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Ein Vereinshaus für Glashütte?

Der Stadtrat fällt eine Vorentscheidung. Glashütte soll sich das Vorkaufsrecht für eine ehemalige Gaststätte sichern. Doch der Bürgermeister hat Bedenken.

Stadtrat Maik Lehmann vor der ehemaligen Gaststätte Goldenes Glas in Glashütte
Stadtrat Maik Lehmann vor der ehemaligen Gaststätte Goldenes Glas in Glashütte © Egbert Kamprath

Es scheint noch ein langer Weg zu sein, den die Glashütter gehen müssen, um ein eigenes Vereinshaus zu bekommen. In der jüngsten Stadtratssitzung haben sie einen weiteren, wichtigen Schritt dahin zurückgelegt. Einstimmig votierten die Räte dafür, dass die Stadt sich das Vorkaufsrecht für ein historisch wichtiges Gebäude sichern soll.

Viele Glashütter in der Kernstadt wünschen sich schon lange ein Vereinshaus. Zwar können die in der Kernstadt tätigen Vereine kommunale Gebäude wie das Arthur-Fiebig-Haus oder die Prießnitz-Turnhalle für Veranstaltungen nutzen. Dennoch wollen sie lieber ein Vereinshaus, wie es andere Ortsteilen aber auch viele Dörfer und Kleinstädte in der Region auch haben. Schon lange liebäugelt der Glashütter Ortschaftsrat damit, dass leerstehende Gasthaus Goldenes Glas zu einem Vereinshaus umzubauen. 

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Erster Antrag im November

Stadtrat Jörg Prasser (Wählervereinigung Zeitlos) beantragte im November 2019, dass die Stadt sich das Vorkaufsrecht sichern sollte. Im Dezember folgte ein schriftlicher Antrag mehrerer Stadträte, Ende Januar kurz vor der Stadtratssitzung legte der grüne Stadtrat Uwe Ahrendt, der auch stellvertretender Bürgermeister ist, einen abgeänderten Antrag vor, in dem das weitere Vorgehen skizziert wurde. 

Demnach sollte sich die Stadt nicht nur das Vorkaufsrecht sichern, sondern auch ein Verkehrsgutachten in Auftrag geben, um den Wert der Immobilie zu ermitteln. Der Ortschaftsrat Glashütte solle wiederum möglichst schnell ein Nutzungskonzept vorlegen, auf dessen Grundlage Planer tätig werden können. Diese sollen Vorschläge machen, wie das Haus umgebaut und saniert werden muss, und einschätzen, was das kosten wird. Anhand dieser Fakten soll der Stadtrat dann über den Kauf entscheiden.

Ahrendt warb um Zustimmung. Er verhehlte nicht, dass viele Räte nostalgische Gefühle für das Haus hätten - auch er selbst. Denn die Filmabende im früheren Kino, das zum Gasthaus gehörte, seien nicht nur ihm in guter Erinnerung. Von daher sei das Goldene Glas vielleicht genau das Gebäude, welches man zum Vereinshaus machen sollte.

Der Besitzer und bisherige Betreiber des Goldnen Glases, Michael Schirmer, zwischen den Stuhlreihen im ehemaligen Kino, dass zur Gaststätte gehörte.
Der Besitzer und bisherige Betreiber des Goldnen Glases, Michael Schirmer, zwischen den Stuhlreihen im ehemaligen Kino, dass zur Gaststätte gehörte. © Egbert Kamprath

Der Plan stieß auf breite Zustimmung im Stadtrat, wenngleich es auch einige nachdenkliche Töne gab. Besser wäre es, es würde sich ein Gastwirt finden, der das Haus als Gaststätte weiterführen würde, sagte Dreßler. "Sollte die Stadt das Gebäude kaufen, kommen auf uns enorme Investitionskosten zu", erklärte er. Davon konnte er sich bei einer gemeinsamen Begehung mit dem Stadtrat überzeugen. Mehrere Stadträte bestätigten Dreßlers Eindruck. "Das wird sicher mehrere Millionen Euro kosten", so Jörg Paulusch (CDU). 

Andere Räte wie Thomas Flasche (CDU) und Frank Zimmerhäckel (Grüne) sehen eher die Chancen, die mit dem Haus entstünden. Der Umbau zum Gemeinschaftshaus könnte zu einer Gemeinschaftsaufgabe werden, die zu einem Zusammenrücken der Glashütter führen könne, so Zimmerhäckel. Ähnliches habe man in Reinhardtsgrimma mit der Sanierung des Erbgerichts und des historischen Spritzenhauses geschafft, ergänzte Flasche. Das gemeinsame Arbeiten an diesen Häusern sei identitätsstiftend für seinen Heimatort gewesen.

Stadtrat Maik Lehmann (Zeitlos), Mitinitiator des Antrages, Ortsvorsteher der Kernstadt und Chef des Glashütter Freizeit- und Kulturvereins, zeigte sich überrascht. Er freute sich, dass offenbar eine Mehrheit im Stadrat das Vorhaben unterstützen wolle, erklärte er. Er werde sein Bestmögliches geben, um diese Chance zu nutzen, versprach er. Aus seiner Sicht sei es sinnvoll, die Sanierung in Etappen anzugehen. Die Glashütter und die Vereine werden sich einbringen. 

Andreas Dießler (Wählervereinigung Reinhardtsgrimma) gab  zu bedenken, dass diese Mitarbeit etwas schwierig werden könnte, weil das Gebäude ein kommunales sei. Er verwies auf die Erfahrungen, die die Hausdorfer mit der Sanierung ihres Klubhauses gesammelt hätten.

Angst vor zu großem Zeitdruck

Fast alle Stadträte stellten in Aussicht, dem Antrag in der vorgelegten Form zuzustimmen. Lediglich CDU-Fraktionssprecher Jörg Paulusch (CDU) gab zu bedenken, dass man eine Passage in der Vorlage ändern sollte. Der dort fixierte Kauf noch in diesem Jahr werde die Stadt unter Zugzwang setzen. Es sei ungewiss, ob alle anderen Bedingungen bis dahin erfüllt werden können. Die Antragsteller um Ahrendt und Lehmann lenkten ein. Demnach soll die Stadt anstreben, das Gebäude noch in diesem Jahr zu kaufen. 

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Ahrendts Antrag wurde nach der kurzen Diskussion einstimmig angenommen. Lediglich Bürgermeister Dreßler enthielt sich seiner Stimme. Er begründete das mit seinen Bedenken, gab aber zu verstehen, dass er sich gern überzeugen lassen würde, dass diese unberechtigt  sind. Vielleicht gelingt es der Stadt gemeinsam mit dem Ortschaftsrat und den Vereinen, den gefassten Plan in naher Zukunft zu realisieren.

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