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Graffiti: mal Fluch, mal Segen

Schmierereien. Hauseingänge und Bahnhöfe sind besonders betroffen.

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Von Katja Schreiber

Schlimm, ärgerlich, hässlich, teuer, unangenehm. Rolf Wiedermann findet für Schmierereien viele Worte. Im Neustädter Ordnungsamt schaut er stirnrunzelnd in seine Anzeigenmappe: Nachdem lange Zeit Ruhe war, musste er dieses Jahr schon drei Fälle bei der Polizei melden. Zuletzt, als Mitte April jemand Bänke und Schilder am ehemaligen Badeteich von Krumhermsdorf verschandelte. Rund 800 Euro kostet es, den Schaden zu beheben.

Dass mit nur zwei Sprühdosen ein Schaden von mehreren tausend Euro entstehen kann, weiß auch die Deutsche Bahn aus leidvoller Erfahrung. Obwohl sich die Probleme vor allem in den Großstädten häufen, sind auch viele Bahnhöfe des Landkreises betroffen. Ein echter Fluch für Pressesprecher Kai Friedländer, der für die Täter keine Werbung machen will: Er hüllt sich in Schweigen.

Die Oberelbische Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz kann dagegen nicht klagen. „Im Winter hatten wir mal ein Graffiti auf einer Fähre. Aber das war mit einem Lappen schnell weggewischt“, sagt Betriebsleiter Uwe Thiele. Und Sonnhild Ruffani von der Heidenauer Wohnungsverwaltungsgesellschaft (WVH) ist ebenfalls froh, nicht in der Haut ihrer Dresdner Kollegen zu stecken. Größere Schäden muss sie nicht beklagen. „Trotzdem würden wir ein schärferes Gesetz begrüßen“, erklärt Ruffani. Danach könnten Täter nun sogar mit Haftstrafen von bis zu zwei Jahren rechnen (siehe Kasten). Ruffani muss derweil mit dem inzwischen fast „normalen Vandalismus“ leben. Rund einmal im Jahr werden Durchgänge und Hauseingänge in den großen Wohngebieten neu gestrichen, weil diese immer wieder mit Stiften bekritzelt werden. Ähnlich geht es der Pirnaer Wohnungsgesellschaft (WGP). Auch hier werden in erster Linie Hauseingänge bemalt. So etwa im Fall der 17-Geschosser auf dem Sonnenstein.

Wird ein übereifriger Maler von der Polizei ertappt, dann fast immer auf frischer Tat. „Fast alles läuft über Bürgerhinweise“, erklärt der Pirnaer Ermittler Manfred Stephan. Zuletzt gingen ihm dadurch drei Verdächtige auf der Gottleubabrücke ins Netz. Ein junger Sprayer, der letztes Jahr zwölf mal in Pirna zuschlug, wurde schließlich ebenfalls geschnappt. Insgesamt liegen der Pirnaer Polizeistation in diesem Jahr schon 97 Anzeigen wegen Sachbeschädigung vor. In acht Fällen ging es um Graffiti. „Das ist ein leichter Rückgang,“ freut sich Stephan. Allerdings sei abzuwarten, ob sich das in den Sommermonaten wieder ändert.

Offizielle Malerei

Allerdings gelten Farbkleckse nicht immer als Teufelswerk. Gezielt werden sie inzwischen von Energieversorgern eingesetzt, um monotones Grau in Bunt zu verwandeln. So wollen die Pirnaer Stadtwerke einige ihrer Wartungshäuschen verschönern. Das erstes Vorzeigemodell steht schon in Graupa. Gemeinsam mit der Gaso entstand ein kunterbuntes Motiv zum Waldcampingplatz. „Das sieht schöner aus“, findet Pressesprecherin Swetlana Irmscher. Gleichzeitig sollen die Bilder illegalen Schmierereien zuvor kommen.

Eifrig und ganz offiziell machen sich außerdem zurzeit rund 50 Kinder und Jugendliche an einer Neustädter Garagenwand zu schaffen. Bis zum Neustadttreffen lassen sie dort nach eigenen Vorlagen die Sächsische Schweiz entstehen.