Ob er allerdings selbst einen Wolf schießen würde, wenn es das Gesetz zuließe, er weiß es nicht. „Ich mag die Tiere eben“, sagt Joachim Nevries.

Im kommenden Frühjahr geht er in den Ruhestand. Dann wird er wohl noch mehr Zeit im Wald verbringen. „Ich nehme mein Gewehr mit aber vor allem eine gute Kamera“, schildert Joachim Nevries. Von einem mobilen Hochsitz aus sollen damit noch bessere Aufnahmen gelingen aus dem Rothenburger Revier.

Ein junger Hirsch schaut direkt in die Kamera.
Ein junger Hirsch schaut direkt in die Kamera. © Wildkamera Nevries

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