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Forscher berichten über Grabungen in Riesa

Bei der Sanierung des Rathausplatzes 2019 sorgten archäologische Funde für großes Aufsehen. Nun widmet ein Magazin ihnen einen Beitrag.

Auf zwei Seiten fasst das Magazin Archaeo die ersten Erkenntnisse aus den Grabungen am Riesaer Rathausplatz zusammen.
Auf zwei Seiten fasst das Magazin Archaeo die ersten Erkenntnisse aus den Grabungen am Riesaer Rathausplatz zusammen. © Lutz Weidler

Riesa. Über Monate hinweg war der Riesaer Rathausplatz 2019 eine Baustelle. Die Arbeiten dauerten deutlich länger als geplant - was nicht zuletzt auch an umfangreichen archäologischen Grabungen lag. Die Funde sorgten schon damals für großes Aufsehen, erinnert sich der Sprecher des Landesamtes für Archäologie in Dresden, Christoph Heiermann. 

"Etwa 180 Bestattungen wurden im Bereich der Trasse vor Rathaus und Kirche dokumentiert", so der Sprecher weiter. "Darunter befanden sich seltene Kopfnischengräber aus dem Hochmittelalter und gemauerte Grüfte bis ins Jahr 1839." Diese Grabform imitiert in ihrer Form den menschlichen Körper, der Name leitet sich von der eingelassenen Nische für den Kopf ab. 

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Zeitliche Einordnung schwierig

Nun widmet die vom Landesamt für Archäologie herausgegebene Zeitschrift Archaeo den Ausgrabungen in Riesa einen Bericht. Auf zwei Seiten schildern die Autoren in einem kurzen Abriss die Geschichte des Klosters und erklären, was sie vor Ort fanden - und was diese Funde besonders macht. So erfährt der Leser beispielsweise detailliert, wie die Toten - darunter auch Kleinstkinder und Jugendliche - auf dem Friedhof bestattet wurden: den Blick nach Osten gerichtet, die Arme ausgestreckt neben dem Körper, eingewickelt meist in ein Leinentuch. 

Wann die Bestattungen erfolgten, sei schwierig zu bestimmen gewesen, so die Autoren: Es fehlte in Riesa an Beigaben, die eine Einordnung erleichtert hätten.  Einen Hinweis liefern die entdeckten Kopfnischengräber, die typisch für das Hochmittelalter seien, so die Forscher.

 Lediglich in drei Fällen fanden die Archäologen Gegenstände, die den Toten mit ins Grab gegeben wurden: zwei Keramikschalen sowie eine Totenkrone. Diese lagen allerdings nicht in den Kopfnischengräbern - sondern in den 14 Backstein-Grüften auf dem Areal vor der Klosterkirche. Ein überraschender Fund, so die Autoren. 

Christoph Heiermann und Margit Georgi vom Landesamt für Archäologie im März 2019 auf dem Rathausplatz. Georgi ist eine der drei Autorinnen, die jetzt in Archaeo ein erstes Fazit der Grabungen in Riesa ziehen.
Christoph Heiermann und Margit Georgi vom Landesamt für Archäologie im März 2019 auf dem Rathausplatz. Georgi ist eine der drei Autorinnen, die jetzt in Archaeo ein erstes Fazit der Grabungen in Riesa ziehen. © Sebastian Schultz
Blick nach Osten: Die Bestattungen auf dem Rathausplatz in Riesa folgten einem klaren Muster. Grabbeigaben wurden nur vereinzelt gefunden. 
Blick nach Osten: Die Bestattungen auf dem Rathausplatz in Riesa folgten einem klaren Muster. Grabbeigaben wurden nur vereinzelt gefunden.  © Sebastian Schultz
Eine große Überraschung waren die Grüfte im Bereich vor Klosterkirche und 1. Grundschule. Insgesamt wurden in Riesa etwa 180 Gräber gefunden. 
Eine große Überraschung waren die Grüfte im Bereich vor Klosterkirche und 1. Grundschule. Insgesamt wurden in Riesa etwa 180 Gräber gefunden.  © Sebastian Schultz

Abgeschlossen ist die Auswertung der Funde noch nicht, heißt es im Bericht. Die anthropologischen Untersuchungen der Skelettfunde  stehen noch aus. Danach lassen sich womöglich noch genauere Aussagen zu den Bestatteten treffen. Eines ist nach Überzeugung der Archäologen aber jetzt schon sehr wahrscheinlich: Es wurden weit mehr Menschen auf dem heutigen Rathausplatz bestattet als es die 180 Gräber vermuten lassen. Darauf ließen die gefundenen Skelettteile und vermutete Verluste durch jüngere Störungen schließen. 

Für breites Publikum aufbereitet

Der Beitrag über die Funde auf dem Rathausplatz in Riesa ist nicht das einzige Thema aus der Region, dem sich Archaeo in der neuen Ausgabe widmet. Im rund 70 Seiten starken Heft finden sich auch ein archäologischer "Wanderreport" durch den Wermsdorfer Forst und ein Nachruf auf den bereits im Sommer 2019 verstorbenen obersten Denkmalpfleger des Landkreises Meißen, Andreas Christl.

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Vor ausufernden Fachbeiträgen muss sich übrigens kein potentieller Leser fürchten. Bei Archaeo handle es sich bewusst um ein populärwissenschaftliches Magazin, betont Christoph Heiermann. Es "wendet sich bewusst an das breite Publikum".

Archaeo - Archäologie in Sachsen, Heft 16, 2019. 72 Seiten, zu bestellen für 8 Euro (im Abo 6,40 Euro) im Webshop des Landesamts für Archäologie unter www.eshop.sachsen.de/lfa

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