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Der schleichende Generationswechsel

Manfred Grafe gründete vor 30 Jahren in Stroga sein Bauunternehmen. Mut und Risiko haben sich ausgezahlt.

Manfred Grafe (li.) gründete am 1. August 1990 das gleichnamige Bauunternehmen in Stroga. Sohn Clemens steht für die Nachfolge in der Geschäftsführung bereit.
Manfred Grafe (li.) gründete am 1. August 1990 das gleichnamige Bauunternehmen in Stroga. Sohn Clemens steht für die Nachfolge in der Geschäftsführung bereit. © Anne Hübschmann

Stroga. An den 1. August 1990 kann sich Manfred Grafe noch ganz gut erinnern. Zum Gründungstag seines Bauunternehmens fing er mit einem knappen Dutzend Mitarbeitern, einer Schreibmaschine und einem Taschenrechner an. In einer Zeit voller Spannung. "Die deutsche Einheit war noch nicht, aber wir hatten die D-Mark", so Manfred Grafe. Aber "die wollten die Leute erst einmal festhalten". 

Knapp 40 Jahre alt war der gelernte Mauer damals, hatte Bauwesen studiert und war bis 1990 als Investbauleiter im Landgut Stroga tätig. Als dessen Auflösung abzusehen war, entschloss er sich fürs eigene Unternehmen. Kein einfacher Start, wie er heute, nach 30 Jahren, erzählt. Denn man kannte hierzulande die neuen Baumaterialien noch nicht.

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 Die etablierten Händler waren noch nicht im Osten angekommen. Das Kalkulieren musste man erst lernen. Für das Unternehmen in den früheren Strogaer Stallanlagen und im Melkhaus gab es eine Telefonleitung, die man sich mit zwei anderen Nutzern teilen musste. Und wenn Manfred Grafe ein Fax abschicken wollte, tat er dies oft mitten in der Nacht, "weil da die Verbindung besser war".

Das Bauunternehmen Grafe hat trotz aller Widrigkeiten sehr schnell seine Handschrift in der Region hinterlassen. Unmittelbar nach Firmengründung übernahm es die Umgestaltung der früheren Spezialschule in Großraschütz. "Das hat der Firma damals gut getan", erinnert sich Manfred Grafe. Das "Gesellenstück" war der Bau des Autohauses Peschel in Großdobritz - ebenfalls im Gründungsjahr. 

Das Unternehmen etablierte sich vergleichsweise schnell. Ein Vorteil:  Bei Grafes war ein "Vollservice" zu haben. Putz- und Maurerarbeiten, Hoch- und Tiefbau, Zimmerei, Dachdecker, schlüsselfertiges Bauen - für sämtliche Gewerke hatte der engagierte Unternehmer Mitarbeiter parat.

 Deren Fachkompetenz und Zuverlässigkeit nennt er ebenso als große Stütze wie die eigene Familie. Oft genug sei nur der Sonntagnachmittag frei gewesen, "meine Frau hat mir immer den Rücken freigehalten", sagt Manfred Grafe und schmunzelt. Nicht nur beim Heranwachsen der vier Kinder. Sie habe vielmehr auch sämtliche Risiken mitgetragen, als es beispielsweise um die Aufnahme von Krediten ging. 

Clemens Grafe hört zu und lächelt. Der jüngste Sohn der Familie ist designierter Nachfolger seines Vaters für die Geschäftsführung. Die Tinte auf dem Diplom als Bauingenieur ist gerade getrocknet. Sozusagen "schleichend" wird er nun die Geschäfte übernehmen. Angst, dass der Schuh zu groß wird, hat der 25-Jährige nicht.

 "Mein Vater hat mich lange und rechtzeitig vorbereitet. Und jetzt will ich mich hier etablieren", sagt er. Was nicht heißt, dass sich der "Senior" Manfred Grafe jetzt von einem Tag zum anderen zurückzieht. "Das wäre für mich eine kleine Katastrophe", sagt Manfred Grafe und lacht. "Denn alles, was man nicht benutzt, das rostet", ergänzt er. 

Es waren gute und manchmal auch weniger gute Zeiten, die die Firma in den letzten 30 Jahren durchlebt hat. Im Heimatort Zabeltitz haben Grafes etwas für die Ewigkeit gebaut - das Wohngebiet am Bauerntann. "Ein Risiko war das schon", sagt der 69-Jährige. "Man geht ja mit allem finanziell in Vorleistung und weiß nicht, ob man die Grundstücke am Ende wirklich verkaufen kann." 

Manfred Grafe erwarb das Areal 2012/13 von vier Grundeigentümern, seine Firma legte los, ein Jahr später konnten die öffentlichen Flächen an die Stadt übergeben werden. Schon bald waren alle 15 Eigenheim-Grundstücke verkauft und bebaut. "Da gehörte Mut dazu, den wir durch unseren Enthusiasmus ausgeglichen haben", sagt der Unternehmer. 

Und vergisst nicht zu erwähnen, dass er für das Vorhaben seinerzeit offene Türen im Großenhainer Rathaus eingerannt hat. "Ich würde sowas wieder tun", bilanziert Grafe. Zu ansprechenden Preisen - und "es muss in der Region sein". Und er vergisst nicht den Dank an alle, "die durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Erfolg des Unternehmens beigetragen haben".

Das Kalkulieren hat Manfred Grafe längst "gelernt". 35 Mitarbeiter zählt das Unternehmen heute. In der Regel bildet er jährlich zwei Lehrlinge aus. Doch Nachwuchs in den einzelnen Berufen zu finden, sei nicht leicht, sagt er nachdenklich. 

Natürlich werde heute anders gebaut als vor 30 Jahren. Baustoffe haben sich verändert, Vorschriften und Verordnungen sowieso. "Man lernt eigentlich täglich dazu", sagt Manfred Grafe. Doch ohne Maurer oder Dachdecker dreht sich auf einer Baustelle kein Rad, wirbt er für diese Berufe. 

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