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Görlitzer testen Software für Schweizer Großbank

Chancen auf dem Görlitzer Arbeitsmarkt: Testcenter von SQS sucht neue Mitarbeiter.

Von Sebastian Beutler

Für Michal Niebudek ist das alles Neuland. Aber willkommenes. Zwar ist der 21-Jährige aus Zgorzelec ein Technikfan. Doch beim Software-Tester SQS ist der junge Mann gerade mal seit 14 Tagen. Nun erfährt er, was er künftig wie machen wird, worauf es ankommt. SQS bildet seine Mitarbeiter intern aus. Es laufe ganz entspannt, und dem jungen Polen gefällt es.

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Mit einfachen Mitteln kann eine Infektion vermieden werden. Wer trotzdem Symptome hat, kann zunächst mit Cremes aus der Apotheke .

Schauen sich gerade gemeinsam einen Testplan an: Sebastian Linke (li.) und Michal Niebudek im Testcenter von SQS an der Görlitzer Brückenstraße. – Kleines Foto: Der Görlitzer Testcenter-Chef Christian Marx ist optimistisch für den Standort und sucht unent
Schauen sich gerade gemeinsam einen Testplan an: Sebastian Linke (li.) und Michal Niebudek im Testcenter von SQS an der Görlitzer Brückenstraße. – Kleines Foto: Der Görlitzer Testcenter-Chef Christian Marx ist optimistisch für den Standort und sucht unent

Niebudek kann bestens Deutsch, ging sieben Jahre auf das Annen-Gymnasium in Görlitz, ehe er dann für den Abschluss an die Technische Fachoberschule in Zgorzelec wechselte. Weil er mit dem Informatikstudium in Polen nicht zurechtkam, brach er es ab, und arbeitete ein Jahr lang beim Görlitzer Call-Center Teleperformance. Dort hörte er von der SQS, die führend als unabhängiges Test-Qualitätsunternehmen gilt. Die Firma ist mit 2 200 Mitarbeitern schon jetzt weltweit vertreten, in Ägypten, Südafrika, in der Schweiz, Indien oder eben in Europa.

Solch eine Vita wie von Michal Niebudek hört Christian Marx gern. Denn dessen Werdegang steht fast für den Musterfall eines Mitarbeiters im Görlitzer Testcenter von SQS. Seit Jahren sucht Marx nach geeignetem Personal, denn das Görlitzer Unternehmen wächst schnell. Waren es 2011 erst 137 Angestellte, zählte der Software-Tester im vergangenen Jahr bereits 179. Für dieses Jahr peilt das Kölner Unternehmen für seinen Görlitzer Standort 210 bis 220 Mitarbeiter an, bis 2017 könnten es gar 300 sein. Wenn nach Chancen auf dem Görlitzer Arbeitsmarkt gefragt wird, dann nennt auch der Chef des Allgemeinen Unternehmerverbandes Görlitz und Umgebung, Heiko Kammler, unter anderen die SQS.

Trotzdem weisen die jetzt genannten Zahlen auf einen behutsameren Ausbau hin, als noch vor wenigen Monaten angekündigt. Christian Marx bestätigt die etwas zurückhaltendere Planung. Mit der Auftragslage habe das aber nichts zu tun. „SQS will vor allem vom Wachstum in Amerika und in Asien profitieren und konzentriert sich auf große, lukrative Kunden“, sagt Marx. Das Görlitzer Testcenter freilich bleibt für den deutschsprachigen Markt ganz wichtig. Denn seine Mitarbeiter sprechen Deutsch, sie teilen dieselbe mitteleuropäische Kultur wie die Kunden und – auch wichtig – sie arbeiten in derselben Zeitzone.

Das gefällt auch großen Kunden. So prüfen die Görlitzer beispielsweise die Software für die Autofinanzierung eines VW-Wagens oder von Versicherungspolicen von Allianz und der Schweizer Großbank UBS.

Auch der Hamburger Hafen hat seine Software in Görlitz überprüfen lassen. Sebastian Linke war einer der Mitarbeiter, die mit diesem Auftrag beschäftigt waren. Der 35-Jährige aus Horka ist das genaue Gegenbild zum jungen Polen aus Zgorzelec. Linke feierte jüngst fünf Jahre Betriebszugehörigkeit bei SQS – er war schon bei der Eröffnung der Firma, damals noch in der Görlitzer Südstadt, mit dabei. Durch eine Anzeige in der SZ erfuhr er damals von dem neuen Unternehmen. Linke hatte zuvor eine Informatik-Ausbildung und in Stuttgart ein Praktikum absolviert und wollte unbedingt wieder in seine Heimat zurück. Bei SQS landete er einen Volltreffer, und mittlerweile ist er jetzt Testkoordinator, leitet also ein kleines Team und ist zufrieden. „Das passt alles“, sagt er.

Auch Linke ist ein Paradebeispiel für Mitarbeiter, die Marx sucht. Entweder sollen sie einen IT-Abschluss oder Erfahrung in einem Call-Center gesammelt haben, natürlich können sich auch Hochschulabsolventen melden. Laut Marx erwartet sie „eine branchenübliche Vergütung“ bei SQS. Trotzdem kann sich auch sein Unternehmen nicht ganz der IT-üblichen schnellen Wechsel des Arbeitsplatzes unter den Mitarbeitern entziehen.

So bleibt Marx auch in diesem Jahr auf der Suche. „Auch wenn uns die Grenzlage ein bisschen dabei behindert, so halten wir an dem Testcenter hier in Görlitz fest.“ Michal Niebudek hört das gern und pendelt nun täglich weiter von Zgorzelec über die Stadtbrücke in die deutsche Partnerstadt.