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„Goethes Enkel“ schleppen schwere Einkaufskörbe

„Goethes Enkel“ putzen Fenster und wischen die Treppe, gehen einkaufen und mit dem Hund spazieren. Sie lesen aus der Zeitung vor und leisten Gesellschaft. „Goethes Enkel“ – das sind zwölf Mädchen und...

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Von Katja Schäfer

„Goethes Enkel“ putzen Fenster und wischen die Treppe, gehen einkaufen und mit dem Hund spazieren. Sie lesen aus der Zeitung vor und leisten Gesellschaft. „Goethes Enkel“ – das sind zwölf Mädchen und Jungen aus den siebenten Klassen der Wilthener Goethe-Mittelschule, die kürzlich ihre eigene Schülerfirma gegründet und ihr diesen Namen gegeben haben.

Im Rahmen eines Neigungskurses beschäftigen sie sich mit Theorie und Praxis der Unternehmensführung. „Die Schüler konnten selbst entscheiden, welche Leistungen ihre Firma bieten soll“, erzählt Lehrer Jörg-Norbert Rasch und gibt zu, dass er über die Wahl schon etwas erstaunt war. Während andere Schülerfirmen meist Imbiss-Versorgung oder Reise-Service anbieten, stand für die Wilthener schnell fest: „Wir wollen alten und bedürftigen Menschen helfen“, erklärt Firmen-Chefin Elisa Künstler. „Wir können zum Beispiel die Treppe wischen. Oder den Hund ausführen. Oder Fenster putzen. Oder einkaufen“, ergänzen Sarah Koban, Benny Richter und Paul Buhl. Das alles ist völlig kostenlos. Über ein kleines Trinkgeld würden sich „Goethes Enkel“ dennoch freuen. Schließlich sollen in der Firmenkasse auch Einnahmen verbucht werden.

Die ersten Wochen ihrer unternehmerischen Tätigkeit nutzten Elisa und ihre Mitstreiter, um Leiter, Stellvertreter, Schatzmeister usw. zu bestimmen, sich einen Firmenlogo auszudenken, Ausweise vorzubereiten und Flyer anzufertigen. Diese haben sie in der Stadt verteilt und dabei gleich Gespräche mit potenziellen Kunden geführt, zum Beispiel in der Anlage für Betreutes Wohnen.

„Wir wünschen uns sehr, dass die Leute unser Angebot annehmen“, sagt Elisa Künstler. „Die Jugend hat ja nicht immer den besten Stand“, fügt sie bedauernd an. Gerade deshalb wolle man beweisen, dass vieles nur Vorurteile sind. Zugleich freuen sich „Goethes Enkel“ darüber, auf praktische Art und Weise Einblick in die Wirtschaft zu bekommen. Für den späteren Beruf könne das auf keinen Fall schaden, ist Paul überzeugt. Doch auch die Theorie kommt nicht zu kurz. Über die verschiedenen Rechtsformen für Unternehmen erfahren die Schüler im Kurs ebenso etwas wie über Buchführung und andere Dinge. Zensuren gibt es natürlich auch. „Zum einen kann ich das praktische Engagement benoten; zum anderen werden wir Arbeiten über Wirtschafts-Theorie schreiben“, erklärt Jörg-Norbert Rasch.

Wer die Schülerfirma nutzen möchte, kann sich in der Schule melden, (03592) 3 30 52, oder in eine der Listen eintragen, die an verschiedenen Stellen in der Stadt ausliegen.