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Görliwood und kein Ende?

Gast-Autor Friedrich Rothe kann sich beispielsweise eine Krimi-Serie mit Görlitz-Bezug gut vorstellen.

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Friedrich Rothe lebt als Publizist und Komponist in Görlitz. Er engagiert sich – trotz eine schweren Erkrankung – im Görlitzer Kulturleben und hat beispielsweise das Altstadtlied arrangiert.
Friedrich Rothe lebt als Publizist und Komponist in Görlitz. Er engagiert sich – trotz eine schweren Erkrankung – im Görlitzer Kulturleben und hat beispielsweise das Altstadtlied arrangiert. © Christian Suhrbier

Von Friedrich Rothe

Wenn es um das Thema geht, wie sich Görlitz weiterhin am besten als Filmstadt präsentiert, schlagen in meiner Brust die bekannten beiden Herzen. Das eine sagt: „Görlitz ist viel schöner und interessanter, als es Hollywood je gewesen ist.“ Das andere meint realistischer: „Über das Medium Film geht viel zu bewegen.“

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Und – vielleicht bin ich da etwas altmodisch – mit der Bezeichnung Görliwood für unsere alte, so prächtig erhaltene Stadt kann ich mich nicht anfreunden. Gleich gar nicht, wenn ich die Geschichte beider Städte vergleiche. Wenn schon das für Ausländer schwierige „ö“ erhalten wird, dann lieber richtig. Wir sind schließlich keine exterritoriale autonome Gebirgsregion.

Es wäre meiner Meinung nach gut, wenn sich die Gesellschaft Europastadt Görlitz/Zgorzelec diesbezüglich stärker der Geschichte und der Gegenwart unserer Stadt besinnen würde. Hier schließe ich mich gern der Meinung des SZ-Autors Matthias Klaus an, dessen Überschrift lautete „Görlitz wird zu modern“. Seine Frage, ob die Zeit großer Filmproduktionen in Görlitz vorbei sei, würde ich eher als Ansporn interpretieren. Mit der klaren Antwort Nein. Aristoteles wird der Spruch nachgesagt „Den Wind können wir nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“. Wie wäre es, wenn wir nach dem Vorbild der Usedom-Krimis eine lokale Serie entwickeln? Vielleicht nicht immer mit Mord und Totschlag, eher mit Augenzwinkern.

Da sehe ich mit der Nähe zu Zgorzelec großes Potenzial. Ich erinnere mich an einen SZ-Bericht der Polizei, dass ein Pole im Strafvollzug per Geiselnahme seine Verlegung in ein polnisches Gefängnis verhindern wollte. Weil er die deutschen Haftbedingungen angenehmer fand. Oder einen anderen, als ein polnischer Autodieb im Anschluss an seine wegen Autodiebstahls verbüßte Strafe als erstes ein Autohaus aufsuchte, um das nächste Auto zu stehlen. Zwar bin ich erklärter Gegner des Klischees, alle Polen seien Autodiebe. Aber hier hätte der Film die beste Möglichkeit, zwischen „solchen und solchen“ die Unterschiede zu markieren. Selbstverständlich dürften deutsche Polizei und Staatsanwaltschaft nicht als Ansammlung von Dummköpfen erscheinen. Dagegen lieber der Autodieb als besonders pfiffig.

Ein anderes großes Thema wäre die besondere Situation unserer Stadt beim Aufeinandertreffen von Flüchtlingen und Polen. Gerade der Film hat die Möglichkeit, das Thema sensibel genug zu behandeln. Damit nicht Ausländerfeindlichkeit, sondern die sprichwörtliche polnische Höflichkeit in den Vordergrund rückt. Eingeschlossen gesundes Nationalbewusstsein, von dem wir viel lernen können.

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Diesbezüglich lohnt sich ein Nachschlagen bei Wikipedia zur Unterscheidung zwischen inklusivem und exklusivem Nationalismus. Auch das wäre in unserer altehrwürdigen Stadt mit ihrer facettenreichen Geschichte ein attraktives Filmthema. Nicht zuletzt, um blinden Hass auf andere Kulturen als ein altes Phänomen darzustellen. Das es gilt einzudämmen. Schließlich wirken bis heute die Unterschiede zwischen mehrheitlich hier lebenden schlesischen Nachfahren und Sachsen nach. Von Preußen ganz zu schweigen.

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