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Gottleuba feiert seine vier Jahreszeiten

Die Odyssee der Skulpturen dauerte Jahre. Der umstrittene Verkauf durch den Bürgermeister hat im Nachhinein auch sein Gutes.

Der Herbst ist wieder da, die anderen drei Jahreszeiten aber auch. Und das wird in Bad Gottleuba am Sonntag gefeiert.
Der Herbst ist wieder da, die anderen drei Jahreszeiten aber auch. Und das wird in Bad Gottleuba am Sonntag gefeiert. © Daniel Schäfer

Die vier Jahreszeiten bekommen zum Abschluss ihrer Odyssee einen großen Auftritt. Seit sechs Wochen stehen sie nach vielen Irrwegen wieder im Kurpark. Am Sonntag wird ihre Heimkehr gefeiert. Die Organisatoren des Festes nennen es die „feierliche Wiederinbesitznahme“.

Kurz vor dem großen Finale werden die Zuständigkeiten offenbar noch einmal hin- und hergeschoben. Der Kulturverein verweist an die Kurgesellschaft und umgekehrt. Es scheint, als ob die Figuren nicht zur Ruhe kämen. Und es seien auch keine Figuren, sondern man bevorzuge den Begriff „Sandsteinskulpturen“, lässt die Kurgesellschaft wissen. Egal wie man sie nun nennt, sie sind wider Willen berühmt geworden. Ob sie ohne diese Berühmtheit so einen Empfang bekommen würden?

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Dann würden sie vielleicht weiter unbeachtet in irgendeiner Ecke liegen. Doch es kam anders. Das Verschwinden des „Frühlings“ vom Vorplatz des Bürgerhauses brachte im Januar 2016 alles ins Rollen. Stadträtin Sabine Pohlan (Linke) hatte sich damals Sorgen um die fast hundert Jahre alte Figur gemacht. Der „Frühling“ stand als einzige der vier Jahreszeiten noch in der Öffentlichkeit. Die anderen waren seit Jahren eingelagert. Sabine Pohlan dachte, vielleicht wurde sie ja gestohlen. Was sie damit auslöste, überraschte nicht nur sie.

Der „Frühling“ beim Restaurator. Die Plastik löste Streit aus.
Der „Frühling“ beim Restaurator. Die Plastik löste Streit aus. © Daniel Schäfer

Die Figur war mitnichten gestohlen, sie war mit den anderen drei verkauft worden. Und das brachte Bürgermeister Thomas Mutze (parteilos) viele Diskussionen und etlichen Ärger ein. Er hatte den Verkauf damals klammheimlich veranlasst. Doch die plötzliche Aufmerksamkeit war auch eine Chance für die Figuren. Nach dem Rückkauf gab es nämlich sogar Fördermittel für deren Sanierung.

Ende Juni schließlich wurden die Figuren sprich Sandsteinskulpturen wieder an ihrem historischen Orten im Kurpark aufgestellt. Und nun also ihre große Willkommensfeier. Am Ende kann Gottleuba dem ehemaligen Bürgermeister also fast noch dankbar sein. Mutze selbst hat die Figuren am Ende augenzwinkernd „seine Freunde“ genannt. Seit der Wahl, zu der er sich nicht mehr stellte, ist er nicht mehr Bürgermeister. Ob er am Sonntag dabei ist?

Begrüßungsfeier, 11. August, 14 Uhr, Goethe-Park Bad Gottleuba, Programm mit Musik, historischem und botanischem Parkrundgang, historischem Rückblick mit Persönlichkeiten der Zeitgeschichte.

Sechs Eckdaten aus 97 Jahren

22. Mai 1922: Im Kurpark werden die Sandsteinfiguren Frühling, Sommer, Herbst und Winter aufgestellt. Der Steinbildhauer Kurt Hempel hat die Entwürfe von Gustav Reißmann umgesetzt.

Etwa 1987: Die Sandsteinfigur „Frühling“ wird von der Firma Kajer restauriert. Die drei weiteren Figuren werden als nicht restaurierbar eingeschätzt.

1998: Die vier Sandsteinfiguren werden aus dem Park entfernt. Vier kleine Nachbildungen aus Kunstmasse werden im Park aufgestellt. Die Leiter von Kurverwaltung und Bauhof beschließen, die Figuren trotz ihres schlechten Zustandes nicht zu entsorgen, sondern einzulagern.

März 2007: Der „Frühling“ wird vorm Bürgerhaus aufgestellt, um auf eine Spendenaktion zur Restaurierung aufmerksam zu machen.

Januar 2016: Auf Nachfrage im Stadtrat stellt sich heraus, der Bürgermeister hat alle vier Figuren verkauft. Interesse und Empörung sind groß. Es folgt der Rückkauf.

11. August 2019: Die mit Denkmalschutzmitteln des Freistaates, Geld der Stadt und Spenden sanierten Figuren stehen wieder an ihrem ursprünglichen Ort.

 Quelle: Kulturverein, Robert Kühn

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