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Görlitz

Görlitzer Verein gräbt Barockoper aus

Nach 300 Jahren erklingt sie jetzt wieder. Die Initiatoren hoffen auch beim Lausitz-Festival.

Eleni Ioannidou hat eine 300 Jahre alte Oper wiederentdeckt. Gemeinsam mit Heinz Müller hat sie jetzt einen Brief an den Ministerpräsidenten geschriebenn
Eleni Ioannidou hat eine 300 Jahre alte Oper wiederentdeckt. Gemeinsam mit Heinz Müller hat sie jetzt einen Brief an den Ministerpräsidenten geschriebenn ©  Nikolai Schmidt

Eleni Ioannidou hat ein Opernjuwel ausgegraben. Eines, das nur einmal leuchtete. Vor 300 Jahren, als der Sohn August des Starken, Friedrich August II., die österreichische Erzherzogin Maria Josepha von Habsburg heiratete. Damals wurde in Dresden bei den sogenannten Planetenfesten die Oper von Antonio Lotti „Giove in Argo“ aufgeführt. Die Partitur lag in der Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden, doch musste sie vervollständigt und korrigiert werden. All das gelang der griechisch-polnischen Opernsängerin, die seit einiger Zeit in Görlitz lebt und hier ihren Verein „Ars Augusta“ hat, mit dem Musikologen und Kunsthistoriker Reiner Zimmermann.

Nun wird die Barockoper nach 300 Jahren erstmalig wieder erklingen. Am 20. September im Theater von Bad Salzbrunn (Szczawno-Zdroj) und zwei Tage später im Großen Palais im Großen Garten in Dresden. Eleni Ioannidou sieht in der Wiederentdeckung der Oper mehr als nur eine musikhistorische Notiz. Für sie verbinden sich damit auch deutsch-polnische Verbindungen. Friedrich August II. war nicht nur Kurfürst von Sachsen, sondern als August III. auch König von Polen, wenngleich er den Thron im Siebenjährigen Krieg verlor. Er wie auch sein Vater bauten in Warschau den Palast, förderten die Künste und Wissenschaften. Bad Salzbrunn wiederum ist mit Graf Hochberg verbunden, der in Görlitz die Schlesischen Musikfeste begründete. Er starb in dem Kurort 1926. Und Bad Salzbrunn ist auch Geburtsort von Gerhart Hauptmann, nach dem das Theater im Kreis Görlitz heißt. Die Solisten der Wiederaufführung, darunter das Lausitzer Barockensemble mit Musikern aus Polen und Deutschland, reihen sich in dieses Bild ein.

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Trotzdem ist die Finanzierung schwierig, die öffentliche Förderung begrenzt. Zumal der Verein „Ars Augusta“ hoffte, die Oper auch ein drittes Mal aufzuführen. Bei einer Fortsetzung des Lausitz-Festivals in Görlitz. So bot der Verein die Oper dem städtischen Kulturservice an, der den Auftakt des Festivals organisierte. Zwar haben sich Sachsen und Brandenburg grundsätzlich darauf verständigt, das Festival fortzusetzen, doch sollen erst klare Strukturen geschaffen werden. Federführend dafür sind die beiden Wissenschaftsministerien in Dresden und Potsdam. Anschließend ist die Berufung eines länderübergreifenden Fachbeirates als zentrales Gremium vorgesehen, das den Intendanten des Festivals beraten und zugleich auch darauf achten soll, Künstler und Projekte aus der Region zu berücksichtigen. In der Zwischenzeit nimmt der Kulturservice alle Angebote entgegen und fügt sie in einer Datenbank zusammen. Eleni Ioannidou und Heinz Müller geht das alles zu schleppend voran. In einem offenen Brief an Sachsens Ministerpräsident haben sie zuletzt ihre Kritik am Festival und den intransparenten Strukturen erneuert. Für sie ist der Beirat nur ein Placebo. „Es steht zu befürchten, dass wieder nur jene Gruppierungen zum Zuge kommen, die ohnehin längst institutionelle Förderung erhalten. Freie, kreative Künstler und Gruppen werden wieder das Nachsehen haben“, heißt es in dem Brief.

Für die Aufführungen in Bad Salzbrunn und in Dresden jedoch läuft bereits der Kartenverkauf über die Internetseite des Vereins „Ars Augusta“.

web www.ars-augusta.org

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