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Spektakuläres Gohrischer Konzert

Die russische Pianistin Yulianna Avdeeva spielte an geschichtsträchtigem Ort vor viel Technik für am Ende mehr Zuhörer als je zuvor.

Das Konzert von Yulianna Avdeeva in Gohrisch ist aus mehreren Gründen ein spektakuläres.
Das Konzert von Yulianna Avdeeva in Gohrisch ist aus mehreren Gründen ein spektakuläres. © Oliver Killig

Ihren 35. Geburtstag wird Yulianna Avdeeva wohl nie vergessen. Am Tag danach spielte sie in Gohrisch Uraufführungen von Dmitri Schostakowitsch und das obwohl statt vor Publikum vor vieler Technik und am Ende doch mit Zuhörern in aller Welt.

Irgendwann im April war klar, das elfte internationale Schostakowitsch-Festival in Gohrisch findet im Juni nicht statt. Yulianna Avdeeva gab zu dieser Zeit schon immer donnerstags, 19.30 Uhr, ihre Wohnzimmer-Bach-Konzerte auf Facebook. Doch schon bei der Absage des Gohrischer Festivals hatte der künstlerische Leiter Tobias Niederschlag eine Idee. Vor etwa drei Wochen war dann klar, sie kann umgesetzt werden. Yuilanna Avdeeva ist ein Drittel dieser Realisierung. Sie spielte am Sonnabend im Gohrischer Albrechtshof, Dmitry Masleev in der Tchaikovsky Concert Hall in Moskau und Daniil Trifonov in seinem Haus in Greenwich im amerikanischen Connecticut. Alle drei gibt es am Sonntagabend als Stream zu hören - aus aller Welt in alle Welt.

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Hoffen auf noch viele Funde

Yulianna Avdeeva hatte den authentischsten Ort für die Schostakowitsch-Werke, schließlich war der Komponist selbst zweimal in Gohrisch, im Albrechtshof, in diesem Pavillon. "Unglaublich inspirierend" nennt die in München lebende gebürtige Moskauerin diese Atmosphäre. Im gleichen Raum zu spielen wie der Komponist, das gibt ihm eine besondere Aura.

Und dann auch noch Uraufführungen, das ist "absolut außergewöhnlich". Zu verdanken sind diese Funde von Werken Olga Digonskaya, die das Schostakowitsch-Archiv in Moskau leitet. Sie hat in den vergangenen Jahren schon über 300 Manuskripte gefunden und erhält in diesem Jahr auch den Gohrischer Schostakowitsch-Preis. Yulianna Avdeeva drückt die Daumen und hofft, dass sie "immer noch was findet". 45 Jahre nach dem Tod des Komponisten ist es erstaunlich, wieviel Unentdecktes noch im Archiv schlummert.

Spaziergang durch Gohrisch

Vor und nach der Aufnahme am Sonnabend hatte die Pianistin, die von Freitag bis Sonntag in Gohrisch weilte, auch Zeit für einen Spaziergang durch Gohrisch. Der Schostakowitsch-Platz war ihr schon auf der Anreise aufgefallen. Die kleine Büste des Komponisten strahlt für sich Freude und Frieden aus. "Das bleibt", sagt sie und das nehme sie aus der "unglaublich schönen Landschaft um Gohrisch" mit zurück.

Die Aufnahme am Sonnabend hat Yulianne Avdeeva trotz der Chance, sie zu wiederholen, im Geist eines "richtigen Live-Konzertes" gespielt. Sie mag das Adrenalin des Spielens für den Moment, der immer bleibt. Das direkt vor ihr sitzende Publikum fehlt natürlich auch ihr, diese direkte Reaktion. Doch die Zeit hat die Chance auf ganz andere Kommunikationen und Reaktionen gebracht. Im August hofft Yulianna Avdeeva wieder in richtigen Konzertsälen mit richtigem Publikum spielen zu können, in Frankreich, Polen und Deutschland.

Auf Wiedersehen nächstes Jahr

Ihre Donnerstagskonzerte führt sie weiter. Sie sind die Proben für ihr großes Bach-Vorhaben. Bis Herbst nächsten Jahres will sie 48 Präludien und Fugen bühnenreif haben. "Bach hat so viel Seele, so viel Mitgefühl und gibt viele Antworten, auch jetzt wieder." Diese für alle Zeiten geltenden Antworten machen Komponisten, Schriftsteller, Maler, bildende Künstler zu Klassikern.

Im Herbst soll das Programm für die Schostakowitsch-Tage 2021 stehen. Ein Konzert mit Yulianna Avdeeva soll dann dazu gehören. "In Gohrisch vor Publikum zu spielen wird dann noch einmal anders besonders", sagt sie.

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Auch ohne Publikum vor Ort gibt es das Schostakowitsch-Festival. Drei Pianisten spielen am Sonnabend weltweit für die Zuhörer.

Zu sehen und hören sind die drei Pianisten am 5. Juli ab 20 Uhr auf www.arte.tv/de/arte-concert/klassik/MDR Kultur sendet bereits ab 19.30 Uhr.

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