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Bad zu - wo man noch gratis baden kann

Der Freibadverein in Goßdorf hat in diesem Jahr seine beliebte Badestelle nicht geöffnet. Daran ist nicht nur Corona Schuld.

Das geschlossene Freibad Goßdorf bei Hohnstein. Anwohner haben eine Befürchtung.
Das geschlossene Freibad Goßdorf bei Hohnstein. Anwohner haben eine Befürchtung. © Daniel Schäfer

Das Freibad im Hohnsteiner Ortsteil Goßdorf war ein echter Geheimtipp, der sich allerdings schnell herumgesprochen hat. Der Eintritt kostenlos, die Anlage top gepflegt und viel Platz zum Toben. Für Familien auch mit einem schmalen Geldbeutel seit Jahren ein lohnenswertes Ziel.  Darüber hinaus verfügt das Bad auch über einen rollstuhlgerechten Zugang zum Wasser. Doch in diesem Jahr bleiben die Türen zu. Dazu musste sich der Betreiber, der Freibadverein Goßdorf schweren Herzens entscheiden, wie Vereinsvorsitzender Steffen Fischer sagt.

Das Bad hat aus zwei Gründen geschlossen.  Zum einen wegen Corona. Der Verein hätte nach einer Öffnung die Abstandsregeln und den Einlass kontrollieren müssen. Das können aber die Ehrenamtlichen personell nicht leisten. Auch die Hygieneauflagen würden zusätzliche Kosten erzeugen, welche in keinem Verhältnis zu den Einnahmen und auch zu den personellen Möglichkeiten stehen würden.

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Eigentümer sollten nicht blind darauf vertrauen, die Kosten von der WEG erstattet zu bekommen. Das sollten sie wissen.

Zum anderen habe ein Artikel von Sächsische.de zur zurückgebauten Badestelle in Hinterhermsdorf den Verein angeregt, sich diesbezüglich mit dem Thema näher zu beschäftigen.  "Ernüchternd haben wir festgestellt, dass die Richtlinie 94.05 der Deutschen Gesellschaft für Badewesen in diesem Urteil mit Präsenz hatte. Dies wiederum heißt deutlich, dass unser Freibad ohne Badeaufsicht nicht betrieben werden kann und die Verantwortung bei Fehlverhalten direkt beim Vorstand des Vereins liegt", sagt Steffen Fischer. Selbst mit einer erweiterten Haftpflichtversicherung sei diese Sache nicht zu umgehen, da im Fall eines Unfalls ohne Badeaufsicht dem Vorstand grobe Fahrlässigkeit angelastet werden kann und dies sogar strafrechtliche Konsequenzen hätte. "Diese Verantwortung nimmt dem Vorstand keiner ab, auch wenn wir uns alle wünschen, unser Bad wieder zu eröffnen. Von außen betrachtet scheint das immer alles einfach zu sein, im Detail betrachtet leider nicht", sagt Steffen Fischer.

Aus seiner Sicht ist es einfacher ohne Aufsicht einen gefährlichen Berg zu besteigen oder einen steilen Skihang herabzufahren als in einer kleinen Badestelle Spaß zu haben. Hoffentlich werde dies nicht auch noch mit Richtlinien versehen. "Selbstverantwortung sollte in allen Lebenslagen an vorderster Stelle stehen und auch insbesondere dann, wenn man etwas kostenfrei nutzt", sagt er. Aufgeben will der Verein aber nicht. Zum einen wurden im Juni erste Gespräche mit der Stadt Hohnstein geführt um hier Lösungen zu suchen. Zum anderen will der Verein deutliche Worte an die Deutsche Gesellschaft für Badewesen schreiben, um auf die Auswirkungen von aus Vereinssicht übertriebenen Vorschriften insbesondere für kleine freie gemeinnützige Badestellen hinzuweisen. "Es scheint hier nicht klar zu sein, was hier kaputt gemacht wird", kritisiert der Vereinsvorsitzende.

Der Vorstand versuche weiter, über geförderte Arbeitsmaßnahmen Kräfte für das nächste Jahr zu finden, welche über ein Rettungsschwimmerabzeichen in Silber verfügen. So gebe es dann zumindest eine Aufsichtsperson und das Bad könnte nächstes Jahr zeitlich eingeschränkt wieder öffnen.

Landratsamt kontrolliert die Wasserqualität

Wer nun trotzdem kostenlos abtauchen möchte, hat im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge auch an anderen Orten noch Gelegenheit dazu. Sorgen um schlechte Wasserqualität muss man keine haben. Denn einmal im Monat erfolgen die Kontrollen durch das Gesundheitsamt des Landratsamtes in Pirna. "Geprüft werden mikrobiologische Parameter, die Sichttiefe, der ph-Wert, die Wassertemperatur und sonstige Beanstandungen", sagt Kati Hille, Beigeordnete Gesundheit, Soziales und Ordnung im Landratsamt. 

Für die Nutzer solcher freien und kostenlosen Badestellen gibt es auch noch eine positive Nachricht mit dazu. Die Prüfer bescheinigten den Badestellen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 2019 und 2020 eine gute Wasserqualität. Keine der Badestellen und auch keiner der Teiche musste gesperrt werden, informiert das Landratsamt.

Kostenlose Badestellen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (Auswahl):  Badesee Neustadt, Waldbad Polenz, Badestelle Liebstadt, Freibad Rosenthal,  Naherholungszentrum Copitz, Naturbad Dönschten, Naturbad Fürstenwalde, Naturbad Hartmannsdorf, Naturbad Hennersdorf, Naturbad Hermsdorf/E., Naturbad Leupoldishain, Naturbad Reichenau, Naturbad Schönfeld, Naturteich Heidemühle Karsdorf, Seerenteich Dorfhain, Talsperre Malter Nixeninsel, Teich Grillenburg.

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