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Görlitzer Unternehmer gehen kaum noch nach Polen

In Zgorzelec gibt es so gut wie keine deutschen Niederlassungen mehr. Richtung Breslau sieht das schon ganz anders aus.

Von Daniela Pfeiffer

Die Geschäfte in Polen laufen. Mal mehr, mal weniger. Trotzdem hat Helmut Goltz in seinem Görlitzer Seilerei-Unternehmen gleich fünf polnische Mitarbeiter beschäftigt, damit „wir den polnischen Markt bedienen können“, wie Goltz sagt. „Wo auch immer in polnischen Produktionsunternehmen Seile gebraucht werden, versuchen wir, uns einzubringen.“

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Ein paar Jahre lang sogar mit einem Büro vor Ort. Von 1997 bis 2002 war die Seilerei in Zgorzelec präsent. „2002 haben wir uns zurückgezogen.“ Das, was von Zgorzelec aus machbar ist, geht genauso gut von Görlitz aus. Das haben inzwischen auch andere Unternehmen festgestellt und Niederlassungen wieder geschlossen.

Und auch bei der städtischen Wirtschaftsförderung kann man derzeit wenig unternehmerische Bewegung in Richtung Zgorzelec beobachten, wie Eva Wittig von der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH sagt. „Wir unterstützen die Görlitzer Unternehmer natürlich jederzeit in ihren Wachstumsplänen. In letzter Zeit verzeichnen wir aber eher ein wachsendes Interesse von polnischen Unternehmen, die nach Görlitz möchten.“

Warum es umgekehrt für hiesige Unternehmer momentan wenig attraktiv ist, sich in Zgorzelec niederzulassen, erklärt der Görlitzer Industrie- und Handelskammer (IHK)-Chef Christian Puppe: „Ein Hauptproblem ist der Fachkräftemangel. Was nützt mir eine Niederlassung, wenn ich keine Mitarbeiter und keinen zweisprachigen Niederlassungsleiter habe?“ Je weiter es ins Landesinnere geht, umso mehr spielen zu lange Transportwege eine Rolle.

Aber was ist mit niedrigen Löhnen, geringen Steuern? Locken die nicht deutsche Unternehmer? „Das gleicht sich immer mehr an, vor allem seit dem polnischen EU-Beitritt“, sagt Puppe. „Wir werden bald auf dem gleichen Level sein. Das wird also kaum noch jemanden locken.“ Trotzdem gebe es zahlreiche Verbindungen zwischen deutschen und polnischen Unternehmen. Bei der IHK ist man darüber bestens informiert, schließlich wird hier seit 2001 das Kontaktzentrum für Sächsisch-Polnische Wirtschaftskooperation betrieben. Betreut wird es von Zygmunt Waroch.

Er verweist auch auf die schwache Wirtschaftszone im Grenzgebiet. Für Unternehmen sei das wenig attraktiv. Ein paar Kilometer weiter Richtung Osten – nämlich in und um Breslau – boome hingegen die Wirtschaft. Und zwar so sehr, dass bei einer erfreulichen Arbeitslosenquote von nur vier Prozent gleichzeitig aber ein so hoher Konkurrenzdruck herrsche, dass es vor allem viele deutsche Unternehmen sehr schwer haben. „Denn dort sind auch die großen Unternehmen aus den USA und Asien vertreten“, sagt Waroch. Deshalb hätten sich die Deutschen vor Ort schon in Verbänden organisiert, um sich gemeinsam stärker gegen die großen Konkurrenten zu machen.

Für die Grenzregion Görlitz-Zgorzelec wünscht sich Zygmunt Waroch, dass sie von der polnischen Regierung finanziell vielleicht einmal genauso bedacht wird, wie die florierenden Zonen um Breslau und andere polnische Städte. Dann würden sicher mehr Unternehmen ein Auge auf die Gegend gleich hinter der Neiße werfen.

Christian Puppe ist davon überzeugt, dass das in Zukunft auch mehr Görlitzer Unternehmer tun. „Wir spüren, dass sich viele mit dem Markt auseinandersetzen und uns konkrete Fragen stellen. Das zeigt, dass das Interesse durchaus da ist.“

Die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien ist übrigens schon da. Seit September gibt es die erste polnische Niederlassung. Und zwar in Lauban. Polnische Beratung gab es in deutschen Niederlassungen schon seit 2001, nun also direkt vor Ort. Bei derzeit 3 700 polnischen Kunden mit einem Finanzvolumen von über 13 Millionen Euro durchaus ein verständlicher Schritt. „Die Repräsentanz wurde bisher sehr gut angenommen“, sagt Sparkassen-Sprecher Adrian Reinke. „Unsere Kunden schätzen einen Ansprechpartner vor Ort. Außerdem richten sich beispielsweise die Öffnungszeiten nach den polnischen Feiertagen, sodass wir auch dann erreichbar sind, wenn in Deutschland ein Feiertag ist.“

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