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Goldschmuck ist sein täglich Brot

Konzentriert hält Andreas Renger den goldenen Ehering vor das Auge. An der blauen Graviermaschine leuchtet eine schlichte Schwenklampe, neumodische Computertechnik sucht man hier vergebens. „In unser Branche ist noch immer viel Handarbeit dabei, so wie schon vor 50Jahren“, sagt der Juwelier.

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Von Christoph Scharf

Konzentriert hält Andreas Renger den goldenen Ehering vor das Auge. An der blauen Graviermaschine leuchtet eine schlichte Schwenklampe, neumodische Computertechnik sucht man hier vergebens. „In unser Branche ist noch immer viel Handarbeit dabei, so wie schon vor 50Jahren“, sagt der Juwelier. Während unten im Verkaufsraum elegante Armbanduhren, goldene Ketten und Brillantringe um die Wette blitzen, dominiert einen Stock höher in der Werkstatt Stahl und Holz.

„Die Werkbank ist rund 80Jahre alt“, sagt der Bautzener und klopft auf die Platte. Schon in der dritten Generation ist Andreas Renger Juwelier – Großvater Walter hatte 1926 in Reichenberg, dem heutigen Liberec, ein Juweliergeschäft eröffnet. Nach der Vertreibung 1945 übernahm er ein Traditionsgeschäft am Bautzener Hauptmarkt, das sein Sohn Kurt und Enkel Andreas Renger weiterführten.

Die gleichen Techniken wie seine Vorfahren wendet der Enkel noch heute an: Ein konisch zulaufender Stahlstab – der so genannte Ringel – dient dazu, einen erwärmten Ring weiter zu machen. Genauso wie Zangen, Handsäge oder Holzhammer hat der Ringel schon Jahrzehnte auf dem Buckel.

Doch obwohl handwerkliche Fähigkeiten bei der Reparatur und Anpassung von Schmuckstücken unverändert gefragt sind, muss ein Juwelier stets mit der Zeit gehen. „Heute haben wir Ketten und Ringe aus Materialien im Programm, die vor zwanzig Jahren undenkbar waren“, sagt der 53-Jährige. Schmuck aus Edelstahl und Titan zum Beispiel – gefragt bei jüngeren Kunden oder Leuten mit Nickel-Allergie. Das bekannte Weißgold hingegen wird heute mit den Edelmetallen Palladium oder Rhodium veredelt.

Jeder Ring trägt eigene Spuren

Dennoch bleiben manche Dinge unverändert. „Jeder Ehering bekommt im Laufe der Jahre seine persönliche Note“, sagt Andreas Renger. Ob der Träger auf dem Bau oder am Schreibtisch arbeitet, ob er Kisten schleppt oder Autos repariert: „Jede Tätigkeit hinterlässt ganz andere Kratzspuren.“ Mit einer Lupe wie ein Monokel im Auge besieht sich der Juwelier die Stücke, die ihm die Kunden bringen. Einfache Reparaturen erledigt er gleich hinter dem gläsernen Verkaufstresen. Der kleinste Schraubenzieher dafür ist nur einen halben Millimeter breit. Für anspruchsvollere Sachen geht es über die gusseiserne Wendeltreppe ins Obergeschoss. Hier bringt der begeisterte Radfahrer kaputte Uhren wieder in Gang oder passt geerbte Schmuckstücke an.

Seit 1994 arbeitet und wohnt der Uhrmachermeister und gelernte Goldschmied im Eckhaus zur Reichenstraße. Vater und Großvater betrieben ihr Geschäft auf der anderen Seite des Hauptmarkts, wo heute Jan Hornig mit Immobilien handelt. „Ich weiß noch, wie es in der Werkstatt roch, als ich ein Kind war“, sagt Renger. Mit großen Brennern wurde das Gold geschmolzen. Die Faszination hält bis heute an – kein Wunder, dass der Junior die Familientradition fortführte.