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Goldmacher für Zittau gesucht

Ein Dienstleister der Informationstechnik-Branche will in Görlitz ein Call-Center einrichten. D 2 Mannesmann wird in Bautzen ein neues Kundenbetreuungs-Zentrum eröffnen. Ein weiteres derartiges Zentrum ist für Hoyerswerda im Gespräch.

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Ein Dienstleister der Informationstechnik-Branche will in Görlitz ein Call-Center einrichten. D 2 Mannesmann wird in Bautzen ein neues Kundenbetreuungs-Zentrum eröffnen. Ein weiteres derartiges Zentrum ist für Hoyerswerda im Gespräch. Warum niemand über Zittau spricht, wollte die SZ von Holger Knüpfer, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung, wissen.
500 neue Arbeitsplätze in Bautzen, 300 in Görlitz - nur in Zittau geschieht nichts. Sind Sie Ihr Geld nicht wert, Herr Knüpfer? Ich bin stinke sauer. Die Firma "zwenty for help" Dortmund GmbH hat auch bei mir vorgesprochen. Wir haben gemeinsam mit dem Oberbürgermeister alle Wege bereitet. Dem Unternehmen wurde das neue Verwaltungsgebäude der TGZ als Immobilie angeboten. Ich habe mit der Deutschen Telekom alle Voraussetzungen abgeklärt. Gemeinsam mit den beiden Zittauer Hochschulen wurden Ausbildungsprofile erstellt und beispielsweise das fremdsprachliche Können der Studenten erfasst. Das Arbeitsamt hat zugearbeitet. Zwei Monate lang habe ich vorbereitet und Angebote unterbreitet, um jetzt zu lesen "Call-Center soll voraussichtlich schon im Mai in Görlitz starten". Der Kelch hat sich wieder gegen uns gewendet.
Woran liegt es, dass sich niemand für Zittau erwärmt? An der Verwaltung lag es jedenfalls nicht. Eine bessere Immobilie können die Görlitzer gar nicht anbieten. Am Ausbildungsprofil unserer Leute auch nicht. Ich sehe nur einen Grund für die erneute Absage: Die schlechte Erreichbarkeit Zittaus. Eine Datenautobahn reicht eben nicht, Manager wollen auch vor Ort kommen können. Wenn sie in Dresden aus dem Flieger steigen, sind sie mit einem Mietwagen in einer halben, maximal Dreiviertelstunde in Görlitz, bis Zittau benötigen sie aber zwei Stunden. Dazu liegen wir am letzten Zipfel Deutschlands. Einen derartigen Standortnachteil kann man nicht mit schönen Worten aufwiegen, sondern nur mit Sonderkonditionen. Aber die will uns keiner gewähren, weder der Freistaat noch die Bundesregierung. So etwas wäre wettbewerbsverzerrend, heißt es dann immer. Es ist frustrierend. Ich bin wirklich verzweifelt.
Mindestens ein weiteres Call-Center soll noch in Ostsachsen entstehen, haben Sie Hoffnung, dass es nach Zittau kommt? Nein. Es gibt keine Call-Center für Zittau. Ich kenne überhaupt niemanden mehr, der hierher kommen will. Es bleibt uns nur, aus dem eigenen Dreck was Goldiges zu machen. Vielleicht wie das der Johann Friedrich Böttger vorgemacht hat, als er das erste europäische Porzellan fabrikmäßig herstellte.
Was ist bei den Verhandlungen über "Sachsenmodelle" herausgekommen? Auch ein sehr schwieriges Geschäft. Nach meinen Informationen ist es am Freitagnachmittag zu keinem Abschluss mehr gekommen. Die vorliegenden Angebote müssen von den Interessenten noch nachgebessert werden. Ich rechne damit, dass sich im Verlauf des Aprils ein Favorit herausschälen und das Zittauer Unternehmen dann im Mai oder Juni übernommen wird. Auch für die TGZ rechne ich demnächst mit einem positiven Abschluss.
Das Gespräch führte Peter Chemnitz

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