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Gohrisch muss sich bis 2020 gedulden

Ein neuer Bürgermeister wird wohl erst im Januar gewählt. Der neue Rathauschef ist aber nicht der einzige, der sein Amt nicht antreten wollte.

© Archiv/Klehm

Es war eine kurze und schmerzlose Prozedur für Bürgermeister Heiko Eggert (Parteilos) in Gohrisch. Am Dienstagabend vereidigte er die neuen Gemeinderäte. Eine Aufgabe, die eigentlich der neue Bürgermeister von Gohrisch hätte übernehmen sollen. 

Doch noch gibt es keinen Nachfolger für Eggert. Denn obwohl das Ergebnis der Bürgermeisterwahl vom Ende Mai gültig ist, müssen die Einwohner noch einmal zur Wahl an die Urnen. Der Grund: Wahlsieger Maik Günther (Die Linke), der auch im neuen Rat sitzt, will das Ehrenamt nicht antreten. Er stand als einziger Kandidat auf dem Stimmzettel, erhielt in einer ersten Prüfung aber zu wenige Stimmen. Sieger war Christian Naumann, der gar nicht nominiert war. Nach einer zweiten Prüfung ergab sich dann eine neue Stimmverteilung – mit Maik Günther als Sieger. Wegen persönlicher Diffamierungen im Wahlkampf und fehlenden Vertrauens zum Gemeinderat wird Günther jedoch auf das Amt verzichten. Deshalb kommt Gohrisch an einer Neuwahl nicht vorbei.

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Den genauen Termin muss der neue Gemeinderat beschließen. Am Dienstag war das noch kein Thema. Bis Ende des Monats soll es dazu aber eine Entscheidung geben, wie die Königsteiner Hauptamtsleiterin Gitta Lehmann erklärt. Voraussichtlich im September wird die Neuwahl dann im Gohrischer Anzeiger bekannt gemacht. Frühestens 90 Tage danach könne die Neuwahl dann tatsächlich stattfinden. Rein rechnerisch würde die Wahl dann in die Weihnachtszeit fallen. Ein ungünstiger Zeitraum. „Der Termin wird deshalb vermutlich in den Januar fallen“, sagte Gitta Lehmann. Ob Maik Günther dann noch einmal antreten wird, das lässt der 38-Jährige nach wie vor offen. Christian Naumann, der durch die Bürgermeisterwahl viel Zuspruch erfahren hat, hatte dagegen bereits angekündigt, sich offiziell als Kandidat aufstellen zu lassen. In der Sitzung am Dienstag war Naumann ebenfalls dabei – als Zuschauer auf den Gästeplätzen.

Nicht nur im Hinblick auf den neuen Bürgermeister ist Gohrisch auf Wechselkurs. Im Gemeinderat ergeben sich durch die Kommunalwahl etliche Veränderungen. Nur vier der elf Gewählten waren bereits im alten Gremium vertreten. Neben der Freien Wählergemeinschaft Gohrisch (FWG), CDU, Linke und Bündnis 90/Grüne sind erstmals die AfD und die Bewegung „Zukunft Gohrisch“ im Rat vertreten.

Die AfD hätte drei Sitze besetzen können, hatte jedoch nur zwei Kandidaten. Ein Platz bleibt damit frei. Die Christdemokraten stellen zudem zwei Mitglieder, Grüne, Linke und „Zukunft Gohrisch“ je einen. Die NPD ist gar nicht mehr im Rat vertreten. Die stärkste Gruppe bildet nach wie vor die FWG mit vier Vertretern. Am Dienstag waren jedoch nur drei der vier Plätze bei der Freien Wählergemeinschaft besetzt. Der Grund: Daniel Wojack will sein Ehrenamt nicht antreten. Der 41-Jährige begründet das mit Vorkommnissen rund um die Bürgermeisterwahl. Hetze und Verlogenheit hätte es gegeben, teilt Daniel Wojack schriftlich mit. Gemeint ist damit die Kampagne gegen Maik Günther. Auf Flugblättern wurden kurz vorm Wahltag Stimmung gegen den Linken-Kandidaten gemacht, auch mit Falschbehauptungen. Es sei ein mehr als unfairer Wahlkampf gewesen. Wojack sehe sich aufgrund eines zerrütteten Verhältnisses zum Rat nicht in der Lage, das Ehrenamt anzutreten.

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Eine Begründung, die von der Mehrheit der Räte nicht anerkannt wurde. „Ich sehe keinen Grund, das Mandat nicht anzunehmen“, sagte Maik Franke (Zukunft Gohrisch). Gerd Klaus Kreitz von der CDU war die Begründung zu lapidar ausgedrückt und ohne eigenen Bezug. Ähnlich sah es die AfD. „Wir hatten doch alle mit den Vorkommnissen rund um die Wahl zu tun“, sagte Kay Eisert (FWG). Rückendeckung bekam Wojack von Enrico Blechschmidt (FWG) und Maik Günther (Linke) „Es ging über die Grenzen der Zumutbarkeit. deshalb kann ich seine Entscheidung nachvollziehen“, so Blechschmidt. Günther, der unter dem Wahlkampf wohl am meisten litt, sagte, dass man niemanden zwingen könnte, Gemeinderat zu sein. „Wollen wir jemanden dazu zwingen?“, diese Frage stellte auch Uwe Börner von den Grünen. Sieben von elf Gemeinderäten lehnten den Rücktritt von Daniel Wojack, der sich aktuell im Urlaub befindet, schließlich ab.

Das ist der neue Gemeinderat in Gohrisch

Claudia Lord (FWG)
Claudia Lord (FWG) © Daniel Schäfer
Kay Eisert (FWG)
Kay Eisert (FWG) © Daniel Schäfer
Enrico Blechschmidt (FWG)
Enrico Blechschmidt (FWG) © Daniel Schäfer
Daniel Wojack (FWG)
Daniel Wojack (FWG) © Archiv/Daniel Förster
Mike Herrmann (AfD)
Mike Herrmann (AfD) © Daniel Schäfer
Heiko Ziegenbalg (AfD)
Heiko Ziegenbalg (AfD) © Daniel Schäfer
Gerd Klaus Kreitz (CDU)
Gerd Klaus Kreitz (CDU) © Daniel Schäfer
Philipp Gemser (CDU)
Philipp Gemser (CDU) © Daniel Schäfer
Maik Franke (Zukunft Gohrisch)
Maik Franke (Zukunft Gohrisch) © Daniel Schäfer
Uwe Börner (Bündnis 90/Grüne)
Uwe Börner (Bündnis 90/Grüne) © Daniel Schäfer
Maik Günther (Die Linke)
Maik Günther (Die Linke) © Daniel Schäfer

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