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Goldschatz von Kötzschenbroda unterm Hammer

Die Radebeuler Besitzer lassen den legendären Fund heute in Hamburg versteigern. Nur einmal wurden die Münzen gezeigt.

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Von Frank Andert

Die Sache wurde geheim gehalten. Selbst Bauer Karl Reiche, eine 92-jährige Institution in Altkötzschenbroda, kann sich nur vage erinnern, dass mal von dem Goldschatz geredet wurde. Und die Besitzer selbst halten tunlichst den Mund und haben allen beteiligten dies auch angeraten.

Heute wird der Goldschatz von Kötzschenbroda in Hamburg versteigert. Einen „numismatischen Paukenschlag“ kündigt der Veranstalter für die heutige Saalauktion der auf historische Münzen spezialisierten Handelsgesellschaft Emporium in der Hansestadt an. Ab 9Uhr wird im „Störtebeker-Haus“ der „Münzhort von Kötzschenbroda“, so die offizielle Bezeichnung, versteigert. Ein kleiner Schatz mit besonderer Geschichte.

Beim Umbau einer Sattlerwerkstatt in Kötzschenbroda machten Handwerker 1811 eine erstaunliche Entdeckung: In einer durch ein Fensterbrett verdeckten Maueröffnung kam ein mit 15 Gold- und 42 Silbermünzen gefülltes irdenes Henkeltöpfchen zum Vorschein, das augenscheinlich schon lange dort versteckt war. Der Fund wurde nicht an die große Glocke gehängt, sondern blieb ein gut gehütetes Geheimnis, von dem selbst die Ortschronisten nichts erfuhren.

Sorgfältig verwahrt, wurde er über sechs Generationen in der Familie der Grundstückseigentümer weitergereicht, die sich nach über 200 Jahren nun davon trennt.

Wilhelm Hollstein vom Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sieht keinen Anlass, an dieser im Katalog nachzulesenden Geschichte zu zweifeln. Er hatte vor einigen Jahren im Auftrag der Besitzer, über die auch er keine Auskünfte erteilt, eine exakte Bestimmung der Münzen vorgenommen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich danach um sächsisches Silbergeld, aber auch goldene Handelsmünzen aus anderen Regionen des Reichs sowie aus Polen, Frankreich und den Niederlanden sind dabei.

Den weitesten Weg hat ein 1574 in Kairo geprägtes Goldstück hinter sich. Die jüngsten der Münzen, zwölf Silbergroschen und zwei Golddukaten, stammen von 1639. Die Groschen weisen zwar Gebrauchsspuren auf, aber einiges deutet darauf hin, dass der Schatz schon wenig später, in der Endphase des Dreißigjährigen Krieges, eingemauert wurde.

Bevor Kötzschenbroda durch den 1645 hier unterzeichneten Waffenstillstand zwischen Sachsen und Schweden in die Geschichte einging, hatte der Ort in diesem Krieg manches zu erdulden. 1637 wurde er durch schwedische Truppen fast vollständig zerstört; neben Kirche, Pfarrhaus und Schule gingen über hundert Gebäude in Flammen auf. Anfang 1643 erhielt die noch mit dem Wiederaufbau beschäftigte Gemeinde von Kurfürst Johann Georg I. zwar einen Schutzbrief, der sie vor „aller Einquartierung, Plünderung, Geldpressur, Abnahme Pferde, Viehes, Getreydichts und andern Vorraths“ von seiten der Reichsarmee bewahren sollte. Die Bedrohung durch die Schweden blieb aber bis Kriegsende latent. Irgendwann in jenen Jahren wanderte das kleine Vermögen in sein Versteck und geriet später offenbar in Vergessenheit.

Dass der Kötzschenbrodaer Münzhort etwas Besonderes ist, wird schon durch den Rahmen unterstrichen, in dem er erstmals öffentlich zu sehen war. In der Ausstellung „Schätze aus Sachsens Erde“ präsentierte das Dresdner Münzkabinett 2010 laut Direktor Rainer Grund „zehn der schönsten und wichtigsten Funde, die je in Sachsen ans Tageslicht kamen.“ Darunter, als einziger Schatz aus Privatbesitz, auch der von Kötzschenbroda. Erstmals vollständig ausgestellt war er nun in den vergangenen Tagen zur Vorbesichtigung im Hamburger Auktionshaus.

Die Schätzpreise der 58 Einzelpositionen reichen von 30 Euro für einen etwas angenagten Groschen bis zu 12500 Euro für die älteste Münze, einen Salzburger Goldgulden aus der Zeit um 1460, von dem nur ein weiteres Exemplar bekannt ist. Josef Fischer, leitender Numismatiker bei Emporium Hamburg, bezeichnet es als außerordentlich selten, dass ein so umfangreicher, alter Fund samt Fundgefäß im Handel auftaucht.

Über den kulturgeschichtlichen Wert des Ganzen sei man sich bewusst. Die Lose würden zwar einzeln aufgerufen, auf Grundlage der eingegangenen Gebote solle der Hort dann aber zunächst im Zusammenhang zur Auktion kommen. Fischer ist zuversichtlich, dass sich Interessenten für das Komplettpaket samt Geschichte finden werden. Knapp 35000 Euro, so die Summe der Schätzpreise, sollten sie aber mindestens dabei haben.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bieten laut Wilhelm Hollstein nicht mit. Wohin es den Münzhort von Kötzschenbroda verschlägt, ist also vollkommen offen.